Razer Wolverine v2 Chroma Controller - Test: Nicht ganz Elite, aber fast

Razer legt den Wolverine mit Chroma-Licht und neuen Features neu auf. Alex liebt die Buttons und das D-Pad - aber ist der Preis gerechtfertigt?

Noch im März sprach ich über das erste Re-Design des Razer Wolverine Controllers, das ich als sehr gelungen empfand. Er war eine unaufgeregte, aber zuverlässige und handschmeichelnde Evolution der bisherigen Razer-Controller, die vor allem durch ihre befriedigend klickenden Buttons und das wundervolle Steuerkreuz herausstach. Keine ganz unwichtigen Disziplinen, nicht wahr?

Am Ende setzte es eine enthusiastische Empfehlung, mit der Anmerkung, dass der Wolverine in einer Drahtlos-Variante und rückwärtigen Paddles mein Wunschlos-Glücklich-Controller wäre. Ja, so gut ist er. Dass jetzt das Nachfolgemodell mit "Chroma"-Zusatz deutlich teurer und das Kabel nicht mehr fest verbaut war, stimmte mich auf den ersten Blick zuversichtlich, dass jemand bei Razer meinen "Wunschzettel" gelesen hatte. Sogar Paddle-Tasten am "Hintern" des Joypads waren auf den ersten Bildern zu sehen. Kam Weihnachten dieses Jahr schon früher?

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Jein, denn so sehr ich auch den v2 Chroma schätze - er wird mein neues Standard-Gerät - so wenig verkürzt er auch meinen Zettel an Änderungswünschen. Und dann ist da ja noch die liebe Konkurrenz, denn zu dem Straßenpreis von gut 150 Euro bekommt man auch ein Gerät, das noch ein bisschen mehr kann als der Wolverine. Ein tolles Gerät also, vielleicht das beste, das nicht von Microsoft kommt. Aber auch nicht der Tausendsassa, der es sein könnte. Doch der Reihe nach (und wer mag, kann zur Auffrischung noch einmal den Test des letzten Razer Wolverine lesen, auf den ich mich beziehen werde).

Was ist neu am Wolverine v2 Chroma?

Grundlegend unverändert ist die eigentliche Form des Controllers. Er schmeichelt meinen durchschnittlich großen Händen immer noch ausgenommen angenehm. Die Schultertasten und das D-Pad sind nun nicht mehr im glatten Klavier-Look gehalten. Das gefällt mir gut, denn die konnten schonmal rutschig werden und Schmutz sah man recht schnell an ihnen. Auch intern ist das Schultertastenquartett etwas anders angelegt.

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In der Praxis merkte man es nicht, mir war es im Test mit sechs unterschiedlichen Spielen ebenso wenig aufgefallen. Aber wenn man in einem Anflug von Zappeligkeit oder Ladepausenlangeweile erst die vorderen Bumper zog und dann die hinteren Schultertasten zusätzlich, konnte man merken, dass die Trigger ein wenig unschön unter die Bumper packten. Wie gesagt: Passiert in der Praxis bei den wenigsten Spielen, macht auch nichts kaputt, störte die Ingenieure bei Razer aber genug, um es diesmal anders zu machen.

Die anderen beiden vordergründigen Anpassungen sind die mittigen vier Trigger-Paddles auf der Rückseite und das Steuerkreuz, das nun in Anlehnung an den zweiten Elite-Controller auch eine Art Scheibe ist. Sie ist leicht erhöht, wie auf einem sehr kurzen Stick gelagert und eignet sich bestens für Kreisbewegungen. Das haptische Gefühl mit dem satten, aber fein definierten Klicken einer Maustaste ähnelt dem der Daumentasten und ist himmlisch. Ich hatte keinerlei Probleme, immer exakt die Richtung einzugeben, die ich wollte. Ich "kippte" auch nicht zufällig in die Diagonale. Es ist wohl Geschmackssache, ob man diese Form oder die vorige bevorzugt, die nach meinem Dafürhalten das beste Steuerkreuz am Markt war.

Die rückwärtigen Tasten machen ordentlich ihre Arbeit, allerdings bevorzuge ich eine Form, die mehr in den Griff eingelassen ist. Der Razer Raiju (PS4), der alte Wolverine vor dem Facelift und der Xbox Elite 2 haben sehr gut integrierte Buttons, für die man den Griff von Mittel- und Ringfinger um den Controller-Hals nicht lösen muss, um sie zu betätigen. Hier ist das der Fall, weil die Tasten mittig eingelassen wurden. Wenn man die Buttons braucht, hält man für den Moment der Betätigung das Pad immer ein wenig mehr mit dem Handballen. Ich kenne schlechtere Lösungen für Zusatztasten (und das dritte Paar Schultertaster ist ja auch noch da und gut bedienbar), sie fühlen sich gut an und es ist es auf jeden Fall ausgeschlossen, dass man sie zufällig bedient. Aber ich nutze sie nicht so häufig, wie ich gedacht hätte.

