Resident Evil 5

In der Wüste lauert das Grauen

Ich sehe eine dunkle Gasse voller Abfall und Schrott. Alles ist still. Ich höre kein Geräusch, keine Vögel, keine Menschen. Nichts. Einzelne Sonnenstrahlen erhellen die schummrigen Ecken. Ohne Vorwarnung läuft ein Mann von links ins Bild. Er läuft vorsichtig vor mir her, hält eine Kanone in beiden Händen und schaut vorsichtig um die nächste Ecke. Ich sehe ihn nur von hinten, aber das Licht der Sonne streift ihn ab und zu und zeigt mir einen brünetten, gut gebauten Mann in Survival-Klamotten. Jetzt fühle ich mich doch gleich ein wenig sicherer.

Immer weiter geht es diesen vermüllten und staubigen Weg an Blechtonnen und Autowracks vorbei. Wachsam schreitet der mysteriöse Fremde den Gang entlang und ich folge ihm unauffällig. Es scheint sich um eine ziemlich heiße Region zu handeln. Der Boden ist sandig und der Protagonist relativ leicht bekleidet. Alles wirkt irgendwie apokalyptisch.

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Hallo Olaf, Dieter, Jan, Jörg, Sascha und Matthias. Lange nicht gesehen.

Aus dem Nichts gleitet plötzlich hinter dem Rücken des Mannes und direkt vor meinen Augen eine Feder durch die Luft. Ich warte darauf, dass die bedrohlich ruhige Atmosphäre jede Sekunde explodiert und das Chaos ausbricht. Ich halte meine Finger am Lautstärkeregler, um gegebenenfalls den Sound zu regulieren. Gleich erreicht die Feder den Boden...blitzschnell dreht sich der knackige Typ um und im gleichen Moment erhebt sich ein Vogelschwarm dermaßen laut gen Himmel, dass ich fast einen Herzinfarkt bekomme. Ok, kurz durchatmen. Nichts ist passiert, die netten Vögel fliegen fort. Doch da ist er. Der Moment, auf den ich schon gewartet habe. Der Bildschirm wird immer heller und aus dieser Lichtflut bewegen sich dunkle Gestalten auf mich zu. Ich erkenne sie sofort. Das sind nicht die netten Nachbarn von nebenan. Die haben schon einiges mitgemacht und sehen alles andere als freundlich aus. Jetzt wird es hektisch. Ich sehe, wie durch enge Gassen gerannt wird und eine Gruppe Untoter von hinten auf unseren „John Doe“ zuströmt. Blitzschnell dreht sich dieser mit gezogener Waffe um und...Vorbei!

Wie jetzt? Das ist alles? Ich war doch noch gar nicht richtig fertig. Kommt nur, ihr Zombies, ich bin bereit.....verdammt....

Nachdem sich mein Adrenalin-Spiegel wieder etwas gesenkt hat, muss ich einsehen, dass das wohl erstmal alles zu Capcom’s neuem Survival-Horror-Shooter Resident Evil 5 ist...

...das heißt, Moment. Jemand wie ich gibt seine Mission doch nicht so einfach auf. Und siehe da, bei genauerer Recherche kommen wirklich einige interessante Dinge ans Tageslicht.

Wann ist ein Zombie tot?

Ohne wenn und aber ist Resident Evil eine ungeheuer wichtige Marke für Capcom. Und das die Spieleschmiede bei ihrem Parade-Pferd alles bis ins Kleinste plant und keine Fehler machen will, zeigt sich schon bei der Crew, die sich um den fünften Teil tummelt. Jun Takeuchi, der bereits für Resident Evil 2 als Motion Designer werkelte und Onimusha 3 sowie Lost Planet produzierte, übernimmt die Aufgaben von Hiroyuki Kobayashi - seines Zeichens Producer. Eine große Bürde, wenn man bedenkt, dass Koboyashi bereits an fünf erfolgreichen Resident Evil-Versionen beteiligt war. Unterstütz wird Takeuchi von den kreativen Köpfen, die schon bei der Entwicklung des ersten Resident Evil mitwirkten.

Aber WIE geht die Geschichte weiter? WO findet die Gruftie-Jagd statt? Und WER wird sich diesmal der gefräßigen Horde stellen? Fragen über Fragen, die wir hier alle schön der Reihe nach abarbeiten wollen.

Es war einmal ein T-Virus...

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Der Namenlose zeigt sich sichtlich unbeeindruckt von der Armee der Untoten.

Betrachtet man die Geschichte einmal etwas näher, ist Resident Evil schon schwerer Tobak. Viele kleine Storylines ziehen sich durch den packenden Verlauf, die doch alle irgendwie etwas miteinander zu tun haben. Und um das dicke Fass voll von Zombies und einem zwielichtigen Konzern noch mehr zu füllen, erzählt der fünfte Teil nun den eigentlichen Plot von Resident Evil 1 weiter. Bezüglich der Hintergründe ist also eine gewisse Vorkenntnis von Nöten. Für Hardcore-Fans stellt das natürlich kein Problem dar, kennen sie ihr Horror-Universum bis in das letzte Detail. Neueinsteiger hingegen, die sich vielleicht erst jetzt mit diesem Titel an die Serie ran wagen, könnten einige Schwierigkeiten beim Verständnis bekommen. Eine kurze Rückblende zu den vergangenen Ereignissen wäre später im Spiel daher bestimmt nicht verkehrt. Die Tatsache, dass man ganz an den Ursprung zurückgeht, wirft allerdings folgende Frage auf: Mit wem bestreitet man das neue Abenteuer? Wessen Geschichte könnte sich hier sinnvoll eingliedern und vor allem - wer hat die Sache überhaupt so lange überlebt? Klare Antwort: Chris Redfield. Ein fehlendes Dementi seitens der Entwickler untermauert die Vermutung.

