Fantasy General II: So will Entwickler Owned by Gravity das Rundenstrategie-Genre aufmischen

Wenn man die Fortsetzung machen darf, die man sich immer wünschte.

Bis in das Jahr 2000 erschienen im Rahmen der seinerzeit äußerst populären Five-Star-Generals-Reihe zahlreiche Rundenstrategiespiele. Sie gehörten seinerzeit zum Besten, was das Genre zu bieten hatte, insbesondere die Panzer-General-Spiele erfreuen sich bei Fans bis heute großer Beliebtheit. Einen Abstecher in die High Fantasy machte Entwickler Strategic Simulations im Jahr 1996 mit Fantasy General.

Der Spieler musste darin eben nicht die üblichen Infanteristen, Kampfflugzeuge und Panzer über Hexfelder ziehen, sondern von Dungeons & Dragons inspirierte Krieger, Magier und allerhand fantastische Kreaturen. Will man das heute wieder spielen, kann man sich entweder das Original bei GOG kaufen - oder man macht es wie Jan Wagner, dem das nicht genug ist: Man entwickelt eine zeitgemäße Fortsetzung.

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Gerade zu Beginn des Spiels habt ihr selten besonders viele Einheiten auf dem Schlachtfeld. Anspruchslos ist Fantasy General II deshalb aber keinesfalls.

Wagner ist ein Veteran der Spieleindustrie. Er hat an Spielen wie Diablo 2, WarCraft 3 und Spellforce II mitgewirkt und war zuletzt Teil von Cliffhanger Productions. Das österreichische Studio musste im Jahr 2015 beim Handelsgericht Wien allerdings einen Konkursantrag stellen, Grund waren nicht zuletzt die bei Fans und Kritikern gleichermaßen gefloppten Titel Jagged Alliance Online und Shadowrun Chronicles. Wagner scheint lange analysiert zu haben, was mit diesen Titeln schief lief.

"Du merkst schon, es ist meine Spezialität, ältere renommierte Marken ranzuziehen und damit neue Spiele zu entwickeln", sagt Wagner. "Mit Fantasy General II wollten wir es aber anders machen als mit Jagged Alliance und Shadowrun. Wir wollten nicht noch einmal in die Situation kommen, in der wir bei Cliffhanger waren - dass wir also erst eine Marke holen, die uns am Herzen liegt und das Spiel dann nicht so umsetzen können, wie wir uns das wünschen würden." Bei beiden Spielen stand weniger das entstehende Spiel im Vordergrund, als vielmehr das Interesse eines Investors. "Der wollte damals vor allem Free-to-play und Mobile machen. Das stand schon fest, bevor es überhaupt um den Inhalt des Spiels ging. Eigentlich sollte sich Plattform und Monetarisierungsmodell doch umgekehrt nach der Art des Spiels richten."

Fantasy General II soll nun keinerlei Elemente dieser Art haben. "Gott sei Dank mussten wir diese Diskussion diesmal nicht führen. Wir haben uns mit Slitherine einen Partner an die Seite geholt, der ein ähnliches Konzept verfolgt wie wir. Es geht natürlich auch darum, dass wir mit dem Publisher unsere Finanzierung ein bisschen stützen wollen und dass er uns bei der Vermarktung hilft. Aber letzten Endes geht es uns doch darum, ein Spiel zu machen, so wie wir es damals schon gerne gespielt hätten", sagt Wagner. Nun arbeiten an Fantasy General II aktuell sechs Festangestellte und zwei Freelancer, kein allzu großes Team für heutige Maßstäbe. Und dennoch kann das, was bisher vom Spiel zu sehen ist, überzeugen.

Die Preview-Version enthält bereits ein Drittel der späteren Kampagne, die insgesamt zwischen 25 und 30 Stunden lang sein soll. Ihr spielt darin einen Barbarenstamm, der es nicht nur mit konkurrierenden Stämmen, sondern auch mit dem übermächtigen Empire zu tun bekommt, das, wie zumindest zu vermuten steht, vom Oberbösewicht aus dem ersten Teil kontrolliert wird, dem Schattenlord. Eure Einheiten nehmt ihr von Schlacht zu Schlacht mit, jede Figur kann neue Fähigkeiten erlernen und zudem eine begrenzte Anzahl Items tragen. Stirbt eine Figur, ist sie auch wirklich für den Rest des Spiels tot.

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Auf der Oberweltkarte wählt ihr eure nächste Mission. Das große Gebiet im Osten ist das Empire.

Aber Fantasy General II will nicht nur den ersten Teil in ein modernes Gewand kleiden, es soll auch in Sachen Gameplay Neuerungen mitbringen. Jan Wagner ist kein Freund des Schere-Stein-Papier-Prinzips, das man in Rundenstrategiespielen so häufig findet. "Im Endeffekt fühlt sich damit jedes Gefecht an, wie ein Puzzle. Du weißt als Spieler, welche Einheit du gegen welche andere einsetzen musst, damit du gewinnst und irgendwann rätselst du nur noch, wo du sie am besten platzierst." Stattdessen will der Entwickler dem Spieler mehr Freiheiten geben. "Es soll nicht so sehr darum gehen, welche Einheit gegen welche andere Einheit antritt, sondern welche Eigenschaften die Einheiten haben."

