Lonely Mountains Downhill - Test: Endlich auch auf Nintendo Switch!

Platz da, Trials!

Entspannend, motivierend, furchterregend: Megagon gelingt ein Spiel von zeitloser Eleganz. Mehr Spaß hatte ich auf zwei Rädern noch nie.

Test-Update zur Nintendo-Switch-Version, 8. Mai 2020

Na endlich! Ich will nicht sagen, es wurde langsam Zeit, denn das war im Grunde schon der letzte Herbst. Trotzdem kommt die Switch-Version von Lonely Mountains Downhill, das Platz drei der Liste meiner Lieblingsspiele 2019 belegte, jetzt im Grunde gerade richtig: Nach einer sehr intensiven und dann einer "Immer-mal-wieder"-Phase habe es seit einer Weile nicht mehr gespielt und jetzt, passend zur Frühlingsluft in der Nase wieder mächtig Lust darauf bekommen.

Nachdem ich nun die ersten drei von vier Bergen in der Switch-Version gesehen habe, muss ich sagen, dass sich das Spiel auch auf Nintendos Hybriden sehr gut schlägt. Natürlich folgt auch dieser Multiplattform-Titel dem vertrauten Weg, die Auflösung dynamisch zu reduzieren und sich mit einer niedrigeren Bildrate zu begnügen. Hier sind's 30fps, die auch mal etwas wackeln. Optimal ist es nicht, aber ich kann auch nicht sagen, dass es mich nach etwas Eingewöhnung viele Stürze gekostet hätte. Insofern freue ich mich, zu vermelden, dass das Spiel diesen Sprung überwiegend passabel gelandet hat. Es ist natürlich selbst auf dem kleinen Screen nicht die schönste Fassung, und ich würde mich wundern, wenn ich hiermit meine Bestzeiten auf dem PC schlagen würde, die ich in 144 Bildern pro Sekunde und deshalb mit überlegener Reaktionsschnelligkeit herausgefahren habe. Dann wiederum bekommt die Switch-Fassung ihre eigene Rangliste, sodass alle unter den selben Voraussetzungen diese wunderschönen Low-Poly-Berge hinunterbrettern.

Das Spiel an sich hat seit dem Oktober nichts von seiner Faszination eingebüßt, es ist sogar noch ein wenig besser geworden, denn das Progressionssystem wurde deutlich entschlackt. Und mit den Daily Rides und einem neuen Berg wächst und gedeiht es demnächst noch ein gutes Stückchen weiter. LMD ist also auch weiterhin eine immens süchtigmachende Suche nach der besten Route einen unbefestigten Berg hinunter, sich nur an den Checkpunkten entlang orientierend. Ich weiß, das war letztes Jahr nicht jedermanns Sache, vor allem, wer wegen der Trials-Vergleiche unterschätzt hatte, wie sehr man sich seine eigene Strecke sucht und auch mal Glück haben kann, wenn man einen Sturz doch mal landet. Für mich schlägt in der Brust dieses Spiels aber dasselbe Herz - nämlich das eines Titels, der so sehr auf Eigenoptimierung abzielt, dass er eine der kostbaren Daumentasten des Controllers für das Zurücksetzen zum letzten Checkpunkt reserviert.

Ergo gilt für mich auf der Switch auch weiterhin das Urteil von damals, auch wenn Erstspieler, die auf den Unterwegs-Faktor der Nintendo-Version verzichten können, mit den anderen Ausgaben dieses packenden und stilvoll präsentierten kleinen Goldstücks sicher besser fahren.

Unten lest ihr meinen Test von damals und ausführlichere Gedanken dazu, was dieses Spiel für mich zu etwas so Besonderen macht. Falls ihr wissen wollt, wer hinter Lonely Mountains Downhill steckt, empfehle ich euch mein Making-of zu Lonely Mountains Downhill, bei dem ich den Berliner Entwicklern von Megagon auf den Zahn fühlte.

Ursprünglicher Test, 18. Oktober 2019

Das passiert selten genug, aber bei einigen Spielen merkt man irgendwie sofort, dass man etwas Besonderes unter den Fingern hat. Selbst bei dieser Gattung Spiel gibt es noch Unterschiede: Es gibt die, bei denen man denkt, "so etwas hat mir noch kein anderes Spiel gezeigt", die, die einen besonders effektiv an einen anderen Ort transportieren und diejenigen, die man sofort als zeitlos unverwüstliches Konzept erkennt. Lonely Mountains Downhill - die Versuchung, es für den Rest des Textes "LMD" abzukürzen, ist groß, aber dieses Spiel hat sich verdient, bis zum Schluss ausgeschrieben zu werden - gehört in letztere Kategorie.

Es ist die Sorte Spiel, die ebenso sparsam wie elegant wenig Systeme und Controller-Eingaben zu einem Regelwerk vereint, das man sofort verinnerlicht. Ein Spiel, das es einem einfach macht, es zu lieben. Unmittelbar begreift man, wo der Spaß herkommt und warum man ihn auch in zwei, fünf oder 20 Jahren noch genauso haben wird wie zu Beginn. Kurzum und auf die Gefahr hin, mich schon direkt in der Einleitung mit meinen eigenen Superlativen zu erhängen: Das ist eigentlich der Stoff, aus dem zeitlose Klassiker gemacht sind, die auf ewig funktionieren werden.

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Das Spiel zeigt euch beim Durchfahren eines Checkpoints direkt, wenn ihr eine gute Zeit hingelegt habt. Ab und an ist vor allem auf den Abkürzungen mal ein Zweig im Weg der Kamera. Sobald man jedoch die Steuerung verinnerlicht hat, spielt das kaum noch eine Rolle.