Für alle, denen der Name nichts sagt - Chris war ein Mitglied des S.T.A.R.S Alpha Teams. Zusammen mit Jill Valentine, Albert Wesker und Barry Burton wurde er im ersten Teil zu einem mysteriösen Anwesen im Racoon Forest geschickt, um das verschollene Bravo Team ausfindig zu machen. In Resident Evil 2 verschwindet Redfield nach einem Einsatz spurlos und seine Schwester Claire Redfield macht sich nach Raccoon City auf, um dort nach ihrem Bruder zu suchen. Diese Suche zieht sich auch durch Resident Evil - Code: Veronica (X). Wie Takeuchi in einem Interview verlauten lies, könnte er sich vorstellen, mit dem fünften Teil einen Deckel auf die Geschichte zu machen. Redfield’s Storyline, die seit dem ersten Teil besteht, ist somit prädestiniert, um den gewaltigen Handlungsbogen abzuschließen.

Schläft man als Zombie im Stehen?

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Bei diesen Aussichten kann man sich auf ein optisches Spektakel freuen.

Schauplatz der virtuellen Zombie-Hatz ist diesmal eine Wüsten-Stadt. Nach eigener Angabe lässt sich Takeuchi für das neue Szenario vom Kriegsdrama „Black Hawk Down“ inspirieren. Ob ein Resident Evil das überhaupt nötig hat und dadurch nicht seine Einzigartigkeit flöten geht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Die Inspiration bezieht sich vor allem auf die Verfolgungsjagden und die klaustrophobischen Momente in den dicht gesäumten Häuserschluchten. Wie so oft, rennt man also erneut durch enge Straßen und muss fürchten, dass hinter jeder Ecke eine zerfledderte Kreatur lauert. Dicker Unterschied: Die Gassen sind zum Teil mit Sonnenstrahlen durchflutet. Resident Evil 5 zeigt hier sehr gut, dass es sich nicht nur mit düsteren Gefilden oder verkommenen Bauwerken stimmungsvoll in Szene setzen kann. Woher die Idee mit der Location stammt, lässt sich augenscheinlich auf den im September anlaufenden Kinofilm „Resident Evil: Extinction“ zurückführen. Dort verschlägt es nämlich sämtliche Überlebende nach Nevada, wo sie auch an Las Vegas vorbei kommen. Nur sieht die glanzvolle Stadt nicht mehr so prunkvoll aus. Vielmehr ist alles im Sand versunken und die Umgebung gleicht einer Geisterstadt des Wilden Westens. Diese Einflüsse findet man auch deutlich im fünften Teil der Survival-Horror-Reihe wieder.

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Die engen Gassen bieten genug Varianten für Licht- und Schatten-Spiele.

Wie soeben erwähnt, geht es diesmal wesentlich heller auf dem Bildschirm zu. Die Fleischfresser kommen mal etwas an die Sonne und müssen ihr Dasein nicht mehr ausschließlich in dunklen Kellern oder schlecht beleuchteten Nebenstraßen fristen. Durch die Licht- und Schatten-Situationen soll ein effektvolles Szenario geschaffen werden, das dem Zuschauer die Spannung noch näher bringt. Soll heißen: Es ist helllichter Tag, aber dennoch sieht man die Gefahr nicht und wenn, dann nur in dunklen Schatten, die hinter dem Protagonisten empor steigen. Hier setzt Takeuchi auf die Fähigkeiten der PS 3 und Xbox 360, um eine intensivere Atmosphäre zu erzeugen. Überdies sollen die Licht-Areale Resident Evil 5 gegenüber den Vorgängern andersartig machen. Man darf gespannt sein. Auffallend unauffällig aber sehr effektiv, ist zudem der erneute Einsatz der „Over-The-Shoulder“-Kamera. Die gleiche Kameraeinstellung wurde schon beim vierten Teil verwendet und sorgte dort für positives Feedback von allen Seiten. Hinsichtlich des Gameplays erinnert Resident Evil 5 bislang an Resident Evil 4. Vor allem ist die realistische Physik wieder ein Schwerpunkt, der das Spiel prägt.

Tja, wie es aussieht, kann man sich auf einen spektakulären (letzten??) Teil der Resident Evil-Reihe freuen. Auch wenn es wohl noch gut über ein Jahr dauern wird, bis ich mich wieder mit der Umbrella Corporation anlegen kann, so bin ich nun schon guter Dinge. Anscheinend geht man mit Resident Evil 5 „back to the basics“. Technisch zeichnet sich eine Orientierung an RE 4 ab und thematisch wird der erste Teil weitererzählt beziehungsweise aufgeklärt. In sofern schließe ich mit dem Satz ab, den ich auch am Anfang verwendet habe. Kommt nur ihr Zombies, jetzt bin ich wirklich bereit!!!

Für Resident Evil 5 ist bislang noch kein Releasetermin in Europa bekannt. Der Horror-Trip soll für PlayStation 3 und Xbox 360 erscheinen.

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Nicole Lange

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