Battle Princess Madelyn: Das Shovel Knight dieses Jahres?

Nach Mega-Man bekommt jetzt Super Ghouls 'n Ghosts seine wohlverdiente Hommage.

Wenn ich an Retro-Hommagen denke, flimmern fast immer 8-Bit-Bilder über die eingebildete Leinwand in meinem Oberstübchen. Vielleicht liegt es daran, dass einige meiner Favoriten in dieser Hinsicht, Axiom Verge und Shovel Knight, der Ästhetik und den Designsensibilitäten des NES Tribut zollten? Wie dem auch sei, mit dem nächsten Spritzer der Retro-Welle pixelt Entwickler Cbit mit Battle Princess Madelyn einen Liebesbrief an das Super Nintendo, der bis auf die Sprunganimation aussieht, als hätte es nach Super Ghouls 'n Ghosts noch circa 1995 einen Spätnachfolger für Capcoms knallharte Kultreihe gegeben.

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Madelyn ist die Tochter eines der Entwickler.

Ein Vergleich, der bei Spielen dieser Art natürlich Quatsch ist, was man immer dann merkt, wenn man eines der Originale mal wieder einwirft und sich wundert, wie viel schöner, detaillierter und farbenfroher das in der Erinnerung aussah. Das ist vermutlich auch der beste Anhaltspunkt, wenn es darum geht, Battle Princess Madelyn, das nach nur zehn Tagen auf Kickstarter sein Finanzierungsziel um das Zweieinviertelfache übertroffen hat, treffender zu beschreiben: Es sieht so aus, wie man sich an Spiele wie Super Ghouls 'n Ghosts erinnert.

Zugegeben, subtil ist die Hommage nicht. Bildsprache, Farbgebung, ja sogar die Sprunganimation gleichen dem Original wie ein Grabstein dem anderen. Das Konzept der mehrteiligen Lebensleiste, bei der man zunächst die Rüstung und erst dann ein Bildschirmleben verliert, ist man offensichtlich ebenfalls vollauf gewillt, eins zu eins zu übernehmen. Sogar die mehr oder weniger verzufallten Gegner-Spawns, die immer in der Richtung nachwachsen, in die ihr euch gerade bewegt, kommen einem auf die gute Art arg bekannt vor. Wiederum: Ein prüfender Blick zurück auf die Vorlage offenbart, was für ein mistiges Biest dieses glorreiche Stück Selbstgeißelung doch war. Im Vergleich dazu steuert sich die Kampfprinzessin geradezu göttlich, mit reichlich Kontrolle über die Sprungrichtung auch in der Luft noch. Und natürlich wirft sie ihre Lanzen nicht nur stumpf geradeaus, sondern auch senkrecht nach oben, beziehungsweise im Sprung auch nach unten.

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Bei solchen Sprites muss einem Kind der Achtziger einfach warm ums Herz werden.

In den ersten Leveln der Pre-Alpha-Demo, die nach hinten hinaus mit ihren teils leeren Bereichen und Sackgassen immer mehr nach dem Prototyp aussehen, der das Spiel aktuell ist, spielt sich das alles schon ziemlich fluffig. Man ist stets Herr, oder in diesem Fall "Herrin", der Lage, weiß, dass schon alles gut wird, wenn man nicht zu lange unentschlossen nach links und rechts wandert und bekommt allgemein noch nicht ganz so gut eine Vorstellung davon, was die Entwickler meinen, wenn sie einen Schwierigkeitsgrad versprechen, der sich dynamisch an das Talent des Spielers anpassen soll. In der Theorie spuckt BPM die Gegner wohl in höherer Frequenz und aus schwierigeren Winkeln aus ihren Löchern und Verstecken und ich freue mich schon jetzt, herauszufinden, wie sich das dann anfühlt. Für den Moment ist diese Hommage an Capcoms große, irgendwie ein bisschen vergessene Reihe ein deutlich leichteres Spiel.

Was sich schon jetzt sagen lässt: Die Level wirken deutlich größer, ziehen sich mehr in der Vertikalen und man hat den Eindruck, dass es mehr als einen Weg zum Ziel gibt oder sich zumindest in bestimmten entlegenen Ecken im fertigen Spiel etwas finden wird, das den Abstecher dann wert war. Das ist, ebenso wie die Oberwelt, auf der man eigenhändig über eine Karte von Level zu Level zieht, und der reanimierte Geist von Madelyns Hund Fritzy, der mit verschiedenen Attacken aufs Kampfgeschehen einwirkt, die einzige Kapriole, die Cbit sich traut. Schöne Ergänzungen, die dem Titel ein paar Facetten verleihen, die das brutale Von-links-nach-rechts des Originals noch nicht kannte. Ebenfalls schön: Wer mag kann den Soundtrack von Chiptune auf orchestral umstellen.

Der Kickstarter-Pitch spricht über die Entstehungsgeschichte von Battle Princess Madelyn.

Der Star dieser Show ist aber zweifelsfrei die Optik, die bis auf die hübschen Scanlines hinunter den Esprit der frühen Neunziger versprüht - auch wenn einem hier trickreich Lichteffekte, Animationen und Sprite-Mengen untergejubelt werden, die damals nie im Leben möglich gewesen wären. Und das ist irgendwo die Kunst: Den Geist von damals zu konservieren und all die Dinge, für die man heute keine Geduld mehr aufbringt, dem Vergessen anheimfallen zu lassen. Ein Spagat, der diesem kleinen und beneidenswert gutaussehendem Spiel durchaus gelingen könnte.

Aber hey, nehmt mich nicht beim Wort: Eine kostenlose Demo ist auf Steam erhältlich.

Entwickler/Publisher: Cbit - Erscheint für: PS4, Xbox One, Wii U, Switch und PC - Geplante Veröffentlichung: nicht bekannt - Angespielt auf Plattform: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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