One Punch Man: A Hero Nobody Knows - Hero Construction Kit 3D

Ein Schlag und fertig? Nicht für euch.

Wenn man sein Spiel "A Hero Nobody Knows" (ein Held, den keiner kennt) untertitelt, dann ist das wohl die Antithese zum Marvel-Universum. Und es ist die Prämisse von One Punch Man, das auf der gleichnamigen, noch recht jungen Anime-Serie basiert. Endlich mal eine Reihe, die nicht Dekaden zurückgeht, sondern vor ein paar Jahren als Web-Comic startete. Wenn ihr davon also noch nie gehört habt, ist das kein Zeichen, dass euer allgemeiner Nerd-Street-Cred einen neuen Tiefpunkt erreichte, sondern lediglich, dass ihr bei Anime nicht vollständig auf dem neuesten Stand seid - in Deutschland gibt es die Reihe erst seit 2017.

Worum es geht, braucht euch in One Punch Man: A Hero Nobody Knows erst einmal nicht kümmern, spielt ihr doch keinen der Helden der Reihe. Aber dann wiederum kann es nicht schaden, die Prämisse zu kennen, um mal wieder nicht komplett verwirrt zu sein. In einer Stadt, einem modernen Japan nicht unähnlich, treiben Monster und Superbösewichte ihr Unwesen und ein Mann zieht aus, um zu trainieren. Das gelingt ihm dank Kniebeugen, Liegestützen und ein wenig Lauftraining so gut, dass er, Saitama, nun jeden Gegner mit nur einem Schlag besiegt und meist auch gleich tötet. Er ist also der One Punch Man.

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Bekannte Helden der Reihe laufen euch immer wieder mal über den Weg und bestimmen auch die Handlung, aber die meiste Zeit spielt ihr eure eigene Kreation.

Der Anime dreht sich darum, dass er damit nicht klarkommt, eigentlich auch eine Herausforderung sucht, die Gesellschaft und andere Helden ihn nicht akzeptieren. Seine Allmacht wird zu einem Problem für ihn. Whatever, muss erst mal nicht eure Sorge sein, denn ihr spielt ihn nicht. Ihr bastelt euch einen Helden nach eigenen Wünschen, um der Helden-Organisation dieser Welt beizutreten, die ihre Mitglieder nach Rängen sortiert. Rang C kümmert sich um allgemeine Nettigkeiten für die Bevölkerung, Rang S kümmert sich um die Thanosse dieser Welt. Alles muss gut sortiert sein. Natürlich läuft die große Handlung auch noch neben eurem Aufstieg durch die Ränge und immer wieder bekommt ihr auch mal den One Punch Man höchstselbst zu Gesicht, aber vor allem geht es um euch, den Helden, den keiner kennt.

Der Spaß beginnt definitiv im Charakter-Editor und es ist schade, dass keine Screenshots gemacht werden durften: Ein Vollkörper-Waschbären-Kostüm, an einem Beim ein Badering, an dem anderen Hasenohren, am Arm eine fest montierte Keytar, dazu eine Löwenmähne und ein Zylinderhut. Als Held möchte man schließlich auffallen. Normale, langweilige Designs sind natürlich auch möglich, aber da die Stadt selbst, durch die ihr wandert, schon etwas trist ausfällt, muss ja irgendwer ein wenig Farbe reinbringen.

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Leider durften keine Screenshots gemacht werden. Mein Held sah so viel besser aus.

So beginnt dann eure Reise beim ersten Questgeber der Helden-Behörde, der euch noch viele Aufträge geben wird. In der Regel läuft es so: geht zu dem Typen mit dem Ausrufezeichen auf dem Kopf, hört euch kurz an, was er für ein Problem hat und erledigt es. Viel freier Wille wird den werdenden Helden nicht vergönnt, außer natürlich überall dort in der Stadt herumzulaufen, wo nicht so viel passiert. Natürlich führen 99,9 Prozent aller Quests direkt und in den meisten Fällen auch ohne Umwege zu einem Kampf gegen ein mal mehr, mal weniger lächerliches Monster oder einen Bösewicht. Diese waren bisher relativ enttäuschend, eine fast glaubwürdige Liga von C- bis D-Klasse-Gefahren aus einem beliebigen Marvel-Ripoff-Universum. Da sind die Helden hier schon besser aufgestellt. Ob kindliche Kaiser oder fechtende Schnauzbärte, das Spektrum des Absurden ist dem eines leicht anarchisch gestarteten Anime würdig und ich bin sicher, dass im Laufe des Spiels die dunkle Seite da noch nachziehen wird.

