Komponist: Logan Gabriel

Label: Black Screen Records

Stil: Zwischen Dark Ambient und Synthwave ist viel Platz

Erhältlich über: Label , Discogs

Das Spiel: Die Steam-Beschreibung trifft es wohl am besten: SPACEPLAN is an experimental piece of interaction based partly on a total misunderstanding of Stephen Hawking's A Brief History of Time.

Editionen: Black Screen Records gibt euch hier nicht die Qual der Wahl, es gibt eine Edition: Doppel-Vinyl im Gatefold, 180g in 33, die erste Scheibe schwarz, die zweite in Rot. Stilvoll mit einem gesunden Maß an Zurückhaltung. Das Cover zeigt die Elektronenmikroskop-Aufnahme eines Staubkornes. Das oder einen Planeten. Wer weiß das schon so genau. Der bei schlechtem Licht unlesbare Schriftzug setzt sich nur durch Glanz gegen das Matt der schweren Pappe ab. Die Rückseite ist die Vision eines aufgeräumten Interface. Alle Informationen sinnvoll angeordnet, mit viel Platz für Expansion dazwischen. Das Innere zeigt in Breitbildformat, was passiert, wenn man die Umlaufbahn seiner Salatwaschschüssel nicht richtig berechnet: Sie landet auf einem Wüstenplaneten und sieht da richtig gut aus. Innen habt ihr einfache schwarze Sleeves mit löblicher antistatischer Folie.

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2

Klanglich gibt es nichts zu meckern, vor allem, weil es hier viel ruhige Passagen gibt, die Hintergrundrauschen gnadenlos offenbaren würden. Die Dynamik könnte etwas mehr vorangehen, aber das kann genauso gut an dem sehr minimalistischen Material liegen. Wenn es dann nach unten geht, geht es aber ordentlich nach unten, Bassvolumen wird geboten.

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Angehört

Ein sehr seltsames Album, dem Spiel angemessen und auch ein wenig eine Tempo-Sandbox. Nehmt einfach den Speed, der gefällt, wohl dem, der etwas wie die Regler des 1210 hat. Auf 33 habt ihr ein sehr entspanntes Ambient-Werk, nicht ganz ohne Grund heißt einer der Tracks Solaris und diese Stimmung habt ihr auch über weite Teile. Noise in Space, ein gleichmäßiges Rauschen von Monolithen. Wenn ihr das Tempo auf 45 anzieht, dann verändert sich die Stimmung, aber natürlich nicht das, was passiert. Es ist fröhlicher Noise, der einen mehr an Star Trek als an lebende Super-Planeten denken lässt. Eine immer noch ziemlich trippige Star-Trek-Folge, etwas, wo Picard seltsame Sachen zu trinken bekommt und dann Flashbacks oder so hat.

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Diese entweder nur diffuse oder diffus-positive Stimmung zieht sich praktisch durch die gesamte erste Platte. Das Intro klingt auf 45 fast ein wenig wie Party-Synthwave, aber das legt sich dann schnell und wird jede klassische Melodie-Struktur schnell mit tiefen, langen Bässen abgelöst, die als Herzschlag des Kosmos durch den Raum wabern. Und wieder der Wechsel: Launch auf 33 ist die Chillout-Area am Ende des Universums, während es auf 45 der Trance-Rave mittendrin ist. Beides mit einem dunklen Touch, aber sehr unterschiedlich in der Stimmung. Das geht auf der zweiten Platte so munter weiter. 33: Dunkel, mystisch, mal fast ein Hauch von EBM. 45: Nicht direkt fröhlich, aber schon in die hellere Synth-Richtung, manche Tracks fast eine Art Background-Sample für ein Vaporwave-Experiment. Sucht euch am Ende aus, welches Tempo euch liegt. Oder in welcher Stimmung ihr seid und wählt dann ein Tempo, das passt. Elektronisches kann so flexibel sein.

Selbst anhören

Das wäre noch zu sagen ...

Eine Platte wie: Die Chillout-Area auf der ISS, die zwischen erdig und spacig hängt ...

Eine Art Fazit: Spacig mal hier, trippig mal da, zwischendurch mal reines Weltraum-Hintergrundrauschen, dann wieder ein paar langsame, schwere Bässe tief in einer langen Nacht. SPACEPLAN ist ein Sci-Fi-Chillout zum Entspannen und als solches funktionieren die Platten wunderbar, insbesondere mit den etwas schnelleren Einsprengseln auf der roten Scheibe, die den Sound frisch halten.

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Gehört und genossen auf ...

Dies ist die "Eurogamer-Referenz-Anlage": Plattenspieler - Thorens TD 203 (Test); Phono-Verstärker - Pro-Ject Phono Box DS2 USB; Stereo-Verstärker - Teufel Kombo 62 CD-Receiver; Boxen - Nubert nu Vero 30 (Test); Kopfhörer: Beyerdynamic Amiron (Test) + A20 (Test)

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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