Neues Display, alte Technik: Lohnt sich die Nintendo Switch OLED?

Eine verpasste Gelegenheit, das Spielen im Dock zu verbessern.

Nach monatelangem Warten auf die "Switch Pro" und der Hoffnung auf ein neues, verbessertes Gerät hat Nintendo in dieser Woche endlich sein neues OLED-Modell angekündigt. Es handelt sich effektiv um eine Produktauffrischung mit einem hochwertigeren Bildschirm, mehr Speicherplatz und einem überarbeiteten Dock. Es werden keine Versprechungen zu tatsächlichen Leistungsverbesserungen der Konsole gemacht, weil es keine gibt. Die gleiche 16nm+ Version des Tegra X1, die in den aktuellen Switches zu finden ist, schlägt auch im Herzen des OLED-Modells. Das Endergebnis ist also ein Modell, das die Qualität des Handheld-Erlebnisses verbessert, aber nicht das anpackt, was wohl der größte Nachteil der Switch ist - die Qualität beim Spielen im Dock.

Das alles wirft die Frage auf, wie der Switch-Pro-Hype überhaupt ins Rollen kam, da seriöse Quellen darauf hinzuweisen schienen, dass ein aktualisiertes Modell mit einem neuen Nvidia-Prozessor eine beschlossene Sache sei. Bei Digital Foundry haben wir das neue Gerät schon vor ein paar Monaten als Produktauffrischung eingestuft (siehe hier), zumal das Atmosphere-Custom-Firmware-Team im Januar die Existenz einer überarbeiteten Switch mit einem neuen Bildschirm, aber den gleichen Kernspezifikationen angedeutet hatte. Offenbar tauchte das Gerät - intern mit dem Codenamen "Aula" versehen - erstmals mit dem Update 10.0.0 in der Switch-Firmware auf, das im April 2020 veröffentlicht wurde. Die einzige echte Erklärung, die mir einfällt, ist, dass die Entwicklung des OLED-Bildschirms und der eigentlichen Next-Gen-Switch irgendwann durcheinander gerieten, wodurch das Switch-Pro-Gerücht entstand.

In Bezug auf die Entwicklung der neuen Switch ist Nintendos Strategie, die bestehende Konsolenfamilie damit zu ergänzen. Zumindest vorerst bleibt das ursprüngliche Modell bestehen, ebenso wie das nur als Handheld erhältliche Lite-Modell. Das OLED-Modell verfügt über einen höherwertigen, physisch größeren 7-Zoll-Bildschirm, verbesserten Ton, einen größeren Standfuß mit mehreren Positionen sowie einen Lichtsensor auf der Oberseite - vermutlich zur Unterstützung der automatischen Helligkeitsanpassung. Die Gesamtabmessungen sind im Wesentlichen gleich, aber das Gerät ist sehr, sehr geringfügig breiter und einen Hauch schwerer. Bei der Switch OLED ist bestätigt, dass sie mit älteren Docks funktioniert, sie bekommt aber auch eine neue Version mit einem integrierten LAN-Anschluss. Dieses neue Dock ist separat erhältlich und funktioniert auch mit älteren Switch-Modellen, hat aber einen Nachteil - sie verlieren den internen USB-Anschluss, während die beiden externen USB-2.0-Buchsen erhalten bleiben.

John Linneman und Rich Leadbetter über ihre anfänglichen Reaktionen zum neuen OLED-Modell der Nintendo Switch.

Im Wesentlichen verbessert die Switch OLED also das Handheld-Erlebnis, das bereits der stärkste Teil des Pakets war. Der OLED-Bildschirm sollte ein größeres, viel hochwertigeres Bild liefern. Wir können bestätigen, dass es keine HDR-Funktionalität gibt, aber in der Kommunikation mit den Entwicklern sagt Nintendo, dass "die Farben des OLED-Bildschirms lebendiger sind". Die Qualität des verbesserten Tons können wir erst beurteilen, wenn wir ihn hören, aber Nintendo spricht von einem "verbesserten Schalldruckpegel" für das neue Modell. Der neue Standfuß - der an das Microsoft Surface erinnert - behebt sicherlich ein Hauptproblem des ursprünglichen Modells, dessen Ständer so wackelig war, dass man sich nicht wirklich auf die Stabilität auf einer anderen als einer felsenfesten Oberfläche verlassen konnte.

