Alt+F40: Mundaun ist (zum Glück) kein Silent Hill 2 - und wie Türklinken euren Untergang planen

KW 12/21: Elternzeit, ich komme!

Ok, heute muss es etwas schneller gehen: Ab nächste Woche sind zwei Monate Elternzeit mit halbierten Arbeitsstunden angesagt und es ist noch einiges zu erledigen. Wo stehen wir, so reingesellschaftlich, in KW12? Immer noch alles doof? Wäre ja auch mal was Neues. Gut, das Pandemie-Hin-und-Her geht an die Nieren - drohende Kitaschließungen sind auch ein Grund, weshalb ich zur Sicherheit die Lebensmonate 13 und 14 meines Zweitgeborenen zum Großteil im Küchenkittel verbringen werde - die Regierung kann Dinge gut, mittel und schlecht machen, es wird eh immer gleich böse geschimpft und das Wetter... oh, okay. Das wird langsam sogar ein wenig besser. Ist es komisch, dass mir das irgendwie gerade schon reicht, um mich seelisch-moralisch über Wasser zu halten?

Das ist so ein bisschen wie die Holztür, auf der sich Kate Winslet am Ende von Titanic festkrallt - wenn da nur ein bisschen mehr Sonne draufscheint, sieht man, dass darauf mehr Platz ist, als Rose ihren Leo di Caprio glauben machen wollte. Insofern: Hüpft rauf zu mir, wir schuckeln zusammen rosigeren Zeiten entgegen!

Inhalt

Mundaun ist Eggers' The Witch auf Rätoromanisch

Ich gebe zu, wenn es nach den Screenshots ginge, ich hätte Mundaun vermutlich nicht weiter angeschaut. Dieses Horror-Spiel wirkt erst in Bewegung und mit guten Kopfhörern so, wie es soll, auf Bildern ist es einfach ein wenig grobschlächtig, was hier passiert. Polygonfiguren und -Architektur erinnern entschieden an die PS3-Generation, was aber nicht so sehr wundert, wenn man sich gewahr wird, dass dieses bitterböse Schweizer Spielchen ein reines Soloprojekt ist. Beim Spielen selbst denkt man dann nicht weiter darüber nach, denn man hat schlicht noch nichts Vergleichbares gesehen.

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'Schön' ist es per se nicht. Aber diese Optik öffnet schlimmen WTF-Momenten Tür und Tor. Hier ist einer davon - macht nur in Bewegung Sinn.

Das Spiel ist komplett wie eine alte Bleistiftzeichnung inszeniert, wirklich jede Textur ist von Hand geschaffen: Grobe 4B-Schraffuren skizzieren ausgetretene Trampelpfade in diesem Schweizer-Twin-Peaks und treffen auf feine HB-Maserungen eines Baumstammes oder das konkreter umrissene Gemäuer eines aus Feldsteinen gebauten Alpenhauses. Alles wirkt entschieden "daneben", woran nicht zuletzt die Vertonung im originalgetreuen Rätoromanisch ihren Anteil hat - und natürlich die seltsamen Ereignisse rund um den Feuertod eures Großvaters, der euch von der Stadt zurück in die Berge zieht.

Surreal und entrückt, ist diese Sorte Horror, aber auch pechschwarz und psychologisch auf lustvoll-wackligen Beinen errichtet. Gedanken an Robert Eggers' The Witch werden als erstes wach, dann gesellt sich Ari Asters Psycho-Demontage Midsommar dazu. Und wenn es Spiele sein sollen, ist Call of Cthulhu - Dark Corners of the Earth, falls das noch jemand kennt, mit seinen Wahnvorstellungen ein guter Bezugspunkt. Ich bin noch nicht sicher, ob Mundaun ähnliche Qualitäten entwickelt und dass ich erste Kampf-Elemente hinter mich bringen musste, nahm dem unwirklichen Prozedere für den Moment ein wenig den Schrecken. Gut, dass der aber schon wenige Momente wieder mit einer wahnsinnig eleganten und zurückgenommenen Gruselsequenz direkt wieder Einzug hielt.

Der Stil ist nicht allein Mittel zum Zweck, Entwickler Hidden Fields setzt die Abstraktion für wunderbare Spielereien mit eurer Wahrnehmung ein. Definitiv eines der interessanteren Gruselspiele, die ich die letzten Jahre hindurch gesehen habe und durch sein Lokalkolorit absolut unverwechselbar. Erstaunlich, wie viel Angst man zwischen zwei Bleistriftstriche reinlesen kann. Der Feind steckt in Mundaun definitiv im Kopf. Was der da oben anrichtet, davon erzähle ich vermutlich demnächst mal mehr.

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Die Version von Rätoromanisch, die in Mundaun gesprochen wird, beherrschen noch 60.000 Menschen. Ihr werdet Untertitel brauchen.

Weitere Notizen - KW 12/21

Texte in Arbeit: Ich will mich nicht drauf festlegen, was dieser Tage kommt. Ich habe gestern mit den Entwicklern eines sehr vielversprechenden Indies geredet, über den ich noch nicht sprechen darf. Wer die letzten beiden Wochen gelesen hat, weiß, dass darüber hinaus noch das eine oder andere aussteht. Ich auch verraten, dass ich mit Battlestar Galactica Deadlock anfing und ich sehr gespannt bin, wohin diese spezielle Reise geht.

Höhepunkt der Woche: Das ist sehr subjektiv, aber wer mich kennt, weiß, wie sehr ich diesem Spiel erlegen bin: Deshalb ist mein spielerischer Höhepunkt diese Woche das neue Hunt Showdown Event, das Mittwochnachmittag gestartet ist: Die komplette Community arbeitet zusammen, um in den Matches kleine Vogel-Totems zu finden und zerstören um insgesamt 100.000.000 Millionen Punkte zu sammeln. Bei Erreichen wird der neue Boss Scrapbeak freigeschaltet, aber natürlich gibt es auch legendäre Skins zu verdienen. Das Event stellte sich Mittwochabend als veritabler Spielermagnet heraus, denn der Rekord der auf Steam gleichzeitig anwesenden User wurde mal eben um mehr als die Hälfte übertrumpft.

Zweifellos eine Belohnung für die guten Patches und interessanten neuen Inhalte der letzten Zeit. Aber die 100.000.000 Millionen Punkte scheinen doch ein wenig hochgegriffen, wenn man bedenkt, dass mein Team gestern in seinen besten Runden wenig mehr als 20 Zähler einfuhr. Stand heute früh waren knapp sechseinhalb der 100 Mio. verdient.

Tiefpunkt der Woche: Gestern früh habe ich den Knick der Badezimmertürklinke mit Wucht hinten irgendwo auf den Hüftknochen bekommen. Jähzornig wie ich bin, hätte ich danach beinahe noch die Hand durch die gläserne Duschkabine gedonnert. Sitzen tut seither weh, Bücken auch. In meinem Alter liegt die geschätzte Erholungszeit bei circa vier Wochen, sagen mir Erfahrungswerte. Wer Witze macht, fliegt!

10
Die Minibanane freut sich über die Sonne und der Dünger mundet offenbar, aber ich fürchte tatsächlich, den Topf hätte ich gleich eine Nummer größer nehmen sollen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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