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Wie in der Einleitung angedeutet, ist das Kabel nun abnehmbar, immer noch gut drei Meter lang und endlich textilummantelt. Das ist gut. Der Stolperschutz flog unterdessen aus dem Konzept. Das ist weniger gut, aber auch nicht wahnsinnig schlimm. Gleichzeitig bedeutet die trennbare Strippe nicht, dass wir es hier mit einem optional drahtlosen Controller zu tun hätten und das ist wohl die eine größere Enttäuschung am Wolverine v2 Chroma. Nicht, dass ich mich nicht mit Kabel-Controllern arrangieren könnte - der letzte Wolverine war dieses Jahr mein liebster Steuerknochen und ständiger Begleiter -, aber für eine UVP von 159,99 Euro - den letzten Wolverine gibt es mittlerweile für unter 90 Euro - darf es schon mal Wireless sein. Siehe Microsofts zweiten Elite Controller, der sogar noch mit einer praktischen Transporttasche mit Ladefunktion daherkommt.

Von dem hat man sich immerhin die austauschbaren Kappen für die Analogsticks abgeschaut. Eine längere Konvexe hat man dazu gelegt, die für feinere Zielbewegungen des rechten Sticks in Shootern oder für die feinfühligere Steuerung von Fahrzeugen mit dem linken Analogstick bestens geeignet ist. Eine konkave Kappe mit normaler Länge erinnert an den PS2-Controller und ermöglicht prinzipiell saubereres Abrollen über den Daumen. Für mich ein eher theoretischer Vorteil. Die Kappen werden magnetisch gehalten und sind nur ein, zwei Mal beim Herausziehen aus dem Rucksack abgefallen: Wiederum: Mit Etui oder zumindest einem Beutel wäre das nicht passiert.

Alle Einstellungen abseits der mechanischen Trigger-Stopps für kürzere Wege der hinteren Schultertasten regelt die Software. Es ist nicht möglich, wie (wieder einmal) beim Xbox Elite 2 den Widerstand der Sticks einzustellen. Das war schon beim Vorgänger so und ich hatte auch nicht das Bedürfnis dazu, denn sie sind im Grunde perfekt und gleiten wunderbar reibungslos am glatten Innenring entlang. Keine Beanstandungen hier. Nur eine Notiz, damit Leute, die so etwas brauchen, zum Preis von 159 Euro nicht das falsche Gerät mitnehmen.

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Ach, und natürlich gibt es noch Chroma RGB-Beleuchtung anstelle des grünen Streifens des letzten Wolverines. Wer es mag, wird glücklich. Ich persönlich bin da konsequent und stelle so etwas grundsätzlich ab. Licht aus meinem peripheren Blickfeld irritiert mich beim Spielen nur - und spiegelt sich im Fernseher. All das stellt man wie gehabt über die Razer Controller Software ein, die sehr komfortabel zu bedienen ist. Am PC hätte ich mir allerdings gewünscht, auch Tastatur-Shortcuts auf diese Buttons legen zu können. Stattdessen stehen nur ein paar Sonderfunktionen (Sensitivitätsbremse zum Beispiel) und die Umbelegung der Standard-Xbox-Buttons auf die sechs zusätzlichen Tasten zur Verfügung.

Das klingt jetzt vielleicht ein wenig viel Genörgel, was schade ist, denn im Spiel an sich ist der Wolverine v2 Chroma ein Traum. Liegt aber auch daran, dass mich der Vorgänger bereits sehr verwöhnte und ich für den Nachfolger nicht weniger als die Referenz erwartet hatte. Ist das euer erster Wolverine, macht euch auf etwas gefasst: Die Tasten haben dasselbe unwiderstehlich satte, feine Klicken, das es schon im letzten Wolverine zu einem Genuss machte, hier drauf rumzuhämmern. Eine perfekte Symbiose aus befriedigend-quetschigem Hub und unmittelbar anschlagender Präzision, nach der sich jeder Standard-Controller einfach billig anfühlt.

Ich mag außerdem einmal mehr, dass die Kopfhörerbuchse am PC genauso selbstverständlich Plug-and-play ist wie am PC, wo andere Controller es oft verlangen, dass man separat den Controller als Lautsprecher anwählt. Die getrennte Zudem ist der Wolverine v2 Chroma sehr robust, dank angenehmer Gummierung der Hörner absolut rutschfest und auch sonst einfach ein sehr solides, vertrauenerweckendes Gerät.

Razer Wolverine v2 Chroma Controller Test - Fazit

Razer hat einen fantastischen und wunderbar ergonomischen Controller gebaut, der im Vergleich zur letzten Version eine Steigerung darstellt, auch wenn er zu seinem Startpreis zugegebenermaßen Probleme hat, klar über den Elite 2 von Microsoft zu triumphieren. Der mag nicht dieselben anbetungswürdigen Buttons mitbringen (und tatsächlich bekommt man schon mal einen, der technisch nicht ganz astrein funktioniert), ist aber in Sachen Ausstattung etwas kompletter und damit für 150 Euro vermutlich der bessere Deal.

Wer für ein exzellentes Steuerkreuz und die besten Tasten im Business gerne ein Kabel in Kauf nimmt und nicht viel mit dem Gerät unterwegs ist, dürfte mit dem Wolverine sehr zufrieden sein und sollte jetzt schon mal einen Blick riskieren. Alle anderen warten, bis sich der Preis unweigerlich ein wenig zurecht geschaukelt hat oder schlagen beim Vorgänger zu, so sie denn auf die zusätzlichen Tasten verzichten wollen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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