Metro Exodus: Ein echter Überlebenskampf

Umgeben von Piraten und Wölfen.

Langsam öffnen sich meine Augen. Die Sicht ist verschwommen und ich merke, wie mich eine unbekannte Person langsam aus einem Flussbett ans Ufer zieht. Kurz darauf liege ich im Trockenen und der Fremde beugt sich über mich. Es ist ein "Kind des Waldes", verraten mir die Untertitel des Spiels, während er was vor sich hinredet. Dann macht er sich aus dem Staub und lässt mich zurück.

Und jetzt liege ich hier, ganz alleine am Ufer, raffe mich auf. Zum Glück ist meine Ausrüstung mitsamt Maschinengewehr und Pistole noch vorhanden, ansonsten wäre ich wehrlos in dieser Welt. Und das wäre alles andere als gut. Obwohl, die Umgebung sieht friedlich aus, die Sonne steht tief und glänzt im kühlen Nass des Flusses. Vögel zwitschern fröhlich vor sich hin und ein paar Krähen sind zu hören.

Mit Bedacht folge ich dem Weg und erkunde die verlassen wirkende Umgebung, bis ich auf einige leerstehende Gebäude stoße. Direkt davor hängt ein Bogen, den ich einstecke, in den Häusern finde ich verstreute Bauteile, Munition und Pfeile. Weiter geht es, immer die Augen und Ohren offen. Ich komme zu einer kleinen, kaputten Brücke und erblicke auf der anderen Seite eine Bande von Piraten neben weiteren Ruinen. Sie entdecken mich ebenfalls, deuten mir an, mich nicht zu nähern, wenn mir mein Leben lieb ist.

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In dieser gepanzerten Dampflok reist ihr durch die Gegend.

Ich lasse mich nicht gerne bedrohen und ergreife die Initiative. Gut mit dem Bogen gezielt und der erste Pfeil bohrt sich lautlos durch den Kopf eines der Gegner. Wenige Sekunden später geht der Nächste zu Boden und zieht dabei die Aufmerksamkeit der anderen auf sich. So viel zum leisen Vorgehen. Unter den Piraten herrscht Alarmstimmung und ich packe das Maschinengewehr aus, schieße zwei weitere von ihnen über den Haufen und begebe mich vorsichtig rüber zur anderen Seite der Brücke.

Ich krieche in der Hocke um die Ecken, arbeite mich vor, sehe noch mehrere Piraten im Gebiet vor mir. Mit meinen Pfeilen und dem Maschinengewehr versuche ich so viele es geht zu erwischen, bis die letzte Kugel verschossen ist. Im Allgemeinen ist Munitionsknappheit regelmäßig ein Thema im Spiel. Das lädt dazu ein, nicht jedes einzelne Mal blindlings in einen Haufen voller Gegner zu stürmen, sondern zur Abwechslung mal zu schleichen und leise vorzugehen.

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Munition ist ein kostbares Gut in Metro Exodus.

Als vorübergehende Problemlösung schnappe ich mir eine herumliegende Schrotflinte und gehe aggressiver vor, versuche mich den Feinden zu nähern und dabei wenig Treffer einzustecken, bevor ich sie aus kurzer Distanz mit Blei vollpumpe. Das klappt ganz gut und bald darauf herrscht im Lager eine friedliche Stille, als wäre nichts passiert. Kritisierte Alex vor knapp drei Monaten in seiner Vorschau noch die Controller-Steuerung des Shooters, war von den Problemen nicht mehr viel zu spüren. Ich würde sagen, es ist noch nicht zu 100 Prozent perfekt. Spürbar besser als das, was er damals beschrieb, war es allemal. Ihr zielt präziser und weniger hakelig. Fünf bis zehn Prozent Feinschliff sind es, die die Controller-Steuerung vielleicht noch braucht, bevor sie optimal ist. Ich bin zuversichtlich, dass das bis Februar klappt.

