So laut wie in Heave Ho habt ihr selten gelacht

Mehr Spaß kann man zu dritt vorm Fernseher nicht haben.

Es täte mir in der Seele weh, wenn dieses Spiel im post-gamescom Herbst-Gerangel unterginge, deshalb hier ein paar schnelle und alles andere als umfassende, dafür aber umso bleibendere Eindrücke, die mir Heave Ho bescherte. Ein kooperativer Multiplayer-Titel von Le Cartel Studio, der über Devolver seinen Weg auf Switch und PC fand und sich schnell zum Partyspiel meiner Wahl hochschaukelte - buchstäblich. Nur, dass ich eher selten genügend Mitspieler lokal parat habe, weshalb euch meine zwei, drei durchzockten Abende in verschiedenen Konstellationen reichen müssen.

Wo soll ich bloß anfangen? Wie beschreibt man diese spielgewordene Freude? Ein bis vier Wesen mit Jelly-Bean-förmigen Körpern und nichts als zwei langen, starken Grapschearmen hangeln sich durch Hinderniskurse, für die im Grunde immer Kooperation förderlich, wenn nicht gar unabdingbar ist. Sie furzen und lachen dabei debil und machen sonst noch allerlei wenig gesellschaftstaugliche Faxen. Erreicht man das Ziel, geht es weiter zum nächsten Level.

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Wird's zu knifflig, können bereits am Ziel angekommene einen fliegenden Rettungsring für die Nachzügler bestellen.

Der Clou ist im Grunde das Interface: Der linke Stick bewegt die Arme und ermöglicht auch ein wenig "Air Control", mit dem rechten beziehungsweise linken Trigger halten sich die jeweiligen Hände an jedweder Oberfläche oder an jedem beliebigen Gegenstand fest. Wie ein Orang-Utan ohne Beine gilt es dann, möglichst effizient (oder auch nicht, wie ihr wollt) um zahlreiche Hindernisse herum das Ziel zu erreichen und dabei nicht der Schwerkraft und der Physik zum Opfer zu fallen. Spikes, die Sicht verhängende Lama-Furz-Wolken und Vögel, die ihre "rückwärtige Zuladung" auf euch verkappen, wenn ihr nicht aufpasst, gibt es ebenfalls und bestätigen, dass sich dieses Spiel in jedem Fall an reife Erwachsene richtet.

Das Spiel ist so entwaffnend ehrlich, wie es blöde ist, dass man irgendwann einfach mitlachen muss. Dabei ist es alles andere als einfach: Besonders knifflig wird es, wenn man noch die clever platzierten Münzen einsammeln und ins Ziel befördern will. Immerhin hat man dann nur noch eine Hand frei und ist vollends auf die Mithilfe (und einen nicht zu hohen Promille-Spiegel) seiner Nebenleute angewiesen. Der schönste Slapstick entwickelt sich auch hier immer dann, wenn etwas schiefläuft, einer - oder alle - in die bodenlosen Tiefen absegelt, die prompt die pürierten Reste des Verunfallten in kräftigen Fontänen vom Bildschirmrand in den Level spucken. Ernsthaft: Es ist so herrlich albern und übertrieben, dass einem mehrfach das Kaltgetränk seiner Wahl durch die Nase herauszukommen droht.

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Das Lama macht gleich was Ungezogenes. Und verhängt euch damit die Sicht.

Gleichzeitig ist es eine Wonne, wie "schön" man einen so pubertären Titel wie diesen auch spielen kann. Mit der richtigen Hangeltechnik und gut verinnerlichten Schwerkraftregeln schleudert man sich förmlich durch die Level, legt eine Menge Airtime hin und landet spektakulär trotzdem noch in der Zielwanne, während weniger draufgängerische Mitspieler euch langsam hinterherjuckeln sind. Wer schneller hangelt, kann früher zum Bier greifen, war hier wohl die Devise. Fast würde man sich wünschen, das Spiel gäbe noch ein wenig mehr Anreiz für Sticheleien untereinander. Zuzutrauen wäre es diesem schelmischen und visuell auf Krawall gebürsteten Titel allemal. Aber nein, generell bleibt es ein sehr freundschaftliches Miteinander, denn gemeinsam ist man nun mal ... nun ja ... länger.

Kurzum: Wer an Switch oder am PC zehn Euro übrig, insgesamt drei Controller und Freunde hat, die Lust darauf haben, sich die zu greifen, der ist mit Heave Ho so gut bedient, dass er vor einer Session besser die Nachbarn vorwarnt, weil es heute ein wenig lauter (und länger) zugehen wird. Gleichzeitig muss man sagen, dass drei Spieler definitiv der "Sweet Spot" sind. Mit dem vierten wird es zu chaotisch, während es zu zweit immer noch eine Menge anarchischen Spaß macht, der sich aber knapp unterhalb der eigentlichen Betriebstemperatur bewegt. Solisten lassen unterdessen besser die Finger davon. Zwar weiß auch allein das Spiel mit der Schaukelphysik durchaus zu gefallen, aber sinnstiftend fühlt sich das nicht eben an. Von einem Online-Modus ist bislang weit und breit nichts zu sehen, aber ich würde behaupten, dass dieses Spiel vor allem von "Live"-Mitspielern lebt, weshalb ich nicht allzu traurig um diese Auslassung bin.

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Ab und an kann man an einem zufällig im Level platzierten Strick ziehen und ein Minispiel öffnen, das eine lustige Abwechslung bietet.

Heave Ho ist jedenfalls nur ein weiterer Beweis, dass Videospieler in diesem Jahr wirklich gut lachen hatten. Von Ape Out über Untitled Goose Game und What the Golf oder Devolver Bootleg - für Comedy in Spielen ist 2019 ein guter Jahrgang.

Entwickler/Publisher: Le Cartel Studio/Devolver - Erscheint für: PC, Switch - Preis: ca. 10 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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