Ihr vermisst Desert Strike? Schaut euch Brigador an!

Es ist nicht ganz dasselbe, drückt aber viele der gleichen Knöpfe - und der Nachfolger ist schon unterwegs.

Kennt ihr noch Desert Strike? Dann Jungle Strike? Nuclear Strike vielleicht? Oder Future Cop: LAPD, den inoffiziellen Nachfolger? Die Strike-Serie, das war von Anfang bis Ende der Neunziger eine Reihe Vehikel-basierter Shooter mit offenen Maps aus der Vogelperspektive, diversen Missionszielen und dem guten Gefühl, schweres Kriegsgerät hinter feindliche Linien zu steuern, das damals nicht viele Games hinbekamen. Leider war Future Cop für EA ein schlimmer Flop und die Serie war seither nicht mehr.

Ich habe diese Reihe geliebt, vor allem natürlich Desert Strike, weil es damit für mich losging und ich auf dem Amiga Nachmittage und Abende am Stück damit verbrannte. Als Apache-Hubschrauber in Krisenregionen von den US-Actionfilmen der 80er geprägte Art Gerechtigkeit zu verbreiten, war damals schlicht super - und wie schon gesagt: Kriegsmaschinerie konnte die Strike-Reihe einfach wahnsinnig gut. Und hey, DIESE MUSIK:

Brigador ist nun schon seit einer ganzen Weile das Spiel, das in diese für mich extrem großen Fußstapfen tritt. Nur, dass ich das erst jetzt merke, weil ich es mir nach gut zwei Jahren auf meiner Wunschliste endlich mal im Steam-Sale zulegte. Gab's einen Grund? Nun, der Nachfolger wurde kürzlich angekündigt und sieht exzellent aus, was mich daran erinnerte, dass mir ein Bekannter den Soundtrack des ersten Teils empfahl, der wiederum dafür sorgte, dass ich meinen Fehler, das Spiel so lange nicht zu kaufen, dringend korrigieren wollte. Und jetzt sitze ich hier und schreibe diese Zeilen.

Was soll man hierzu sagen? Das Spiel war seinerzeit schlecht gestartet, hat seither aber extrem gute Updates bekommen und erfüllt jetzt sein beachtliches Potenzial - nur für den Fall, dass ihr im Anschluss an diesen Artikel recherchiert und euch über mittelmäßige Tests von 2016 wundert. So oder so: Es ist die Sorte isometrische Action, die schlicht deshalb aus der Mode kam, weil das 3D-Zeitalter anbrach und die Leute (und die Entwickler) einfach mit der Kamera näher an ihre Games ranfahren wollten, wenn es um Action ging. "Von oben" lief einfach nicht mehr gut, nicht einmal, als man in Echtzeit berechnetes 3D dafür verwendete. Wie frisch sich das heute wieder anfühlt, ist allerdings ein klares Zeichen dafür, dass diese Sorte Spiel noch einiges zu geben hat.

1
EXTERMINATE!

Kurz zur Abgrenzung zu EAs Klassikern: Es ist nicht so, dass man immer über dieselbe Quasi-Open-World fliegen würde, um kreuz und quer Missionen nachzugehen. Stattdessen geht es in der Kampagne streng Level-basiert durch nach SVGA aussehende Neon-Höllen zukünftiger Kolonieplaneten, die mit Häusern und Komplexen zugemüllt ist, in denen niemand wohnen wollen würde. Gut, dass ihr als Abrisskommando schon auf dem Weg seid!

Die Story findet nur in den - zugegebenermaßen cool geschriebenen - Missionsbeschreibungen statt, die durchblicken lassen, dass hier mehr weltenbildnerisches Potenzial dahintersteckt, als für dieses Spiel nötig wäre (und das mit dem Nachfolger Brigador Killers 2020 wohl auch ausgebaut wird), auch wenn ich es mehrheitlich wohl immer noch eher wegklicken werde.

