Das war sie also, Sonys E3-Pressekonferenz 2018. Im Grunde hatte man schon erwartet, dass keine Ankündigungen kommen würden, die mittel- oder langfristig verändern, wie man das PlayStation-Ökosystem sieht.

Unter diesen Vorzeichen - sprich: wenn man nicht auf neue Hardware wartete, einen Titel, den niemand (oder zumindest nicht so früh) auf dem Zettel hatte, oder großspurige Entwickler-Akquisen -, war der Termin ein voller Erfolg, obwohl er konkrete Veröffentlichungstermine für drei seiner vier Exklusivtitel offenließ.

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Der erste Kuss in einem Videospiel, bei dem das Uncanny Valley nicht komplett durchschlägt.

Auch und vor allem, weil Sony einmal mehr unterstreicht, wie wichtig ihnen weiterhin aufwendig produzierte Einzelspielererlebnisse sind. Die Gattung großformatiger Spektakelspiele ist so lange unter Beschuss gewesen - zuletzt vonseiten EA, die mit der Einstellung von Viscerals Star-Wars-Spiel als nächster postulierten, der klassische Singleplayer sei am Ende - dass es eine Wohltat war, wie Sony uns Solisten mit all seinen schönsten Spielen umgarnte.

Aber das ist wohl die Sorte Freiheit, die man sich leistet, wenn fast die Hälfte der Kunden ein Abo von PS Plus hat. Auch gehen mehr und mehr Käufe digital über den eigenen virtuellen Tresen, was Sony den Faktor Gebrauchtmarkt zunehmend lässiger sehen lassen dürfte. Nein, diese Firma ist bestens aufgestellt, genau das zu liefern, was die meisten Spieler mit ihnen verbinden - kinotaugliche Spiele vom Naughty-Dog- oder Sony-Santa-Monica-Format und ein bisschen Autoren-Material in Form von The Last of Us 2 und Kojimas neuem Baby-Baby. Dazwischen gibt es wahnsinnig verlockendes Popcorn (Spider-Man) und eine zumindest im Szenario exotisch anmutende Unbekannte, wenn Sucker Punch das feudale Japan durch die Linse eines westlichen Spielestudios inszeniert.

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Nicht ganz Naughty-Dog-Klasse, aber nah dran - und dafür Open World: Ghost of Tsushima.

Zugegeben, es herrschte schon ein bisschen Monokultur gestern Nacht. Wobei man nicht außer Acht lassen darf, dass keiner von uns auch nur einen blassen Schimmer hat, wie sich Death Stranding nun wirklich spielt. Jüngste Aussagen zu Bildschirmtoden des Hauptcharakters, die wohl nicht mit einem einfachen Continue weitergehen, sondern ihn zurück an den Strand spülen, der mit steigender Todeszahl immer schlimmer aussehen und wohl den Status der Welt repräsentieren soll, lassen dieses Spiel noch ungreifbar wirken als sowieso schon. Aber auch hier würde es mich sehr überraschen, wenn es sich allzu weit vom Steuerungsgefühl und der Navigation des letzten MGS entfernte.

Was ich sagen will, thematisch könnten die vier Exklusiven und ein paar der Third-Parties von Control bis NiOh 2 zwar kaum unterschiedlicher sein. Aber spielerisch herrschten sie schon, die kampfbetonten Third-Person-Spiele. Mit Abweichungen bei Offenheit, Stealth-Faktor und der Länge und Prominenz ihrer Skill-Trees wilderten im Grunde alle im Aufmerksamkeitsgehege des gleichen Typs Spieler. Das kann man problematisch finden, oder sich darüber freuen, dass hier nicht auch der Looter-Shooter mit Zehnjahresplan zum Maß aller Dinge ausgerufen wurde.

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Falls euch die Dame vom Ende des Death Stranding Trailers bekannt vorkommt: Es ist Lindsay Wagner, die 'Sieben-Millionen-Dollar-Frau'. Mittlerweile Ende 60, wurde sie von Kojima, der nach eigenen Angaben seit er 13 ist von der Schauspielerin fasziniert ist - awkward -, für Death Stranding verjüngt.

Der Blick zu all den anderen Herstellern, die im Großen und Ganzen ohnehin nicht um die PS4 herumkommen, entkräftet jegliche Sorge, als Sony-Fan künftig in erster Linie mit dem einen Über-die-Schulter-Open-World-RPG-Crafting-Survival-Shooter-Omni-Spiel bedient zu werden. Kein Wunder, dass der Konzern keine Not sah, im Namen der Vielfalt Titel ins Rampenlicht zu rücken, die dafür noch nicht bereit waren. Das ist kein Vergleich zu den mittleren PS360-Zeiten, als jedes Spiel gefühlt nur ein grimmig finsterer First-Person-Shooter mit starker Mehrspielerkomponente vor authentisch anmutendem, möglichst westlichem Echtweltszenario sein durfte.

Nicht zuletzt passt es zum Selbstverständnis der Japaner, die sich mit den Jahren in ihrer Rolle als Plattform für Geschichtenerzähler immer besser gefielen. Nein, sie nehmen sie gerne, die Divisions und Destinys, die Battlefields und Call of Dutys, die Onrushes, Wreckfests, Tekkens und Fortnites - nur machen müssen sie selbst keinen davon. In der Hinsicht läuft Sony längst außer Konkurrenz und muss sich dafür nicht einmal mehr mühen, wie Microsoft das vorgestern tat.

Nur dass sie in Sachen Dreams nicht endlich die Hosen runtergelassen haben, das nehme ich ihnen krumm.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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