Man rollt unter Einsatz von nichts mehr als Lenkung, Gas, Bremse und Sprint keine 20 Meter den wunderbar schaukastenartig und in wenigen, scharfkantigen Polygonen stilisierten Berg hinunter (ein zunächst sicher aus der Not geborener Look, der vom Fleck weg irgendwie markant und ikonisch wirkt), da fragt man sich auch schon, warum sonst noch niemand so ein Spiel gemacht hat und - falls doch -, wie man das bisher verpassen konnte.

So mühelos changiert das Spiel zwischen relaxtem Cruisen unter ohrenbetäubend schönem Vogelgezwitscher, plötzlichen Anflügen von Ehrgeiz, weil man sich törichterweise sicher ist, eine Schikane auch auf der Luftlinie gefahrlos abkürzen zu können und schließlich sich als Schweiß in den Handflächen sammelnder Todesangst.

Irgendwann geht die Motivation nach einer besseren Zeit eben doch mit einem durch und man rauscht mit angehaltenem Atem und verkrampften Fingern jede noch so nach Krankenhaus aussehende Böschung runter - nur um oft genug überrascht zu werden, wo man ankommt und wie viel Zeit man gerade gespart hat. Auf jedem der vier Berge - zu je vier Strecken - gibt es Abkürzungen, die gefühlt (und zum Teil sicher auch tatsächlich) zweistellige Sekundenzahlen von eurer Gesamtzeit wegschmelzen lassen, wenn ihr denn das Können beweist, und die Nerven behaltet, sie auch zu nehmen.

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Es steckt viel Schönheit in dieser sparsamen Gestaltung. Das Spiel ist auf Xbox und PC übrigens im Game Pass enthalten.

Obwohl die meisten der in sechs bis neun Etappen unterteilten Strecken auf dem normalen Weg kaum länger als drei Minuten in Anspruch nehmen, ist man trotzdem mit jeder einzelnen von ihnen ewig beschäftigt und wundert sich irgendwann schon gar nicht mehr, wenn man plötzlich eine geschlagene Minute schneller unten ist - und immer noch Luft nach oben sieht. Man ruht einfach nicht, bis man nicht auch noch die letzte der oft gut versteckten, überraschend häufig aber auch einfach durch waghalsige Experimente entdeckbaren Abkürzungen gefunden hat. Wann immer es kracht und der bemitleidenswerte Low-Poly-Fahrer mit einem schmerzhaften Ragdoll-Effekt sein Ende findet, ist man mit nur einem Tastendruck zurück am letzten Checkpunkt und versucht es wieder. Und wieder. Und wieder. Der Sog der Leaderboards ist einfach so stark.

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Man freut sich direkt auf den nächsten Abschnitt.

Wenn euch das bekannt vorkommt, dann habt ihr sicher schon mal Trials gespielt. Aber Lonely Mountains Downhill wirkt frischer, zugleich weniger verbissen und trotzdem verwegener. Es ist einladend, freundlich, findet sein Spektakel im Klang spritzenden Schotters, unvermittelten Abflügen nach unbeabsichtigtem Kontakt mit der Vegetation oder überraschend gefundenen Rastplätzen, an denen man einfach nur für einen Moment verweilt und die Einsamkeit des Berges auf sich wirken lässt. Neben erwähnten Ruhepunkten schaltet man natürlich durch das Erfüllen diverser Herausforderungen - Zeitvorgaben, Sturz-Limits, solche Dinge eben - neue Lackierungen, Fahrer-Outfits und Bauteile neuer Bikes frei und hat man davon alle sechs, steht ein neuer Drahtesel in der Garage.

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Eigentlich sollte ich da unten langfahren.

Und dann geht das Spiel erst richtig los, denn gewisse Passagen lassen sich mit einigen Bikes sehr viel einfacher nehmen, andere Abschnitte wiederum, die man mit dem Standard-Rad längst gemeistert hatte, werden mit dem neuen Gefährt problematischer, weshalb man umdisponieren muss. Man muss nicht nur mit dem drastisch unterschiedlichen Fahrverhalten klarkommen, man lernt auch die Berge neu kennen und puzzelt sich zwischen einzelnen Versuchen (und abends im Bett, wenn man eigentlich einschlafen will) im Kopf den perfekten Run aus allen gefundenen Abkürzungs- und Bike-Kombinationen zusammen. Es ist unfassbar, wie viel Tiefe Megagon aus einer einfachen Spielidee holte.

Falls ihr es bis hierhin nicht gemerkt habt: Wer Lonely Mountains Downhill nicht spielt, hat was verpasst. Es ist so universal ansprechend und so wunderbar selbsterklärend, dass es mit dem Teufel zugehen müsste, wenn sich hierum nicht eine treue, engagierte Community sammelte. Mehr noch, dieses kleine Schmuckstück hat das Zeug zum Phänomen, denn wenn ich das hier spiele, denke ich an den A-ha-Effekt, den ein Trials oder ein Rocket League damals darstellten. Ob Lonely Mountains Downhill eine vergleichbare virale Karriere vergönnt ist, vermag ich nicht zu sagen. Wichtig ist: Megagon hat so gut wie alles richtig gemacht und uns vier Berge hingestellt, gegen deren unüberhörbaren Ruf jeder machtlos ist, der ihn einmal vernahm. Ich bin dafür, ihr spitzt die Ohren.

Entwickler/Publisher: Megagon/Thunderful - Erscheint für: Switch, PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 20 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC, Switch

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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