Definitiv einer der mieseren Einstiege in ein Remaster eines geliebten Klassikers: Am PC startet Katamari Damacy Reroll im 720p-Fenster, ohne dass "Alt + Enter" etwas ausrichten könnten. Angestöpselte Xbox-One-Controller - der Standard vom Standard - werden nicht automatisch erkannt und ein Optionsmenü darf man erstmal auch nicht aufrufen. Richtig: Den Anfang von Katamari Damacy erlebt man denkbar schlecht über eine Tastatur gekrümmt in ein Fitzelfenster hineinblickend, während man sich fragt, ob das deren Ernst sein soll.

Und dann erinnert man sich, dass auch das Basisspiel Einstellungen nur auf dem Heimatplaneten zwischen den Levels zuließ. Ich wüsste selbst nicht, wie man das anders machen sollte, wenn man nur die Technik in die neue Dekade holt. Aber es ist trotzdem wahnsinnig schade, denn die Tastaturkontrollen beziehungsweise deren Erklärungen sind nicht gerade intuitiv und wegen des kleinen Sichtfensters ist man ohnehin schon ein wenig überreizt. So klickt man sich ungeduldig durch die ersten irrsinnigen Monologe des King of All Cosmos und geht innerlich schon mal auf Sicherheitsabstand zum Spiel.

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Aller Anfang ist klein. Was der King of All Cosmos wohl von der Urknall-Theorie hält?

Dass der aber schon im zweiten Level wieder restlos dahinschmilzt und alles vergeben und vergessen ist - halt, nicht alles, gespeichert wird auch immer noch nur manuell, was heutzutage so gar nicht mehr in Ordnung geht! -, liegt einfach am sonnigen Gemüt dieses Prototypen für zahllose niedlich-verschrobene Indie-Spiele.

Sicher, das schwant einem schon, wenn man die Prämisse hört: Der König allen Kosmos hat zufällig alle Sterne und Planeten zerstört und beauftragt nun euch, seinen däumlinghaften Sohn, damit, die Suppe auszulöffeln. Neue Himmelskörper müssen also her. Wie man die macht? Nun, hier kommen die Katamaris ins Spiel. Kleine Kugeln, an denen alles hilflos kleben bleibt, das kleiner ist als sie. Wie einen Schneeball rollt ihr so immer mehr Tand auf. Angefangen auf Teppichebene mit Büroklammern und Kaugummis, geht es irgendwann über Mandarinenspalten und Radiergummi bis hin zu Schnecken, Mäusen, Haarbürsten, Tennis- und schließlich Fußbällen.

Die Background-Sänger sind Enten. Enough said!

So wächst die Mülllawine munter weiter, die abstrakte Grafik zoomt immer weiter raus. Bald ist man nicht mehr im Wohnzimmer einer ahnungslosen kubistischen Familie, man rollt durch ihren Garten und nimmt Pfiffi, Rex und Hasso gleich mit auf die große Kugelei, ohne - später - selbst vor den Menschen, die hier leben, halt zu machen. Das nimmt immer größenwahnsinnigere Formen an, bis selbst ein Flugzeugträger und Fußballstadion Teil eures Katamari werden.

Jeder der immer weiter eskalierenden Level steuert euren Fortschritt einfach, aber clever, indem ihr einige Absperrungen erst ab einem gewissen Katamari-Durchmesser passieren könnt. Wer mag, versucht in Folgedurchgängen binnen des Zeitlimits einen besseren Durchmesser zu erzielen, aber wenn man ehrlich ist, lebt das Spiel von dem absurden Slapstick, der aus alledem resultiert. Und von dem fabelhaften Japanpop, der einem auch Stunden nach dem Rumkugeln noch durch den Kopf schmettert, als hätte man vergessen, die Kopfhörer abzusetzen und das Spiel wäre im Leerlauf angeblieben.

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16,4 cm wohlgemerkt. Dasselbe würde ich übrigens nicht über den Funktionsumfang des Remakes sagen, das kommt so funktional, aber sparsam daher wie nur irgend möglich.

Noch immer ist Katamari ein topaktuell wirkender Geschicklichkeitstest mit bahnbrechend frohsinniger Attitüde. Wir könnten in diesen Zeiten entschieden mehr von dieser Sorte gebrauchen. Daran ändert auch der bedauerliche kurze Stolperer am Anfang nichts. Wenn man nach der Lektüre der Morgennachrichten dieses Spiel mit vierzehneinhalb Jahre älteren Augen neu erlebt, wünschte man sich manchmal wirklich, der King of All Cosmos würde mit seinen galaktischen Ellbogen ein paar Planeten zerdeppern. Ein querköpfiger Hosentaschenprinz könnte dann alle Dinge und Menschen, die diese Welt zu einem schlechteren Ort machen, aufrollen und als Reservegestirn ins All schießen, wo sie zumindest schön funkeln würden ...

Entwickler/Publisher: Bandai Namco - Erscheint für: PC, Switch - Preis: 19,99 Euro PC, 29,99 Switch - Erscheint am: 7. Dezember - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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