Vor Death Stranding gab Zone of the Enders schon einmal die Antwort auf die Frage, was Hideo Kojima wohl so triebe, wenn Konami ihn von der MGS-förmigen Leine ließe. Wundert's wen, dass auch hier drin wieder massig Mechs und eine epische, diesmal aber deutlich weniger sperrige Geschichte drinsteckten? Nun, gut 15 Jahre später, gibt's das zweite Remaster für die Generation HD, diesmal in 4K, 60 Bildern pro Sekunde und mit optionaler VR-Unterstützung, wie das umgedrehte "A" in Mars andeuten soll - für welches unsere Website nicht so richtig vorbereitet scheint.

Und tatsächlich schwebt ZOE heute wie damals als bunter Hund durch die Spielelandschaft. Etwas Vergleichbares hat's lange nicht gegeben. Ich gebe zu, der Wiedereinstieg in das etwas esoterische Sci-Fi-Epos fiel mir alles andere als leicht. Nach einer Weile jedoch entfesselten die Laser-Lichtshow, Yoji Shinkawas eigenwillige Kampfmaschinen und die Ballett-artige Grazie, mit der sie durch die Luft schweben wieder die hypnotisierende Anziehungskraft, mit der dieses nicht gerade massentaugliche Spiel ursprünglich seine Fans gewann.

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Was war das für ein irrsinniges Effektfeuerwerk damals. Das merkt man daran, dass es auch heute noch seine Wirkung nicht verfehlt.

Der Plot ist schnell umrissen: Ausgerechnet ein Bergbauarbeiter mit vorhersehbar heldenhafter Vergangenheit und Erzrivalität mit dem Oberbösewicht dieses Universums - Nohmann - findet während seiner Schürfarbeiten auf dem Jupitermond Callisto ganz zufällig den Orbital Frame (lies: Mech) Jehuty und nimmt mit dessen Hilfe seinen Rachefeldzug gegen Nohmanns böse BAHRAM-Organisation wieder auf. Unterwegs folgt man zahlreichen Winkelzügen, Twists und Täuschungen (oder klinkt sich angesichts vieler verdächtig bequemer Zufälle aus) und freut sich an einem schnellen, gradlinigen Spiel, das Third-Person Character-Action und einen Bullet-Hell-Shooter in einer Frontalkollision ganz erfolgreich kreuzte.

Seine Geschichte erzählt das Spiel in handgezeichneten Anime-Zwischensequenzen eigentlich ganz guter Qualität, die von der HD-Behandlung allerdings so gar nichts abbekommen haben und deshalb leider sehr verschwommen daherkommen. In den Missionen selbst aber läuft ZOE 2 in wunderbar glattem 4K bei optimaler Bildrate und damit besser als je zuvor. Die Kämpfe stehen im Zentrum und inszenieren sich als gleichberechtigte Mischung aus Nah- und Fernkampf. Während man munter zwischen einem Regen an gleißend blauen Lasern, aufgeladenen Energieprojektilen normalem Dauerfeuer und Schwertkombos wechselt, ist es im Original nicht immer einfach gewesen, den Überblick zu behalten. Dank 60 Bildern pro Sekunde wird es hier zwar immer noch hektisch, man manövriert aber deutlich behänder durch wild herumschwirrende Wolken an Feinden. So müde man der Welle an Remakes also auch sein mag, das hier ist eins von denen, die das ursprüngliche Werk aufwerten, in seine bestmögliche Form bringen und so den Beweis antreten, dass gute Technik zwar allein kein gutes Spiel macht, aber helfen kann, ein gutes zu einem großartigen zu machen.

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Dingo Egret, ein Name wie ihn nur Kojima sich ausdenken konnte.

Auch abgesehen davon ist das, was man hier erlebt, im Grunde gut gealtert. Ich mag vor allem den Fokus darauf, die Feinde in Umgebungsobjekte zu schleudern - der letzte Schlag einer Viererkombo bestimmt, ob ihr ihn nach hinten, oben oder unten prügelt. Und auch mit dem Multi-Laser möglichst viele Feinde auf einmal zu markieren, bevor man das tödliche Licht sich schwarmartig entladen lässt, ist bis zum Ende motivierend. Lediglich wer mehr erwartet, als ein gradliniges Action-Spiel auf Level-Basis mit elegant designten Mechs, sollte fernbleiben. Die üppig inszenierte Geschichte mag eine gewaltige Welt jenseits der Schlachten andeuten, der Spielablauf ist aber einer, der auch auf dem Super Nintendo nicht wahnsinnig aus der Reihe getanzt wäre.

Und das ist als Kompliment gemeint. Ich finde das durchaus erfrischend. Vor allem, wenn man bedenkt, wie selten Kojima es einsah, seine Einfälle ein wenig zu zügeln, ist Zone of the Enders 2nd Runner ein messerscharf konzentriertes Spiel, das keine Gefangenen macht. Vor allem eskaliert es sein spielerisches Drama auch angemessen, wenn in der entscheidenden Schlacht auf dem Höhepunkt der Kampagne inszenatorisch die ganz großen Kaliber aufgefahren werden.

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In VR macht das Spiel etwas her, spielt sich aber nicht ganz so aufgeräumt, was angesichts der Action auf dem Bildschirm auch kein Wunder ist.

Der VR-Support, mit dem man das komplette Abenteuer mit Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf erleben darf, ist unterdessen eher als nett zu bezeichnen und bleibt für mich spielerisch hinter dem Standard-Erlebnis zurück. Einige 2D-Elemente, die der 3D-Grafik geblieben sind, Staubwolken zum Beispiel, sehen in VR ein wenig seltsam aus, Zwischensequenzen werden in einer Art TV-Modus zweidimensional vor euch abgespielt und überhaupt geht in der Cockpit-Sicht, die sich bestens eignet, um die tollen Figurenmodelle Shinkawas aus der Nähe zu inspizieren, wiederum Übersicht verloren. Dass ich das einmal über einen VR-Modus sagen würde, wo die Technik doch eigentlich dafür bekannt ist, Welten räumlich besser abzubilden, hatte ich nicht erwartet.

Bedeutet: Der VR-Modus von ZOE 2 ist eine kleine Aufmerksamkeit, die man sich mal anschaut, um mit der Nase ein bisschen näher an diese Welt heranzurücken. Um es wirklich zu einer gleichberechtigten Spielart dieses alles andere als gewöhnlichen Titels zu machen, hätten die Entwickler jedoch tiefer ins Spiel eingreifen müssen.

Aber hey, auch so ist ein ZOE 2 in Bestform noch jeden neuen Fan wert, den es gewinnt. Eine gestalterisch schöne, erzählerisch ambitionierte (wenn auch nicht immer erfolgreiche) Space-Oper, die aufwendiger, teurer und schlichtweg gediegener daherkommt, als sie es vermutlich war. Diesem Spiel wohnt eine gewisse Noblesse inne und die fördert dieses Remaster auch mit durchwachsenem VR-Support noch gut zutage.

Entwickler/Publisher: Konami - Erscheint für: PS4, PC- Preis: 30 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: deutsche Texte - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PS4

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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