Diablo 3 auf der Switch ... IST FANTASTISCH!!!

Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich mit viel Enthusiasmus zu dem Anspieltermin gefahren wäre. Es ist ein schon etwas älteres Spiel mit seinen gesammelten Add-ons auf einer neuen, technisch nicht besseren Plattform. Ich hatte es seit einem Weilchen nicht mehr gespielt, seit längerem nicht mehr daran gedacht und dann eine halbe Stunde angetestet. Und meine Güte - hätte ich das gerne auf der Rückfahrt weitergespielt. Sooo gerne. Aber nein, die netten Leute von Blizzard rücken keine ihrer Switches mit vorinstalliertem Pre-Release-Code heraus. Und ich hatte auch keine dabei, um heimlich eine Switch zu switchen. Also gut, spiele ich Diablo 3 halt nächsten Monat.

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Alle schon da: Die Eternal Collection enthält alle Klassen und DLCs plus ein paar Extras.

Ganz im Ernst: Wirklich neu ist es nicht, weshalb niemand ob des bevorstehenden Erscheinungstermins in mehr Enthusiasmus verfallen muss als nötig. Aber ein Blick auf die alten Tests und insbesondere die der später veröffentlichten Konsolenversionen zeigt ja, dass hier trotz des fortgeschrittenen Alters immer noch eine ganze Menge Vorfreude geboten ist. Diablo 3 ist ein fantastisches Action-RPG mit großartigen Add-ons mit dem man viele, viele Stunden verbringen kann, was auch schon viele Leute taten. Eine kleine Minderheit kommt freilich nicht aus dem Nölen, dass es anders ist, als ein anderes Spiel vor gefühlten Tausend Jahren. Dass sie nicht darüber hinwegkommen, ist okay. Diablo 3 muss es nicht stören. Das muss es höchstens mit seinem Vorgänger unter sich ausmachen.

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Vier Spieler um einen kleinen Screen zu versammeln funktioniert, aber es ist natürlich netter - auch im Gameplay - wenn jeder seinen eigenen Screen hat. Was dann aber auch vier mal das Spiel voraussetzt.

Aber ja, es lief wie eine Eins auf der kleinen Konsole. Zumindest in der ersten Stunde, etwas über die ersten Bosse hinaus. Wenn später die aufwändigeren Level kommen und die epochalen Gegnerhorden, wird sich erst richtig zeigen aus welchem Holz diese Umsetzung auf ein unterwegsfreundliches Format wirklich geschnitzt ist. Aber sonst? Alles, wie man es kennt. Die Steuerung ist auf anderen Konsolen erprobt und für ausgesprochen gelungen befunden worden. Der Pro-Controller wird unterstützt, aber auch mit den Joy-Con war alles gepflegt metzelbar, ohne jegliche Schwierigkeiten. Es geht sogar, dass zwei Spieler mit einem Joy-Con_Set an einer Konsole spielen - fragt mich nicht, wo die vielen Funktionen dann verteilt sind, ich freuen mich darauf es im Test rauszufinden. Aber auch so: Ich kann mir dieses Spiel perfekt für eine lange Bahnfahrt vorstellen, genauso wie einen kurzen Bus-Hüpfer. Kurz anschalten, ein paar Mobs erledigen, zurück in den Standby.

Online-Spiel wird unterstützt, wurde auf dem Termin aber noch nicht gezeigt. Dafür aber der lokale Koop. Es war etwas ungewohnt, denn normalerweise müssen sich ja vier Spieler den Screen teilen. Wenn jeder seinen eigenen Screen hat - und natürlich dann auch sein eigenes Spiel braucht -, war es schon kurz verwirrend, dass man zusammensaß und trotzdem hinlaufen konnte, wo immer man wollte. Bei direkter räumlicher Nähe kommen dann auch kurze Dialoge, die man sonst aus dem Online-Betrieb kennt, viel direkter zur Geltung: "Äh, Jungs, hier drüben? Boss-Monster? Hilfe???" "Oh, sorry, wir looten grad woanders." "Na super ..." Also ja, vier Screens haben auch beim gemütlichen Zusammensein ihre Vor- und manchmal auch Nachteile.

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Gute Lesbarkeit: Diablo 3 hat viel Text und insoweit ist es gut, dass dieser sowohl auf dem kleinen wie großem Screen perfekt lesbar ist.

Was das Komplettpaket der Sammlung angeht, die sich die Eternal Collection nennt, ist auch wirklich "komplett" gemeint. Sieben Klassen, alle großen und größeren DLCs und Extras, Saison Themen und mehr sind vom Start weg mit dabei, dazu noch ein paar Nintendo-Goodies wie eine Ganondorf-Rüstung oder ein Huhn als Begleiter. Gut so. Denn einer der wenigen erkennbaren Nachteile der Collection auf der Switch ist der Preis. Während die Eternal-Sammlung auf PS4 und Xbox nur 30 bis 40 Euro kostet, sind es hier erst einmal 60. Das ist nicht ungewöhnlich, aber doch ein kleiner Stich, zumal die technische Performance zwar prinzipiell tadellos ist, die Auflösung aber halt doch nicht ganz so schick wirkt. Das gilt hauptsächlich für den großen Screen, denn erstaunlicherweise sieht es auf dem kleinen nicht nur fantastisch aus, sondern auch gut lesbar. Ich hätte gedacht, dass das ein Problem werden könnte, vielleicht wird es das auch mit mehr Stunden Spielzeit am Stück, aber so schien es erst einmal elegant gelöst.

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In Kürze wissen wir genau, ob die anfänglich ausgezeichnete Performance auch heftigeren Gegnerhorden gewachsen ist.

Ansonsten ist es Diablo 3. Nur halt für die "Kleine" unter den Konsolen, aber nicht in klein. Was hier alles an Inhalten zu euch kommt, ist mehr als nur ansehnlich, selbst in der Content-verwöhnten Welt großer Action-RPGs. Was den Rest angeht, es ist Diablo 3. Love it, hate it, eure Sache. Ich für meinen Teil habe da schon vor langer Zeit Position bezogen - nicht, dass ich Teil zwei damals weniger geschätzt hätte - und so hätte es mich eigentlich, auch nach längerer Pause, nicht sonderlich überraschen sollen. Tat es aber. Dass es so von Null auf Hundert wieder klickte und der Fluss des Lootens und Schlachtens und mehr Lootens wieder in die Finger überging, als läge zwischen dem letzten Mal kein Tag, war schon schön zu sehen. Also ja, es ist "nur" Diablo 3, das da auf die Switch kommt. Aber an manchen Tagen ist das genau das, was man braucht. Und nichts anderes.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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