Öfter Mal was Neues. Nicht, dass diese Sony-Show im Großen und Ganzen so viel anders gewesen wäre als sonst. Das war die typische, souveräne E3-Show, ohne die größten Überraschungen, wie sie auch der eine oder andere auf dieser und den letzten E3s hingelegt hat. Aber das wo und wie sorgte unseren Leuten vor Ort zufolge nach dem verlängerten Auftakt für den einen oder anderen Kopfkratzer.

Doch zunächst: Wie sich die Konkurrenz geschlagen hat, was EA, Microsoft, Bethesda und Ubisoft zeigten und was noch kommt, erfahrt ihr hier bei den E3 2018 Artikeln und Terminen.

Die Show: Wie gesagt, es ging los in einem eher offenen Saal, in dem man zu anderer Gelegenheit vermutlich auf Barhockern an der Theke sitzen könnte. Etwas schlauchig, vorne die Bühne mit Leinwand dazwischen. Entweder es gab zu wenig Stühle oder man sah ab dem zweiten Drittel der Location schlecht, jedenfalls stand aber Stuhlreihe Nummer fünf fast jeder. Kurze Begrüßung durch Shawn Layden, der seine Sache wie immer gut machte und auch hier souverän und sympathisch das Standardprogramm abspulte.

Weniger selbstverständlich ist es allerdings, den Namen von Gustavo Santaolalla korrekt auszusprechen, was Layden nach meinem Dafürhalten gut hinbekommen hat, als er den Komponisten auf die Bühne bat. Der begann sogleich ein paar Töne aus The Last of Us 2 zu spielen, auf die die erste Gameplay-Demonstration des Sequels folgte. Wie es scheint, hat sich das Warten gelohnt, auch wenn sich ein weiteres Mal bemerkbar machte, dass derart drastische Gewalt, aus dem Zusammenhang des Spiels gerissen und von müden Augen rezipiert, noch unappetitlicher wirkt als so schon. So oder so, wahnsinnig beeindruckend, auch weil die Action von einer wunderbar menschlichen Szene eingerahmt wurde. Das machte es dann allerdings auch umso härter, wieder und wieder dem Tod aus nächster Nähe ins Gesicht zu blicken. Mir schwant, hier kommt was wahnsinnig Aufwühlendes auf uns zu. Nur wann, das wird leider wieder nicht verraten.

Intensiver hätte es eigentlich kaum losgehen können, was gut war, denn direkt danach folgte der große Stolperstein im Rhythmus der Show: Der komplette Saal an Reportern wurde zu einer anderen Location verlegt - warum ist nicht nur mir ein Rätsel -, damit es in einer anderen, ein wenig typischer nach Sony-Pressekonferenz aussehenden Halle weitergehen konnte. Zur Überbrückung ein vorher aufgezeichnetes Gesprächsintermezzo mit eingeschobenen Impressionen aus einigen Multiplayer-Karten von Call of Duty Black Ops 4 und der Ankündigung, dass Black Ops 3 für PS Plus'ler im Juni kostenlos sein wird. Die Erwähnung des New-Game-Plus-Modus für God of War war eine nette Überraschung. Dann ein schneller Trailer zu Mizuguchis Tetris Effect, dann in immer kürzerer Schlagzahl Mini-Teaser zu Ghost Giant, Twin Mirror und Beat Saber, bevor ein kurzer Destiny-Trailer offenbar Cayde-6 killt, um Stimmung für Destiny 2 Forsaken zu machen. Dann durfte die Show nach ihrem Knaller-Auftakt ein weiteres Mal starten. Alles sehr komisch.

Zum Glück ging es direkt mit Ghost of Tsushima weiter, das mit fantastischer Lichtstimmung genau nach dem japanischen Mittelalter-Witcher aussah, das ich mir davon versprach. Wundervolle Aufmachung, fantastische Technik und ich würde mich nicht wundern, wenn auch hier Horizons Decima-Engine ihren Zauber wirkte. Ein wenig klettern, Stealth und Schwertkampf mit vielen direkten Kills, ohne lange zu fackeln. Dazu tolles Schauspiel, als es gegen Schluss zu einem folgenschweren Verrat kommt. Top! Und machte die Wartezeit darauf, dass etwas Substanzielles passierte, fast wieder vergessen. Fast. Aber: Auch hier wieder kein Termin.

