Der Deal des Jahres: Was Bethesda zu Microsoft mitbringt

Mehr als nur Elder Scrolls

Sicher, man hat sich mittlerweile seit einem Weilchen gefragt, wann Bethesda aus purer Hit-Begier Elder Scrolls 6 raushaut. Nachdem Fallout 76 sicher nicht der ganz große Reißer war, Arkane immer nur Kritikerlieblinge und Kassengift produziert und Elder Scrolls Online zwar läuft, aber eben auch jedes Jahr ein neues cooles Add-on produziert haben will. Keine Ahnung, wie genau es um die Finanzen stand, mit einem Kaufpreis von fast 8 Milliarden Dollar klingt das jetzt nicht nach einem Notverkauf, aber der Move war sicher auch etwas, das Bethesda vielleicht von einigen Kopfschmerzen befreit haben dürfte.

Was Microsoft jetzt genau langfristig damit anstellt, ob alles so weiterläuft - nur eben Xbox- und PC-exklusiv - oder ob sie die Studios bei sich irgendwann integrieren und die lange Geschichte von Bethesda irgendwo endet, das weiß nur Microsoft. Mein üblicher Witz: Gib' der Sache drei Jahre und id Software bastelt Xbox-Avatare. Aber was genau hat Microsoft da jetzt eigentlich gekauft?

Bethesda-Geschichte und das heißt Gaming-Geschichte

Das ist das erste, was hier im Package für all die Milliarden dabei ist: 34 Jahre gibt es Bethesda jetzt schon, gegründet 1986 von Christopher Weaver. Der Mann hat einen Lebenslauf, der sich sehen lassen kann. Er war mal im News-Business, war Chief Engineer eines Kongress-Ausschusses für Telekommunikationstechnik und gründete in den 80ern eine Spiele-Firma, weil er als Wissenschaftler Spaß an Physik-Engines hatte. Das erste Spiel, ein Football-Game names Gridiron!, war der Startschuss für ein wahnsinnig umtriebiges Softwareimperium. Gleich vom Start weg sicherte man sich einiges an Lizenzen: Das Eishockey-Spiel lief unter dem Namen Wayne Gretzkys, ihre Action-Spiele machten mit der Terminator-Lizenz auf sich aufmerksam und auf dem NES lieferte man mit Home Alone und Where's Waldo komplett Grütze ab.

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Nur selten hat ein SO hässliches Cover die Gaming-Welt so nachhaltig geprägt.

1994 kam dann die wahre Berufung: The Elder Scrolls Arena. Von da an war Bethesda der "Elder-Scrolls-Laden". Weaver blieb noch etwa bis Morrowind 2002 dabei, bevor er aus seinem eigenen Laden gehen musste. Was folgte, waren bekannte Hits - mehr Elder Scrolls, das erfolgreiche Fallout-Reboot, Dooms Rückkehr - und vergessener Schund. Pirates of the Carribean dürfte manche Leute heute noch schmerzen. Ein Open-World-Spiel mit Piraten von den Elder Scrolls-Typen? Das kann doch gar nicht schiefgehen. Aber wie das schießgehen kann! Rogue Warrior, bis heute auf dem Index, ist einer der grausigsten Shooter der Geschichte des Genres und auch über Brink durfte man geteilter Ansicht sein.

Aber seitdem war eigentlich alles paletti. Sehen wir vielleicht mal von Fallout 76 ab, das mittlerweile weit besser ist als sein Ruf - nicht so schwer, ich weiß -, gab es nur mindestens Gutes zu vermelden. Was und auch zum nächsten Punkt bringt: Marken.

Franchises! Viele, viele Franchises.

Elder Scrolls ist eine Sache, aber Bethesda hat so viel mehr im Programm. Angefangen bei Rage, bei dem es ja vielleicht immer noch Ambitionen geben könnte, über ein hoffentlich eines Tages ambitioniertes Prey 2 bis zu einem Commander Keen, das nicht nur ein Mobile Game wird, hat man da viel im Repertoire.

Wolfenstein hat eine interessante Entwicklung durchgemacht, vom Technik-Startschuss in ein neues Shooterzeitalter, bis hin zu fast schon dem Kunst-Exploitation-Kino des Shooterns hat die Serie immer viel zu bieten gehabt. Es wurde auch Zeit, dass Master Chief und Gears interne Konkurrenz bekommen, um den Ruf zu festigen, dass auf der Xbox eh nur geshootert wird. Da kann auch Doom tatkräftig helfen, wobei ich immer noch hoffe, dass irgendwann ein Remake des allerersten Teils kommt. Überhaupt, id Software allein ist schon ein Asset, wie es sie nur selten in der Branche gibt.

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Vielleicht hat ja bei Microsoft einer Lust das 'echte' Prey 2 zu machen.

The Evil Within hatte bisher nicht den Erfolg, der Capcoms großer Horror-Reihe vergönnt war, aber das lag weniger an der Qualität der Spiele. Bevor ich damals ein Resi 6 spielte, habe ich mich zigmal lieber bei einem Evil Within gegruselt und das galt auch für die nächsten beiden Spiele dieser Serien - wobei Resi 7 schon echt gut war.

Arkane ist sicher auch eine Bank und könnte vor allem der Xbox-Gegenpol zu den etwas kunstvolleren Sony-Projekten sein. Weder Dishonored noch Last Guardian sind Kassenschlager, aber es ist wichtig, dass es diese Spiele gibt und ein Arkane-Spiel mit Microsoft-Budget, da kann man schon ins Träumen kommen.