Allerdings ist in Nintendos Marketing-Materialien von nichts anderem als der Standardleistung der Switch die Rede. Die Größe des Akkus bleibt mit 4310mAh gleich, die Akkulaufzeit wird so angegeben, dass sie mit der bestehenden Standard-Switch identisch ist - 4,5 Stunden bis neun Stunden, je nach Anwendung. The Verge hat ein Statement von Nintendo, das klarstellt: "Die Nintendo Switch (OLED-Modell) hat keine neue CPU oder mehr Arbeitsspeicher als frühere Nintendo-Switch-Modelle."

Das neue Gerät hat zwar mehr Speicherplatz - 64 GB NAND im Vergleich zu den 32 GB des Originals -, aber darüber hinaus haben wir nun die vollständige Bestätigung, dass das Innenleben im Wesentlichen unverändert sind. Die gleiche 16nm+-Variante des Tegra X1 - Codename "Mariko" - wird für das neue Modell beibehalten. In der aktuellen Situation der Halbleiterknappheit sollte das Festhalten am vorhandenen Silizium auf einem relativ alten Produktionsprozess sicherstellen, dass Nintendo in einer Welt, in der seine Konkurrenten damit zu kämpfen haben, adäquate Mengen der neuen Geräte liefern kann und dabei auch noch einen anständigen Gewinn macht.

Theoretisch ließe sich die neue Switch übertakten, um anspruchsvollere Spiele besser abzuspielen - mit Homebrew-Mods für ältere Systeme lässt sich das testen.

Für Nintendo und auch für Spieleentwickler ist das Switch-OLED-Modell ein "Business as usual"-Modell. Das geht so weit, dass der Plattformhersteller den Spieleherstellern mitteilt, dass keine neuen Entwicklungskits für die Erstellung von Spielen erforderlich sind und es keine neuen technischen Anforderungen gibt, die eine Änderung der Standard-Switch-Ikonografie im Spiel erfordern, um das neue Modell zu unterstützen. Hinzu kommt, dass Spiele, die auf der Switch OLED laufen, nicht wissen, dass sie auf etwas anderem als einem Standardgerät laufen - Nintendos Entwicklerdokumente zeigen, dass es für Spiele keine Möglichkeit gibt, das System abzufragen, um herauszufinden, ob sie auf der Switch OLED laufen oder nicht. Dennoch erkennt das Unternehmen die Notwendigkeit für Entwickler an, ihre Spiele auf dem neuen Bildschirm zu testen. Zu diesem Zweck wird ein neues ADEV-Entwicklungsmodell zur Verfügung gestellt, das neben den bestehenden SDEV- und EDEV-Versionen existieren soll. Aus Gründen, die Nintendo nicht bekannt gegeben hat, wird dieses Gerät mit 8 GB Onboard-Speicher ausgeliefert, im Vergleich zu den 6 GB der anderen Entwicklungsmodelle und den 4 GB aller Retail-Geräte.

Nachdem die Switch nun fast viereinhalb Jahre auf dem Markt ist, scheint es fast sicher, dass Nintendo keinen Mid-Generation-Refresh nach dem Vorbild des DSi oder des New 3DS und seiner Ableger auf den Markt bringen wird. Mit den vorherigen Handhelds führte der Plattformhersteller neue Spezifikationen und die Möglichkeit für Entwickler ein, zusätzliche Leistung zu nutzen, auch wenn die Entwickler die zusätzliche Leistung am Ende nur in geringem Maße in Anspruch nahmen. Das scheint bei seinem modernsten Gerät nicht der Fall zu sein. Es gab Enttäuschung darüber, dass die Switch OLED nicht die Switch Pro ist - oder überhaupt irgendwelche Leistungsvorteile bietet - und das ist eine Schande, denn je länger diese Generation andauert, desto offensichtlicher werden die Herausforderungen des Geräts, wenn es als Heimkonsole im Dock verwendet wird.

In gewisser Weise zelebriert Nintendos Hybrid, was mit einem mobilen Chipsatz möglich ist, der im Vergleich zu seinen Referenz-Spezifikationen deutlich untertaktet ist. Wir haben außergewöhnliche Leistungen auf der 1,02-GHz-CPU gesehen, während die GPU relativ langsam ist, aber auf einer relativ modernen Architektur basiert, die die Tür zu vielen der "unmöglichen Ports" öffnet, die wir gesehen haben. Im Zusammenspiel sind Spiele wie Doom Eternal und The Witcher 3 erschienen, die auf einem sechs Jahre alten Modell-Chipsatz einigermaßen gut laufen. Während das Gerät jedoch für Handheld-Spiele geeignet ist, sieht es im angedockten Zustand ziemlich düster aus - bei vielen Spielen sind Sub-1080p-, Sub-720p- und sogar niedrigere Auflösungen auf den heutigen gigantischen Flachbildschirmen einfach nicht mehr schön anzuschauen. Es gab viele Diskussionen über eine Art von 4K-Upscaling für die neue Switch, aber es ist nicht dazu gekommen. Abgesehen vom kabelgebundenen LAN-Anschluss gibt es keinerlei Verbesserungen für das Dock - und das ist zweifellos eine verpasste Gelegenheit.