Danach nahm die Show direkt die nächste von vielen Gelegenheiten für eine Finte wahr, diesmal, ehrlich, wirklich, aber im Ernst jetzt Media Molecules Dreams zu enthüllen. Aber es blieb dabei, dass man mithilfe des sympathischen Spielebaukastens wohl nur kurze Einspieler für die Show bastelte. Danach dann das neue Remedy-Spiel Control, für das 505 Games als Publisher fungiert. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich deren Namen auf einer E3-PK sah. Das Spiel selbst? Remedy kann was, das weiß jeder, aber schon wieder Superkräfte- und Schusswaffen-Third-Person-Action, Zeitlupeneffekte und Telekinese inklusive. Da wird man mehr sehen müssen, bevor man in Vorfreude verfällt. Leichter hatte es da schon das Resident Evil 2 Remake mit mir, das im Gegensatz zur Neubearbeitung des ersten Teils wie ein komplett neuer Titel rüberkommt. Echtzeitgrafik und aufwendig abgefilmte Gesichter inklusive. Sogar mit Termin - 25. Januar. Danke dafür.

Anschließend mal wieder VR in Form eines neuen Spiels von Rick and Mortys Justin Roiland - und haben die sich wirklich von Squanchtendo zu Squanch Games umbenannt, weil sie auf der PlayStation herauskommen wollen? Aber ok, wird sicher lustig: Viel improvisierte Anarchie, wie immer. Mal schauen. Trover Saves the Universe heißt es und kam im Publikum so mittelmäßig an. Danach zum dritten Mal Kingdom Hearts 3, diesmal mit Gastauftritt von Jack Sparrow und Co, Schiffkampf inklusive, was nach Skull & Bones nicht ganz so sehr beeindruckte, bevor dann Death Stranding zu unfassbar stimmungsvoller Musik eine Weile androhte, ein Walking Simulator zu sein und insgesamt mehr Fragen aufwarf, als es beantwortete. Keiner will das hier nach diesem Video weniger spielen. Wie auch, wenn es stilecht mit einem Babyhintern beginnt und mit einer von Lea Seydoux verkörperten Dame endet, die genüsslich einen Wurm verspeist? Kompletter, fremdartiger Irrsinn vor cooler Kulisse. Aber - ihr ahnt es schon - auch das ohne Termin, nicht, dass einen das in diesem Fall wundern würde.

Dann nahm man sich noch kurz die Zeit, Team Ninjas NiOh 2 anzukündigen, was trotz eines Mangels an Infos durchaus für Freude im Saal sorgte, bevor man das Ganze mit einem Spider-Man-Gameplay-Video beendete. Das Spiel sieht einfach wahnsinnig leichtfüßig und spannend aus. Ich freue mich sehr drauf.

Und dann war's vorbei. Eigentlich, aber auch nicht so richtig, weil die Leute von der Pausenshow noch ein wenig resümierten und dabei einen VR-Titel von From Software ankündigten. Déraciné heißt das gute Stück, das ihr euch auch selbst anschauen könnt.

From Softwares VR-Titel Déraciné

Bestes Spiel: Wenig Zweifel, auch wenn Ghost of Tsushima spitze aussah und Spider-Man bestätigte, warum man sich weiter darauf freuen sollte. The Last of Us 2 wirkte wie die aus dem ersten Teil bekannte gute Mischung aus überzeugender Charakterinteraktion und einem dynamischen Spielablauf. Der zwingt euch wohl auch diesmal wieder, in immer brenzligeren Situationen auf einmal in Sekundenschnelle gewichtige Gefechtsentscheidungen zu treffen, die nicht immer mit dem vereinbar sind, was ihr eigentlich geplant hattet. Ich muss bei den schmerzverzerrten Gesichtern von Ellies sterbenden Gegnern zwar immer noch schwer schlucken und frage mich, wohin "wir" noch kommen werden, wenn das so weitergeht, aber es war unfassbar intensiv. Und wie oben erwähnt: Kontext ist alles.

4
Der echteste Kuss in der Geschichte des Mediums.

Am langweiligsten aussehendes Spiel: So sehr ich Remedy mag und ich ihnen allen Erfolg wünsche: In Control mache ich dem Trailer zufolge nichts, was ich nicht auch in Quantum Break gemacht hätte. Dann wiederum hatte das Luft nach oben. Mal schauen, wie sich der Eindruck mit der Zeit ändert.