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Es gibt natürlich auch einen Vs-Modus, aber ich bin mir nicht sicher, ob der Prügel-Teil für sich allein genug Substanz hat.

Was den Kampf angeht... Er ist das, was man aus zuletzt zum Beispiel Kakarot kennt. Ihr müsst keine Fingerübungen für Special veranstalten, sondern legt vorher fest, welche Specials ihr auf die Slots verteilt, welchen Kampfstil ihr generell fahren wollt und dann beginnt ein solides Timing-Reaktions-Spielchen mit ein wenig Strategie, was Distanzen und Konter angeht. Wirklich absolut solide und die zwei Stunden war ich in keiner Weise gelangweilt. Durch die Upgrades und neuen Fertigkeiten sollte das alles mehr als tragfähig für die restliche Laufzeit sein, aber erwartet hier bloß keinen zu ausgefeilten Turnier-Prügler. Der größte Kniff ist, dass ihr mit wachsender Beliebtheit eures Helden andere Helden anlockt, die ihm dann im Kampf aushelfen. Leider verpassen sie oft genug den Bus oder fliegen zu spät los, sodass ihr eine kleine Animation am Rand seht, plus einen Timer. Kommt der andere dann endlich auch zur Party, könnt ihr jederzeit wechseln, die bis zu vier Helden insgesamt haben dann alle ihren eigenen Lebensbalken, aber auch die Gegenseite ist oft nicht allein unterwegs. Der bunte Reigen aus bis zu acht Figuren sorgt weiter für Abwechslung.

Und schließlich sind da noch die Naturkatastrophen. In welcher Welt auch immer diese Stadt liegt, sie ist schon schwer gebeutelt. Mehrmals in nur einem Kampf kann es passieren, dass Meteoriten einschlagen, schwere Gewitter vorbeiziehen, Godzilla vorbeischaut oder noch schlimmer, ein superhochgelevelter S-Klasse-Held, der ohne Rücksicht auf Verluste einmal im Superman-Vs-Batman-Style durchrauscht. Auch solche Ereignisse seht ihr kommen und könnt sie dann mit ein wenig Geschick zu euren Gunsten ausnutzen. Oder ihr rennt mitten in sie rein und geht selbst zu Boden. Oder es passiert einfach gar nichts, denn die meiste Zeit waren diese Ereignisse ehrlich gesagt ohne große Folgen für eine der beiden Seiten. Nun, es ist zumindest immer was los.

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Die Korkenzieher-Degen-Attacke. Natürlich gibt es in dieser Welt eine.

So, irgendwo muss auch noch ein Angel-Spiel kommen, dann ist der Reigen für One Punch Man: A Hero Nobody Knows komplett. Ein leicht oberflächliches, aber durchaus kompetentes Action-Prügel-Grundgerüst, kombiniert mit einem Hub-Level-System, ein wenig NPC-Interaktion und viel Leveln. Übertriebenen Mut bei der Gestaltung kann man keinem Teil des Spiels vorwerfen, aber trotzdem klickte es. Ein wenig positiver Level-Grind, ein netter Editor für ein paar bescheuerte Ideen, ein schnelles, durchdachtes, wenn auch nicht sonderlich komplexes Kampfsystem, am Ende klickte es halt. Das wird nicht das Spiel des Jahres, es wird sicher nicht der Killer-Prügler, aber manchmal darf der Anime gern etwas absurder sein und wenn das Spiel dahinter passt, dann gerne!

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Über den Autor:

Martin Woger

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