Lokis selbstbewusstes Finale kündigt eine 2. Staffel an. Trotzdem habe ich Angst ums MCU - Serienkritik

Der Anfang vieler Enden.

Spoilerwarnung: Hier geht es nicht anders - wir sprechen darüber, was im Finale von Loki passiert.

Tja. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die gute Dreiviertelstunde, die das Ende der ersten Staffel Loki markiert, zu 90 Prozent aus Dialogen bestehen würde. Aber es hat für mich total funktioniert. Dennoch habe ich jetzt Angst um die Zukunft des MCU, denn ich bin verbriefter Weise Fan der am wenigsten ... sagen wir "speziellen" Helden dieses Universums. Und jetzt steht durch einen aufziehenden Multiversum-Plot die Bedeutsamkeit von allem, was wir bisher erlebt haben, mächtig auf der Kippe.

Sylvie und Loki stehen nach einem letzten, verdächtig großzügigen Versuch ihres geheimnisvollen Gegenspielers, die beiden zur Aufgabe zu überreden, nun vor "He Who Remains". Man weiß lange nicht, wie man ihn nehmen soll, diesen von Jonathan Majors eher schrullig als bedrohlich verkörperten Wächter über die Zeit. Aber je länger er redet, desto mehr merkt man, dass hinter der TVA, die die letzten vier Folgen so nachhaltig als das übergreifende "Big Bad" gezeichnet wurde, tatsächlich der Wille stand, unermessliches Leid abzuwenden.

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Erst so...

Majors macht das so gut, dass die ganze Zeit ein Funken Rest-Unsicherheit bleibt, während es Loki und Sylvie überlassen ist, einmal mehr die alte Marvel-Frage zu verhandeln: Was ist wichtiger? Freiheit oder Sicherheit? Das würde mir normalerweise nur ein Gähnen entlocken, ist aber hier vor dem Hintergrund, dass zwischen Loki und Sylvie ordentlich die Funken fliegen, wirklich exzellent gemacht. Mit jeder Zeile von He Who Remains sieht man die beiden weiter auseinanderdriften in ihrem Ansinnen, wie nun weiter zu verfahren ist. Man ahnt nichts Gutes.

Und dann passiert es: Loki, der Sylvie geschworen hatte, dass er ihr nicht in den Rücken fallen würde, stellt sich gegen ihren Impuls, den Zeitwächter hinzurichten. Es kommt zum Kampf, den ich mit dem Hintern ganz vorne auf der Couch-Kante erlebte. Wie oft hat man sich in diesen - und diversen anderen - Filmen schon gewünscht, zwei miteinander im Clinch liegende Sympathieträger würden miteinander reden, nur die richtigen Worte finden. Dann würde schon alles gut. Hier ist das perfekt inszeniert, geschrieben und gespielt - mit einem Ende, das einleuchtend zeigt, warum manchmal alles Flehen und Betteln nicht hilft. Ich fand das ganz stark gemacht und mit wundervollen Implikationen für den zentralen Charakter: Ist Loki wirklich dazu verdammt, allein zu bleiben und alle zu hintergehen, die er liebt?

Ich gebe zu, rein mechanisch erschließt sich mir auch nach der langen Erklärung durch He Who Remains noch nicht, wie die verschiedenen Multiversen miteinander Krieg führten und ob sie immer noch irgendwo existieren, nur isoliert von der "Sacred Timeline". Dennoch freue ich mich, nach He Who Remains' Abtreten Majors Interpretation von Kang the Conqueror zu erleben, die er in Ant-Man 3 vermutlich drastisch anders auslegen wird als den erschreckend harmlos wirkenden He Who Remains.

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... dann so.

Auch, wie die am Schluss bestätigte zweite Staffel sich in den Kontext der Filme und weiteren Serien fügen wird, ist mir aktuell noch nicht klar. Erstmal kommen ja noch Shang-Chi, Spider-Man No Way Home, der das Multiversum-Fass wohl im Kino aufmachen dürfte und nächsten März schließlich Sam Raimis Doctor Strange: In the Multiverse of Madness. Lose Plotfäden gibt es nach dem erschreckend offenen Ende aber genug. Was ist mit Sylvie, in welcher Zeitlinie ist Loki gelandet, wo ist Ravonna?

Ich bin noch nicht komplett überzeugt, dass die Verzahnung von TV-Serien und Kinofilmen die beste Idee war, die das MCU hatte, was vor allem daran liegt, dass die Serien trotz bisweilen beachtlicher Höhen ein holpriges Tempo hinlegten und tonal nicht immer auf den Punkt waren. Aber wenn ich diesen Multimedialen Ansatz irgendwann als Erfolg verbuchen werde, dann wird Lokis erste Staffel einer der Gründe dafür gewesen sein.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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