Und dann geht es los: Während ihr in der Kampagne Pilot und Vehikel mehr oder weniger vorgesetzt bekommt, könnt ihr jede der Missionen im Freelance-Modus mit einem von vielen, vielen Mechs, Tanks oder Antigravitationsgefährten absolvieren, je nachdem, was ihr schon freigeschaltet habt, und was ihr euch leisten könnt. Eine primäre und eine sekundäre Waffe angeschraubt, EMP, Rauchgranate, Tarnkappe oder Audio-Kinetischer Puls als Special gewählt und schon kann es in bester Krawall-Shooter Manier in das tanzflächentaugliche Techno-Geballer gehen.

2
CRUSH!

Und was für eine Lichtorgel von einem Spiel das hier doch ist: Laser zischen durch die Luft, Rauchgranaten verhüllen Kartenbereiche in Schutz spendenden Nebel, Scheinwerfer und Alarmsignale huschen über nächtlichen Asphalt und Hunderte Meter Leuchtreklamen-Alleen erlöschen nach der Zündung eines EMPs, um nach Momenten der Dunkelheit wellenförmig vom Epizentrum der Detonation ausgehend wieder anzuspringen. Die Synthiemusik unterstützt diesen Blade-Runner-Weltkrieg wunderbar treibend.

Wirklich alles kann man zerstören, plattstampfen, zerschreddern und das Spiel wirkt einfach herrlich dumm und froh darüber. Trotzdem merkt man schnell, dass eine Menge Tiefe drinsteckt. In der nicht ganz einfachen Fahrzeugsteuerung ebenso wie im Zielen, das auch die Höhenachse berücksichtigt, wie auch in den Eigenschaften der unterschiedlichen Waffenarten und worauf ihr damit zielen solltet. Treffer von der Seite oder von hinten sind grundsätzlich wirkungsvoller, was taktische Rauchbomben oder Tarnungen samt verstecktem Flankiermanöver nur umso attraktiver macht

4
KILL AND DESTROY.

So gern man hier auch alles plattmacht, manche bestimmte Gebäude zu zerstören, gibt einen speziellen Bonus, nicht nur in Form besserer Belohnungen. Vernichtete Kommunikationstürme erschweren es den Feinden, Alarm zu schlagen und durch das Sprengen von Stromaggregaten lasst ihr Panzersperren herunter, die euch sonst am Weiterkommen hindern würden. Selbst die Art und Weise, wie ihr eure Schildenergie wieder aufladet, ist weniger trivial als man denken würde. Je länger die Energiekugeln, die mancher besiegter Feind liegen lässt, nicht aufhebt, desto weniger Ladung erhaltet ihr zurück.

3
... und ein bisschen Söldner- und Arsenal-Management. Es ist halt auch nur ein Job!

Kurz gesagt: Ich mag sehr, wie mich Brigador ständig in Bewegung hält, wie es mich dazu anhält, trotz des vermeintlich gradlinigen Gameplays auf diverse verschiedene Dinge zu achten - die Steuerung dürften dabei eine Menge Leute gewöhnungsbedürftig finden, die optionale, klassische Panzersteuerung erleichtert meiner Meinung nach aber die panzerungsfreundliche Ausrichtung eures Mechs - und fühlte mich vor allem im Freelance-Modus in großer Sammellaune, denn Vehikel und Waffen gibt es MASSIG freizuschalten. Der Steam Sale geht noch bis morgen. Hierfür spreche ich seit langem mal wieder gerne die Empfehlung aus, mal wieder ein paar Sale-Taler springen zu lassen, um ein zu Unrecht etwas untergegangenes Spiel zu unterstützen. Allein schon, damit Brigador Killers 2020 noch besser werden kann, als dieser jetzt schon mehr als respektabler Quasi-Nachfolger einer meiner alten Lieblingsreihen.

Entwickler/Publisher: Stellar Jockeys - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 10,39 im Steam Sale - Erscheint am: erhältlich, Sequel "Brigador Killers" 2020 - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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