Monster Boy and the Cursed Kingdom ist pure Freude … und endlich auf PC zu haben

Wann hatten wir aufgehört, solche Spiel zu machen - und warum?

In Paris lieben sie einfach Wonder Boy. Nun gut, hier in der Redaktion auch, anders lassen sich Artikel wie der hier nicht erklären. Doch dass binnen zwei Jahren zwei französische Entwickler auf ihre jeweilige Weise mit Unterstützung von Serienschöpfer Ryuichi Nishizawa ihren eigenen Tribut an die legendäre Action-Adventure-Reihe entrichten - zunächst Lizardcube mit Wonder Boy and the Dragon's Trap, jetzt eben inoffiziell Game Atelier mit Monster Boy - fällt irgendwie schon auf.

Sogar der optische Stil beider Titel ist nicht so weit voneinander entfernt, wenngleich das Remake des dritten Wonder Boy deutlich pastelliger daherkommt und Monster Boy mit seinen knalligen Farben und einem insgesamt polierteren Erscheinungsbild nach meinem Dafürhalten noch eine Ecke einladender aussieht. Es ist mit seinen großen, ausdrucksstarken Sprites einfach ein Hingucker, wenngleich man schon auf Pixel-Look in diesem klassischen 2D-Hüpf-Adventure verzichten können muss, denn hier sieht alles nach handgezeichnetem Animationsfilm aus - und klingt auch noch bestens, Musik von Legenden wie Yuzo Koshiro und Michiru Yamane garantiert das gewissermaßen von selbst.

1
Der erste Bosskampf - danach wird's 'versaut'.

Deshalb - und weil es zum Release auf den Konsolen bei uns irgendwie durchgerutscht ist, hier noch einmal die ernstgemeinte Empfehlung, sich das Ding auf PC (oder gerne auch woanders) noch einmal anzuschauen, sofern man etwas mit dieser Sorte Spiel etwas anfangen kann. Was genau das ist? Eine Art Zelda in der Seitenansicht, Metroidvania könnte man wegen einiger erkunderischer Freiheiten auch noch anbringen. Aber hier spricht man halt auch noch hier und da mit NPCs oder kauft in Shops ein und bringt diese Jump-and-Run-Level mit vielen Schlüssel-Schloss-Rätseln und Plattform-Puzzles zu Ende, die eher zur grünen Zipfelmütze aus dem Hause Nintendo passen würden.

Die Handlung mag zwar frühneunziger-klassisch sein - euer Onkel verliert aus irgendeinem Grund den Verstand und verwandelt die Bewohner eures Dorfes in Tiere. Und ihr sollt die Suppe nun auslöffeln -, wird aber mit einigem Charme und peppigen Dialogen erzählt. Man verfolgt das Geschehen zwar nicht unbedingt gespannt, ist aber immer ganz dabei, muss viel schmunzeln, zum Beispiel, wenn Held Jin zu Beginn in ein Schwein verwandelt wird, während ein weit weniger draufgängerischer Freund von ihm zu einem Drachen wurde. Die Figuren kommentieren diese Ironie des Schicksals auf gewinnende Weise und kommen deshalb umso sympathischer rüber.

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Als Frosch nutzt ihr eure Zunge, um zum Beispiel Abgründe zu überwinden.

Natürlich ist die übergeordnete Handlung wenig mehr als eine Rechtfertigung, dem Protagonisten mit jedem Boss, den er fällt, eine neue von sechs tierischen Formen zu gewähren, zu denen er wechseln kann, um deren jeweilige Fähigkeiten einzusetzen. Wenn es so gut gemacht ist wie hier, fällt diese Mittel-zum-Zweck-Design-Maxime nicht weiter auf. In erster Linie ist ohnehin wichtig, wie es sich spielt. Diesbezüglich gibt sich Monster Boy glücklicherweise keinerlei Blöße. Die Struktur der Level, die Einbindung der Rätsel, die Platzierung der Feinde ... das Spiel geht einfach ein gutes Tempo, wechselt Vibe seiner Level und Anforderungsprofil angenehm bereitwillig und in schneller Frequenz und wird gegen Ende angenehm knackig. Es ist einfach eine runde Sache ohne echte Schwäche.

Kein Wunder, dass mir nichts anderes übrig bleibt, euch Monster Boy and the Cursed Kingdom wärmstens ans Herz zu legen. Auf seinem Court macht ihm so schnell kein anderes Spiel was vor. Nicht einmal die Originale, denen der Monsterjunge sein inbrünstiges Liebeslied schmettert, waren derart ausgewogen und fertig wie das hier. Neugierig wäre ich lediglich, wie das Spiel in einem aufwendig handgepixelten Neunziger-Look ausgesehen hätte, aber es ist nun mal kein Wunschkonzert.

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Und die Schweinform ist Magie-begabt und hat einen buchstäblich guten Riecher.

So oder so: Probiert es selbst, die kostenlose PC-Demo ist schnell geladen, Switch-User werden im eShop ebenfalls fündig.

Entwickler/Publisher: Game Atelier/FDG Entertainment - Erscheint für: PC, Switch, PS4, Xbox One - Preis: ca. 30 Euro (PC, Xbox One, PS4); ca. 40 Euro (Switch) - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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