Es gibt vieles, was man im Herbst machen kann: Pilze und Nüsse sammeln, den ersten Tee auf der Couch genießen, die besten Freunde von der Klippe stoßen ... Moment! Ich möchte natürlich nicht, dass ihr euren Freunden im echten Leben etwas derartiges antut - auf dem Bildschirm bei SoulCalibur VI ist das allerdings eine legitime Technik. Und das voraussichtlich eher kühl-nasse Wetter zum Release des Games im Oktober eignet sich schließlich hervorragend für den einen oder anderen Spieleabend.

Als ich in der Preview-Session durch das Menü ging, fielen mir zwei sehr ähnlich klingende Spielmodi auf, die sich nach genauerer Nachforschung beide als zwei verschiedene Story-Modi herausstellten: Libra of Soul und Soul Chronicle. Letzterer behandelt die Geschichte des sechsten Teils. Jede Figur durchlebt einen eigenen Episodenstrang, der sich in das große Ganze einfügt. Während jeder Charakter durch seine eigenen Beweggründe zu den Waffen greift, treffen die jeweiligen Abenteuer der Akteure immer wieder aufeinander und ergeben eine gemeinsame Geschichte.

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Neben dem für SoulCalibur-Veteranen wohlbekannten Mitsurugi, der auch in diesem Teil seine unbändige Kampfeslust nicht verloren hat, durfte ich Hand an einen weiteren Charakter legen: Den Witcher höchstselbst: Geralt von Riva. Sein kernig-gutes Aussehen, die arrogante Art und das Talent, nahezu jeden Kampf zu gewinnen, lassen seine Feinde erzittern und Frauenherzen höherschlagen.

Genau mit dieser Einstellung wandert Geralt auch durch die Story, nachdem er durch ein Portal in diese Welt gelangte. Das klingt zunächst etwas plump, ist aber die plausibelste Erklärung, wieso der drahtige Monstertöter nun zwischen Talim und Ivy seine Moves vorführt. Apropos Moves: Die Spezialattacke des Hexers wurde aus den Witcher-Games übernommen und heizt den Gegnern richtig ein. Flashbacks garantiert!

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Irgendwie sind cineastisch bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Zwischensequenzen schon zur Normalität bei größeren Spielen geworden. Das fällt erst auf, wenn ein Game wie SoulCalibur VI im Jahre 2018 ankommt und plötzlich Dialoge, sowie ganze Geschehnisse nicht in Bewegtbildern zeigt.

Was zunächst ein bisschen ernüchternd wirkte, wurde ganz plötzlich zu einem coolen Feature: Alle Erzählungen zwischen den Kämpfen werden mit leicht animierten Portraits der Charaktere dargestellt, die mit einem ganz eigenen Artstil glänzen. Schon fast romantisch fällt Taki die Haarsträhne ins Gesicht und die weichen Linien bei Geralt lassen ihn beinahe ein wenig freundlich erscheinen. Aber nur fast, denn der weißhaarige Witcher macht natürlich auch mal den Mund auf. Das allerdings zur Freude aller Fans, wenn sie die Sprachausgabe von japanisch auf englisch wechseln. Bandai Namco hat den Originalsprecher für diese Szenen engagiert und erweckt den Charakter so erneut zum Leben.

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Das Kampfsystem selbst macht keine großen Sprünge und ist leicht verständlich. Es verzichtet auf überkomplizierte Mechaniken oder unnötig viele Anzeigen, die den Bildschirm nur unübersichtlich zukleistern würden: "Draufhauen, Blocken, Spaß" haben scheint die Devise. Und wer wie ich einen schnellen Sieg erringen möchte, stößt den Kontrahenten eben kurzerhand rückwärts den Abgrund hinab.

Wenn ihr dann doch an einen Hauch taktische Spieltiefe möchtet, lege ich euch das zusätzliche Feature Reverse Edge ans Herz: Beide Spieler sind für einen kurzen Moment in einer roten Aurablase und bewegen sich in Zeitlupe. Wer in diesem Moment den richtigen Angriff ausführt, bevor er vom Anderen getroffen wird, kann so richtig austeilen. Mit etwas Glück zerbricht sogar die Rüstung des Gegenübers oder das Haarband von einer der Schönheiten löst sich. Die besonderen Argumente einiger Charaktere kommen jetzt erst richtig zur Geltung. Bekommen die keine Rückenschmerzen?

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Ist die Hauptstory soweit abgearbeitet, lächelt euch sicher der Libra of Soul-Spielmodus an. Mit einem eigenen Charakter zieht ihr nun selbst in die Schlacht, verwickelt euch immer mehr in der Story und trefft auf alte Bekannte. Für das Erstellen einer eigenen Figur würde ich ein wenig mehr Zeit einplanen, denn das geht über ein simples Haare-Augen-Kleidungs-Auswahlmenü weit hinaus.

Neben verschiedenen Waffen, die am Ende den Kampfstil bestimmen, muss die perfekte Stimme gefunden und das optimale Verhältnis zwischen Bizeps und Trizeps eingestellt werden. Im Editor werden die Muskelpartien einzeln anwählbar sein, um sich selbst entweder perfekt trainiert oder wirklich unförmig zu kneten. Blöderweise kommt es im Leben ja doch nicht nur aufs Äußere an, deshalb müsst ihr euch bei Libra of Soul auch noch für eine von sechszehn Klassen entscheiden.

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Zum Leben erwacht, startet eure Figur auf der großen 2D-Karte, die auf den ersten Blick viel Platz für zahlreiche Abenteuer bietet. Während der Zwischensequenzen schaut ihr auf kleine Bilder und Sprechblasen der Charaktere, die im starken Kontrast zu den Kriegern in 3D auf dem Schlachtfeld stehen.

Eine Waage mit zwei kleinen Flammen zeigt eure derzeitige Gesinnung an. Je nachdem, welche Entscheidungen ihr zwischen den Kämpfen fällt, verändert sich die Gewichtung. Damit verschieben sich auch der Schwierigkeitsgrad kommender Matches sowie verschiedene Szenen der Geschichte. Schade ist, dass das Bild des eigenen Charakters platt, ausgefranzt, unscharf und im totalen Kontrast zu der sonst ganz guten Grafik steht.

Von den kleinen Schönheitsfehlern abgesehen, spielt sich SoulCalibur äußerst flüssig und bietet eine große Auswahl an Möglichkeiten, sich spielend die Zeit zu vertreiben. Bekannte Gesichter, eine ordentliche Mischung aus pompösen und traditionell anmutenden Stages sowie ein heroischer Soundtrack könnten das Spiel, wie schon seine Vorgänger, zu einem Hit auf jeder Homeparty unter Zockern machen. Die Tasten sind schnell gelernt, das Regelwerk eingängig und dann könnte es eigentlich auch schon losgehen. Ich sehe mich zwischen Chips und kühlen Getränken schon die Controller zwischen meinen Freunden hin- und herreichen.

Entwickler/Publisher: Project Soul/Bandai Namco - Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 19. Oktober - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Franziska Behner

Franziska Behner

Freie Redakteurin

Die begeisterungsfähige Düsseldorferin hält sich eigentlich nur von Pixelspielen und Star Wars fern. Findet, dass in jedem Game Hasen(ohren) vorkommen sollten. Mit Kuchen und einem PS4-Controller in den Händen fast immer glücklich.

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