"Wir wollen eben kein Puzzlespiel machen, sondern ein Strategiespiel. Einheiten mit Speer sollen immer gut gegen Einheiten sein, die den Ansturm beherrschen, der Ansturm wird aber wiederum nutzlos, wenn die Einheit im Wald steht. Wir wollen, dass du als Spieler immer viele verschiedene Möglichkeiten hast, mit einer Situation umzugehen und eben nicht nur eine, die du zu allem Überfluss auch schon kennst." Insgesamt, so Wagner, gehe es um deutlich mehr Varianz beim Gameplay. "Leute mit Schilden sind einfach gut gegen Bogenschützen. Immer. Ob das Reiter sind oder Infanterie ist eigentlich egal, Hauptsache, sie haben ein Schild."

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Unten im Bild seht ihr einen feindlichen Turm. Nehmt ihr diesen ein, seht ihr nicht nur ein bisschen mehr von der Karte, ihr profitiert auf diesem Feld auch von Vorteilen im Kampf.

Herzstück von Fantasy General II soll die oben erwähnte Kampagne sein - in der arbeitet ihr nicht einfach nur Schlacht um Schlacht ab, ihr trefft auch wichtige Entscheidungen, die euch dann auch zukünftig begleiten. In einer der ersten Missionen lauft ihr in ein Gefecht zwischen Menschen und Trollen und könnt euch entscheiden, wem ihr helfen wollt - die fragliche Fraktion ist euch dann auch im späteren Spielverlauf wohlgesonnen, die andere eher nicht. Auch im Rahmen von Gesprächen mit NPCs trefft ihr Entscheidungen, die sich dann auf die Helden auswirken können und auf deren Moral.

Diese Moral stellt, vereinfacht gesagt, eine Art Schild gegen magische Angriffe dar, sinkt sie besonders stark, kann das aber auch dazu führen, dass eine Figur aus dem Kampf flieht. Und gleichzeitig ist die Moral etwas, von dem das Empire enorm profitiert - einfach weil dessen Sklavenarmeen aus Untoten eben diese Moral nicht haben. Sie sind ja schließlich tot. Zum Release-Zeitpunkt werdet ihr im Rahmen der Kampagne allerdings zunächst nur die Barbaren spielen können. "Für den Fall, dass das Spiel ein Erfolg wird, planen wir aber einen DLC, in dem man dann auch das Empire spielen können wird", sagt Wagner. Auch zum Release wird man geht das, dann aber nur im Skirmish-Modus und im Multiplayer.

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Kämpfe finden bei Fantasy General II zu Lande, zu Wasser und in der Luft statt.

In der Preview-Fassung wirkte der Schwierigkeitsgrad noch etwas sprunghaft - insbesondere in der vierten Mission steigt er plötzlich massiv an und sorgt dafür, dass der Spieler die ein oder andere Einheit verliert, die dann für immer weg ist und in künftigen Gefechten fehlt. "Das wissen wir natürlich", so Wagner. "Wir arbeiten einerseits am Schwierigkeitsgrad, andererseits passt sich das Spiel aber auch an. Wie viele Einheiten die KI aufbringen kann, richtet sich auch nach dem Level des Spielers. Grundsätzlich möchten wir aber schon, dass sich die Leute anstrengen müssen. Wir wollen niemanden auf Rosenblättern betten, Fantasy General II soll eine Aufgabe sein, bei der du durchaus auch mal verlierst."

Nun sind Rundenstrategiespiele längst nichts mehr etwas, das exklusiv auf dem PC stattfinden muss. Auf die Frage, ob man bei Owned by Gravity denn auch an eine Konsolenumsetzung denkt, antwortet Wagner eindeutig uneindeutig: "Sehr fest. Sehr fest denken wir an eine Konsolenumsetzung. Mehr kann ich dazu aber im Moment nicht sagen." Wunderbar würde sich ein Spiel wie Fantasy General II etwa auf der Switch machen, ein Problem sei hier allerdings, dass Nintendo stark einschränkt, wie groß nachträgliche Downloads, also Patches oder DLCs sein dürfen - nämlich nicht größer als 50 Megabyte. "Das ist natürlich extrem wenig und da könnten wir Probleme mit dem geplanten DLC bekommen", sagt Wagner.

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Auf einigen Maps erschwert euch Nebel die Erkundung.

Ist Fantasy General II nun also der wahrgewordene Traum vom Spiel, wie man es sich in den 90er-Jahren immer gewünscht hätte? "Wir haben das bisher wirklich ziemlich genau so gemacht, wie wir es uns vorgestellt haben", sagt Wagner und fügt hinzu: "Wäre ich ein Superlativen eher zugeneigter Amerikaner, würde ich an dieser Stelle wahrscheinlich sagen, dass das das Geilste ist, was wir jemals gemacht haben! Wir machen hier kein Spiel, das darauf ausgelegt ist, nirgendwo anzuecken. Mir machen Spiele keinen Spaß, die so völlig absehbar und gleichförmig sind." Man merkt Wagner die Begeisterung für sein Spiel wirklich an und es scheint auch, als hätte er die nicht ganz zu Unrecht. Die Beta läuft schon erstaunlich rund, die Story wirkt spannend, wenn auch simpel präsentiert, die Einheitenvielfalt ist groß und sie lassen sich auch noch auf vielen unterschiedlichen Wegen entwickeln. Erscheinen soll Fantasy General II noch im Jahr 2019. "Bevor der Herbst so richtig angefangen hat", sagt Jan Wagner.

Entwickler/Publisher: Owned by Gravity/Slitherine - Erscheint für: PC, Konsolen in Planung - Erscheint: 2019 - Gespielte Version: PC - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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