Mein Ziel lautet, zum Damm vorzustoßen und einen Weg zurück zur Aurora zu finden. In dieser schwer gepanzerten Dampflok machen sich Hauptcharakter Artjom und einige Mitstreiter im postapokalyptischen Russland des Jahres 2036 auf die Suche nach neuem Lebensraum für die Überlebenden in den Metro-Tunneln von Moskau. Was mir auffällt: Die Level sind wie angekündigt weitläufiger, laden abseits der Wege zur Erkundung ein und ihr findet unter Umständen interessante Dinge oder Vorräte.

An zwei Stellen zeigten sich die Grenzen des Leveldesigns. Das Spiel ließ zweimal nicht zu, dass ich ins Wasser springe und ein paar Meter zur anderen Seite schwimme. Ich sprang hinein und kroch automatisch an der Seite aus dem Wasser, von der aus ich mich hineinstürzte. Kein Durchgang. Stattdessen war ich gezwungen, die Ruinen eines Turms nach oben zu klettern und mich von dort aus per Seilrutsche auf die andere Seite zu begeben. Anders geht es nicht.

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Die offeneren Level laden zur Erkundung ein.

Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und es ist dunkel. Und gruselig. Wolfsgeheul ist in der Umgebung zu hören. Ich schleiche mich den Weg entlang, achte auf jedes noch so kleine Geräusch. Wie aus dem Nichts huscht ein Rudel Rehe rechts vor mir aus dem Gebüsch hinaus, verfolgt von einem Wolf. Der verliert kurze Zeit später das Interesse an ihnen und geht stattdessen auf mich los. Ein Pfeil später ist Ruhe und die Gefahr vorerst gebannt. In der Nähe erspähe ich hell erleuchtete Bauhäuser und entscheide mich dafür, sie zu erkunden. Ich finde erneut ein paar nützliche Gegenstände und stelle hier oben ein wenig neue Munition und Heilmittel her. Ein wichtiger Aspekt des Spiels, weswegen es weise ist, alles einzusammeln, was ihr in der Spielwelt findet. Artjom ist Selbstversorger und darauf angewiesen.

Als ich gerade dabei bin, die Baumhütten über die Seilleiter zu verlassen, merke ich noch rechtzeitig, wie ein ganzes Rudel Wölfe zähnefletschend angerauscht kommt und unter mir auf mich wartet. Den Gefallen tue ich ihnen nicht, begebe mich schnell zurück nach oben und warte einen kurzen Moment, bis sie verschwinden. Nicht lange darauf stoße ich auf einen Höhlendurchgang. Es gibt erneut keine andere Passage zur anderen Seite. Vor mir schlängelt sich eine Schlange über den Boden und als ich einen Fuß aus der Höhle setze, schnappt die Falle zu und ich hänge in einem Seil fest.

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Immer wieder stoßt ihr im postapokalyptischen Russland auf Feinde.

Selbstzufrieden stolzieren drei Piraten herbei und begutachten mich, ihre Beute. Zwischen ihnen bricht eine Diskussion aus, ob sie mich direkt umbringen oder damit noch warten. Von ihnen unbemerkt nähert sich von dem Hügel hinter mir eine große, Tiger-artige Kreatur und stürzt sich auf die Piraten, spuckt Feuer und zerlegt sie in ihre Einzelteile. Und ich hänge hilflos da, die Bestie vor mir. Wie es weitergeht? Gute Frage, an diesem Punkt war meine Zeit mit der gamescom-Demo vorbei. Verdammt.

Was ich gespielt habe, gefiel mir. Wie ihr es aus den Vorgängern kennt, ist hier nicht das typische Shooter-Vorgehen hilfreich. Metro ist kein Wolfenstein, kein Doom. Ihr habt begrenzte Munitionsvorräte und Ressourcen und geht daher behutsam vor. Wie sich die offeneren Level in ihrer Gesamtheit auswirken, wie sie das Spiel bereichern (oder nicht) und ob es zum Beispiel möglich ist, hauptsächlich auf Stealth zu setzen, zeigt sich erst nach längerem Anspielen. Bis dahin bin ich zuversichtlich, dass sich mit Metro Exodus eines der Highlights des Jahres 2019 bereits im Februar abzeichnet. Ich bin gespannt.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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