3 Ideen, wie Destruction AllStars für mich zu retten wäre

Ein Trio an Missständen verdirbt Alex noch ein wenig den Spaß - das hier könnte man dagegen tun

Destruction AllStars ist bei weitem kein schlechtes Spiel. Es besitzt eine gewisse frenetische Energie, die schlechte Spiele einfach nicht kennen und die oft genug auch auf den Spieler überschwappt. Wenn mal wieder alles gut für mich läuft, fühle ich mich wie auf Wolke sieben, fege einen Gegner nach dem anderen als Wrack aus der Arena, und lasse alle, die mich auf dem Kieker haben, ins Leere sausen, während mir der Chorus von "Can't touch this" durch den Kopf geht.

Destruction AllStars generiert diese Art von perfektem Moment mit einer Zuverlässigkeit, die einen Multiplayer-Dauerbrenner eigentlich ausmacht. Das habe ich schon bei meinem Erstkontakt mit dem Spiel irgendwie gespürt. Ich mag sogar den Style mittlerweile sehr gern, das Flair, das seine 16 Charaktere mit jedem Schritt versprühen, und ziehe ob der Zerstörungseffekte minütlich auf positive Art schockiert die Augenbrauen hoch. Gleichzeitig macht es genügend falsch, dass es durchaus fraglich ist, ob sich in einem Jahr noch irgendjemand ernsthaft hiermit auseinandersetzen will. Eine gewisse Leere spielt einfach mit, wenn man sich Destruction AllStars hingibt.

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Deshalb hab ich mich mal hingesetzt und drei Dinge notiert, die das Spiel grundlegend besser machen würden und die Entwickler Lucid Games unbedingt als erstes angehen sollte. Wenn euch noch ein paar Tipps einfallen, einfach in den Kommentaren dazuschreiben. Anspruch auf Vollständigkeit erheben diese Ratschläge nicht. Ich weiß auch, dass ich kein Entwickler bin und dass man mit solchen Ratschlägen immer vorsichtig sein sollte, aber das hier sind halt so die Gedanken, die mir immer wieder beim Spielen durch den Kopf gingen.

1. "Feier' mich, verdammt!"

Der beste Spielmodus in Destruction AllStars ist Mayhem, das 16-Spieler-Free-for-All, in dem es in erster Linie darum geht, die anderen alt aussehen zu lassen. Und "alt" meint in diesem Fall "schrottreif". Alles, was an Destruction AllStars gut ist, findet sich in diesem Modus: Er hat die beste Balance zwischen Fahr- und Zu-Fuß-Action, die richtige Konzentration aufs Wesentliche und am wenigsten Downtime. Jede Kollision bringt euch weiter Richtung Siegertreppchen. Das Problem: Man hat trotzdem fast immer das Gefühl, dass am Ende alles für die Katz war, denn alle außer Platz eins deklariert das Spiel zu Verlierern. Farblich sind die ersten drei noch einmal abgehoben, aber am Ende steht immer nur einer als "Winner" da und das fühlt sich einfach mies an, wenn man an und für sich ein tolles Match gemacht hat.

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Überhaupt fehlt ein bisschen das "Auf die Schulter klopfen" anderer Spiele, das einem signalisiert, wann man etwas gut gemacht hat. Gerne auch Extra-Plaketten für den schönsten Abschuss oder das beste Ausweichmanöver. Es ist nun mal eben kein Rocket League, bei dem ein Move alles entscheiden kann. Man muss das ganze Match hindurch punkten. Dadurch fehlt ein wenig das Event-artige eines tollen Manövers, denn letzten Endes ist es nur eines unter vielen. Und gerne dürfte das Spiel mir auch deutlicher zeigen, wenn ich mich gerade vom Pulk entferne und welcher Spieler sich besonders als Ziel lohnt.

2. Keine Synergien!

Das nächste Problem ist die vermutlich klarste Abgrenzung zu anderen Multiplayer-Dauerbrennern: Die Skills der Charaktere zu benutzen, macht zum Teil durchaus Spaß, aber Teamwork regen sie keines an. Jeder macht im eigentlich interessanten Carnado-Modus sein Ding, spielt nebeneinanderher, statt sich aufs Miteinander zu konzentrieren. Mehr Synergien wären unabdinglich, wenn in Destruction AllStars auf mittlere und lange Sicht Multiplayer-Leben stecken soll. So wie es ist, bleibt es situativ recht spaßig, längerfristig aber flach und weitestgehend uninteressant, weil es sich kaum abhebt vom normalen Zerstörungstagesgeschäft. Es ist fast schon deprimierend, wie viel Potenzial hier liegen gelassen wird.

3. Die größte Partyspiel-Sünde: Destruction AllStars ist einfach nicht sozial genug

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Private Matches, in denen man sich mit 15 Freunden für einen chaotischen Mayhem-Abend trifft, gibt es einfach nicht. Nicht einmal, wenn man es hinbekommt, vier PS5-Parties je vier befreundeter Spieler und Spielerinnen zusammenzutrommeln, darf man den spaßigsten Modus von Destruction AllStars zusammen angehen. Man muss ihn mit Fremden spielen. Wer im Team das für eine gute Idee hielt... dem sollte der Rest der Lucid-Belegschaft sechs Wochen lang den Frischkäse vom Büro-Bagel streichen. Sobald es eines Tages wieder ins Büro geht. Selbst in den beiden Team-Modi dürfen die Parties nur vier Spieler enthalten, was im Acht-gegen-acht natürlich zum Problem wird.

Dass Couch-Multiplayer am selben Gerät nicht unterstützt wird, ist dadurch vielleicht die größte Sünde, sie sich Destruction AllStars leistet. Wie viel schöner könnte dieses Spiel bitte sein?

Alles in allem wirkt Destruction AllStars nicht ganz zu Ende gedacht. Angesichts der dank PS Plus recht großen Spielerbasis ist es durchaus vorstellbar, dass Lucid Games noch eine Menge Boden gutmacht - aber ich werde das Gefühl nicht los, dass man sich keinen Gefallen getan hat, mit diesem Spiel vor die Tür zu treten, bevor es seine Möglichkeiten nicht zur Gänze ausgeschöpft hat. Mit dem geringen Umfang kann ich zum Start bestens leben, grundlegende motivierende Faktoren wie ein stabileres und breiter aufgestelltes Fundament, um mit Freunden zu spielen, wären hier Pflicht gewesen. Wir werden sehen, ob die Entwickler die richtigen Lehren ziehen - und wie lange sie brauchen, um ihrem Spiel ein paar neue Tricks beizubringen.

  • Entwickler / Publisher: Lucid Games / Sony
  • Plattformen: PS5
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: kostenlos auf PS Plus, kosmetische Mikrotransaktionen

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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