Was hat das Raytracing in Lego Builder's Journey mit der Switch zu tun? Nun, wir sprechen auch über die jüngsten DLSS-Verbesserungen, die für eine zukünftige Switch relevant sein könnten.

Nachdem also ein neuer Nvidia-Chip ausgeschlossen ist, hätte das bestehende Modell in irgendeiner Form eine verbesserte Leistung für die Nutzung im Dock bieten können? Auf jeden Fall, aber nicht in einem wirklich spielverändernden Ausmaß. Das Übertakten (oder auch Untertakten) der Switch ist schon seit Jahren Bestandteil der Homebrew-Szene, wobei Systemhacks die CPU von den standardmäßigen 1,02 GHz auf die volle Spezifikation von 1.785 MHz anheben können, während der Takt im Dock von 768 MHz leicht auf 921 MHz angehoben werden kann. Auf dem Papier bedeutet das eine 75-prozentige Steigerung der CPU-Leistung und eine 20-prozentige Erhöhung der GPU-Leistung. Der Tegra X1-Grafikkern "Mariko" kann sogar mit 1,267 GHz laufen - eine beachtliche Verbesserung von 65 Prozent gegenüber der Switch-Spezifikation. Trotz der zusätzlichen Belüftung des neuen Docks scheint es jedoch unwahrscheinlich, dass Nintendo die volle Leistung für Entwickler freigeben wird. Theoretisch ist es möglich, aber es gibt sicherlich nichts im SDK, um es für Spielehersteller möglich zu machen. Und in Wahrheit, basierend auf unseren Übertaktungstests, gewinnt man zusätzliche Stabilität und ein saubereres Bild bei Spielen, die dynamische Auflösungsskalierung unterstützen. Es gibt zwar eine Verbesserung, aber es ist nicht genug, um das Problem des Spielens im Dock umfassend zu lösen.

Die Wahrheit ist natürlich, dass nur ein grundlegendes Redesign der Switch selbst dieses Problem lösen kann - etwas, das für Nintendo im Hier und Jetzt nicht wirklich geschäftlich sinnvoll ist und den Entwicklern nur Kopfzerbrechen bereiten würde, wenn sie ein drittes Leistungsprofil unterstützen müssten. Jede Art von intelligenter Upscaling-Lösung, die in der Lage ist, wirklich niedrig aufgelöste Bilder in etwas zu verwandeln, das auf einem Wohnzimmer-Display akzeptabel ist, erfordert neues Silizium, und obwohl Nvidia DLSS als Lösung diskutiert wurde, erfordert diese Technologie Tensor Cores, die in die Hardware integriert sind - und diese sind im Tegra X1 nicht vorhanden. DLSS kann in seiner aktuellen Version nicht als eigenständiger "Add-in"-Chip funktionieren, und es kann auch nicht frei auf jedes Spiel angewendet werden - es muss in die Spiele-Engine integriert werden.

Und beide Faktoren, kombiniert mit Nvidias jüngsten Verbesserungen an DLSS, machen die Technologie zu einer besseren Wahl für einen tatsächlichen Switch-Nachfolger, der auf der neueren GeForce-Architektur basiert. Das Potenzial ist sicherlich verlockend. Der DLSS-Performance-Modus läuft intern mit einem Viertel der Ausgangsauflösung: Aus 720p wird 1440p, aus 1080p wird 4K. Die Ergebnisse sind nicht perfekt, würden aber sicherlich gut auf einem Fernseher funktionieren, der unter Wohnzimmerbedingungen aus der Entfernung betrachtet wird. Der DLSS-Ultra-Performance-Modus kann 720p tatsächlich auf 4K skalieren. Ja, es gibt einen Qualitätseinbruch, aber es funktioniert. DLSS oder eine ähnliche Technologie ist das fehlende Puzzlestück, um die Wiedergabe im Dock über einen mobilen Chipsatz realisierbar zu machen. Ist das also die tatsächliche Switch Pro, über die jetzt seit Monaten gesprochen wird? Wäre es immer noch eine Switch Pro - oder sollten wir stattdessen anfangen, sie als Switch 2 oder Super Switch zu bezeichnen?

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry  |  digitalfoundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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