Alles dazwischen: Ghost of Tsushima war toll, die Ankündigung von NiOh 2 wirkte früh, war aber trotzdem eine der wenigen echten Überraschungen. Death Stranding war angemessen verschroben und Spider-Man bringt in Spielform auf den Punkt, was Superheldenfilme so attraktiv macht: Die coole Sau mit interessanten Kräften zu sein. Wirkt immer besser. Rundheraus eine Show ohne Dinge, die negativ aus der Reihe getanzt wären - auch wenn spielerisch alles auffällig auf Action-Adventure gepolt war.

Coolste Technik: The Last of Us 2. Die Gesichter, das Moos auf den Baumstämmen, die Ausleuchtung - keine Übertreibung, wir nähern uns langsam Filmterritorium. Gleichzeitig bekommt es Naughty Dog hin, dass das Spiel einen eigenen Look hat, der klar als The Last of Us zu erkennen ist.

Das will ich nicht!: Noch ein Jahr auf Dreams warten. Ich weiß, jüngste Gerüchte datierten das Spiel grob auf 2018, aber auf der wichtigsten Messe des Jahres so gar nichts Wirkliches davon zu sehen, macht schon ein wenig Angst und Bange. Ach, und den Stunt, mitten in der Show die Venues zu wechseln, darf sich Sony nächstes Jahr gerne ebenfalls sparen.

Zum Trost gibt's den Dreams-Trailer von der TGA 2017

Innovationen: Abgesehen vom neuartigen E3-Venue-Hopping verlief hier alles im erwartbaren Rahmen. Wie gesagt, hochsolide, aber innovativ geht anders. Und dass so gut wie alles hier im weitesten Sinne ein Action-Adventure-RPG-Hybrid war - wo waren die Indies, die man sonst so förderte, wo die Hardcore-Rollenspiele (wehe, einer sagt Kingdom Hearts!), wo die neuen Racer? Ein Prügler?

Überraschung!: Ich hätte schwören können, dass die Zeit hierfür noch nicht reif ist, aber NiOh 2 schon so bald zur Gewissheit werden zu sehen, ist ein schönes Zeichen der Anerkennung für Team Ninjas gute Arbeit.

WTF!!!: Ich hatte befürchtet, je mehr wir von Death Stranding sähen, umso mehr ginge der fremdartige Zauber von etwas verloren, von dem man sich keine Vorstellung zu machen wagt. Weit gefehlt. Das lange Video zu Death Stranding lässt Rückschlüsse auf die ... einzigartige Stimmung zu - das war es aber auch schon. Zurück bleiben hochgezogene Augenbrauen und das gute Gefühl, dass Kojimas Abgang von Konami einige kreative Kräfte im alten Meister freigesetzt hat. Im Grunde war es die Reise jetzt schon wert. Wenn jetzt auch noch ein unterhaltsames Spiel dabei rauskommt, bin ich sicher, dass auch die letzte Wehmut verfliegt, wie das alles damals mit "Kojima Productions, die Erste" zu Ende gegangen ist.

Das war die Sony-Show auf der E3 2018: Im Grunde konnte man mit dem Media Briefing sehr zufrieden sein. Wenn man denn nichts anderes erwartet hatte, als aufwendig produzierte und durchweg Referenzcharakter versprechende Action-Adventures. Oder konkrete Termine für die größten Titel wie The Last of Us 2 und Ghost of Tsushima. Die Abwesenheit von Dreams, jedwedem Rennspiel, Prügler oder echtem Rollenspiel war ebenso befremdlich wie die Tatsache, nicht einen stilvollen Pixelhüpfer, ein wagemutiges Indie-Erzählspiel oder Puzzle-Platformer zu sehen. Abgesehen von zeitexklusiven Black-Ops-4-Karten war nicht einmal etwas mit großem Mehrspielerfokus wirklich im Rampenlicht. Aber sei es drum. Das können andere richten und an der Multi-Plattform-Front tut sich in der Hinsicht ja genug, wie wir in den vergangenen Tagen sahen. Was bei Sony zugegen war, gefiel. Und das nicht zu knapp.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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