Von all den Spielen auf der PC Gaming Show hat Songs of Conquest gemessen an der Zeit, die man es sah, wohl den meisten Eindruck bei mir hinterlassen. Mehr als eine Kamerafahrt über seine Welt hat es dafür nicht gebraucht. Nun gut, mehr als eine Kamerafahrt über eine Welt, bei der einem ein Rudel Wikinger ein mitreißendes Lied vom Plündern und Brandschatzen ins Ohr brüllt.

So viel passierte da trotzdem eigentlich nicht. Die Kamera glitt zunächst recht friedlich in konstanter Höhe diagonal über eine kunstvoll-pixelig gestaltete Weltkarte, erst spät leistet sie sich einen Zoom in eine Totale, bei dem einem die Augen übergehen.

Ein bisschen sah das hier aus, als hätte jemand den Look von Octopath Traveller, der auf flache Sprites vor Hintergründen mit 3D-Objekten und Höheninformationen setzte, noch einmal hergenommen und ihm ein wenig Farbe eingeflößt, leuchtendes Gifttrankgrün, intensives Magie-Hellblau, Piratenschatz-Gold und so weiter. Einfach ein Hingucker, dessen mittelalterlich anmutende Fantasy-Welt auch das Mittelalter meines Spieler-Lebens exzellent in Erinnerung ruft.

Denn Songs of Conquest will gewissermaßen ein neues Heroes of Might and Magic 3 sein und plant damit die Neuauflage aller meiner schlaflosen Nächte von 1999 bis 2000. So sehr wie hier weckte schon lange nichts mehr Lust auf oberweltbasiertes, rundenweises Erkunden. Auch weil Ubisoft mit den Teilen fünf bis sieben zwar solide, aber nicht die gleiche Liebesbriefe provozierende Arbeit damit lieferte. Lead Designer Carl Toftfelt und seine Truppe von Lava Potion bezeichnen die Wiederbelebung jedenfalls als Adventure-Strategiespiel und das ist genau das, wonach es sich anhört: Von eurer Burg aus schickt ihr eure Generäle, die so genannten Wielder, rundenweise in die vom Kriegsnebel verdeckte Welt hinaus, um eure Macht auszuweiten.

8
Ein Look, der viel der Fantasie überlässt und trotzdem für sich einfach hübsch aussieht. Die Perspektive (man beachte die leichte Tiefe) und die Farbwahl machen viel her.

Das geschieht über das Finden von Gegenständen, Rekrutieren neuer Einheiten und das Sichern von Ressourcen abwerfenden Minen, die wiederum bewirken, dass ihr eure Burg und das Städtchen, das sie umgibt, weiter ausbauen könnt, was wiederum eure Möglichkeiten verbessert. Bei den Einheiten handelt es sich um allerhand hochtrabendes Fantasy-Zeug. Im Trailer sah man knöcherne Riesenspinnen, geisterhafte Magier und so weiter und so fort.

In HOMM waren derartige abgefahrene Biester auch Gang und Gebe und machten einen guten Teil des Reizes aus, wenn es dann in die Schlachten gegen andere Armeen ging. Auch die laufen rundenweise ab, aber weil es eine so große Bandbreite an Viechern (über 100 Einheiten müssen das gewesen sein) gab und auf den Karten alles passieren konnte, waren das schon sehr asymmetrische Kämpfe.

Neu soll vor allem das Magiesystem sein, das die Essenz, also gewissermaßen die Seele, eines Einheitentypus mit den speziellen Talenten der Wielder für bestimmte Effekte kombiniert. Gott, habe ich auf so etwas Lust, das wird nicht einfacher zu ertragen, je länger ich darüber schreibe.

6
Top. Ich will's sofort haben, obwohl ich weiß, was passiert, wenn ich mich mal wieder in den besonders teuflischen 'nur noch eine Runde'-Kreislauf eines HOMM traue.

Es bleibt abzuwarten, welchen Umfang der kleine Entwickler Lava Potion aus Göteborg einen vergleichbaren Umfang liefern kann wie New World Computing seinerzeit, aber wenn es dann so ... ja ... einfach schön aussieht wie hier und sich dieser geniale Musikstil hoffentlich nicht nur auf den Trailer beschränkt, dann ist sind weite Teile meines Freizeitkontos 2020 leider schon jetzt ausgebucht, auch wenn Toftfelt sagt, dass es wohl in der hinteren Jahreshälfte kommt.

Da hilft nur eines: mich auf die geschlossene Alpha bewerben, damit ich schon ein bisschen vorspielen kann.

Entwickler/Publisher: Lavapotion/Coffee Stain Erscheint für: PC/Mac - Geplante Veröffentlichung: 2020 - Angespielt auf Plattform: -

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Deputy Editor - Eurogamer.de

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.