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Die Welt wäre ärmer ohne Dishonored.

Elder Scrolls Online hat sich auch gewandelt. Es ist schon lange nicht mehr das hässliche Entlein, das es zum Start mal war. Jedes Jahr kommt ein neues Add-on, das das schon hervorragende letztjährige überbietet, es gibt eine große, feste Spielerschaft und ein scheinbar tragfähiges Zahlmodell, das nicht Abo heißt. Etwas, für das ich im Zeitalter von zu vielen Abos, irgendwie auch dankbar bin.

Last, but sicher nicht least: Fallout und das kommende Starfield. Das Erstere braucht dringend ein weiteres Reboot, denn was man mit den alten Mechaniken machen kann, das hat man wohl mittlerweile getan. 76 dürfte wohl nicht die Zukunft von Fallout sein, aber die Serie bietet inhaltlich viel Potenzial. Und wer weiß, vielleicht lässt man ja mal wieder Obsidian ran, jetzt wo alle glücklich unter einem Dach vereinigt sind... Und dann ist da die große Unbekannte, Starfield. Rollenspiele laufen, das haben Skyrim, Witcher und jetzt der Hype auf Cyberpunk gezeigt. Ein großes SciFi-Rollenspiel, das fehlt da im Reigen noch. Ist sicher nicht billig. Aber Geld spielt jetzt ja keine Rolle mehr... Oder etwa doch? Wer weiß, wie die Finanzierungen intern geregelt werden. Aber was wirklich Geld abwerfen wird, das sind Bethesdas Kronjuwelen:

Elder Scrolls 6, Skyrim 2, egal, Hauptsache Tamriel

Und hier wird es im "Konsolenkrieg" dann langsam wirklich spannend. Alles andere bis hier hätten die PlayStation-Fans sicher auch gern gesehen - mehr Spiele auf der eigenen Plattform der Wahl sind immer gut, solange es kein CD-i ist -, aber können wohl verschmerzen, dass es kein neues Doom oder Evil Within mit einem PlayStation-Logo gibt. Aber kein Elder Scrolls 6? Noch dazu "gratis" - oder eben für 120 Euro im Jahr - im Game Pass? Das kommt ja auch noch dazu: Alle Spiele hier sind, sofern Microsoft seine Strategie nicht ändert, automatisch im Game Pass enthalten. Und Elder Scrolls 6... Witcher war erfolgreich, ohne Frage. Aber Skyrim dürfte bei vielen immer noch das Synonym für Fantasy-Rollenspiel sein.

Sollte Elder Scrolls 6 ein exklusiver Titel für Xbox und PC sein, dann ist das nur mit Sachen von Naughty Dog und Nintendo selbst vergleichbar. Microsoft wäre vielleicht noch nicht bei einem Zelda angekommen, aber mit so einem Titel wäre man schon ein gutes Stück des Weges gegangen. Sicher, man kann streiten, ob hier nicht gecheatet wurde, schließlich haben Sony und Nintendo ihre Studios meist selbst aufgebaut und entwickelt, während Bethesda ein Zukauf war. Aber am Ende spielt es keine Rolle, wenn die Qualität der Produkte stimmt. Was uns zum letzten Punkt bringt:

Eine Menge Verantwortung

Bethesda ist nicht einfach ein einzelnes Studio wie es Rare war. Bethesda ist, wie ich oben schrieb, eine wechselhafte Geschichte, Historie und viel gute Qualität. Nein, nicht immer, aber es ist ein Publisher, dessen Studios Gaming über die Jahrzehnte zu ihrem kleinen Teil mitdefiniert haben. In den Pressemeldungen steht, dass sich erst einmal gar nichts groß ändert. Verträge werden sicher eingehalten werden, es würde mich wundern, wenn Death Loop nicht für die PS5 kommt das vielleicht sogar weiter zeitexklusiv. Aber darüber hinaus?

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So darf es hier nicht enden: EAs letzteR Dolchstoß in Richtung Ultima.

Das absolute Worst Case Szenario auf lange Sicht hat EA damals mit Bullfrog und Origin durchexerziert. Laufende Projekte und Serien wurden zu Tode gespart und abgewickelt. Gut, bei manchen Wahnvorstellungen Peter Molyneuxs oder Richard Garriots war das vielleicht auch nicht anders möglich. Aber deswegen hätte man danach ja nicht Serien wie Ultima und Wing Commander für alle Zeiten beerdigen müssen. Elder Scrolls war immer ein definierender Name wie Open-World-RPGs aussehen können und dass Modder sich bis heute mit diesen Titeln beschäftigen, sagt viel aus. Arkane hat bis heute niemanden reich gemacht und mit ihren Ideen dürfte sich das wohl so schnell auch nicht ändern, aber das heißt nicht, dass ihre Spiele für das Gaming an sich nicht wertvoll wären. Will sich Microsoft solchen Luxus gönnen? Man kann es nur hoffen. Und wenn sie sich das nicht nur gönnen, sondern darin investieren, dann könnten Bethesdas beste Zeiten jetzt erst anbrechen.

Lest mehr zu: Microsoft kauft Bethesda! Elder Scrolls 6, Fallout und Doom nicht mehr auf PlayStation?

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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