Summer Athletics 2009

Berlin, wir laufen nach Berlin!

Eine gute Steuerung ist bei einem Sportspiel unglaublich wichtig. Eine gute Steuerung ist bei einem Wii-Titel extrem wichtig. Und bei einem Randgruppen-Event-Titel wie Summer Athletics 2009 auf der Wii ist eine gute Steuerung extrem und unglaublich wichtig. Machen wir es also kurz, Fehlstart, zurück in die Kabine, duschen und dann geht jeder nach Hause. Oder – seufz –, lasst uns einen langen Blick darauf werfen.

Dabei ist es doch so einfach. Bei der Wii hat man einen Controller in der Hand, der theoretisch alles Mögliche registriert. Auch natürliche Bewegungsabläufe wie Bowling oder Frisbee. Nintendo hat das vorgemacht und jeder, der mal die Wii Sports-Titel anfasste, kapiert sofort und ohne fremde Hilfe, wie es geht. Das ist das ganze Geheimnis des Erfolges. Das einzig halbwegs Tröstende vom Standpunkt der Party-, Familien- und generellen Gruppentauglichkeit jenseits der Hardcore-Decathlon-Fraktion ist bei Summer Athletics 2009, dass die überkomplizierten Kontrollen, die teilweise auf drei Bildschirmen durch Text erläutert werden, jederzeit eingeblendet werden können.

Wie ernst die Lage ist, lässt sich leicht am Speerwerfen und Dreisprung belegen. Drückt und haltet B, die Mote haltet ihr wie einen Speer, wobei das vordere Ende nach hinten zeigt. Schüttelt sie auf und ab. Hebt oder senkt danach im richtigen Moment die Mote, um den Winkel zu bestimmen, während ihr auf die blaue Anzeige achtet, die zeigt, wie viel Zeit dafür noch bleibt. Zum Wurf lasst ihr B los. Wartet ihr zu lange und lasst die Taste zu spät los, übertretet ihr.

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Shooter? Ja. Suchtgefahr? Meh....

Der Sprung ist sogar noch komplexer. Bewegt Chuck und Mote abwechselnd auf und ab, wobei ihr langsam startet und dann schneller werdet. Nach dem Anlaufen erscheinen drei Markierungen. Bei der ersten hebt ihr den Chuck, aber erst, wenn die gelbe Markierung die ersten beiden erreicht. An der dritten Markierung reißt ihr die Mote hoch. Jetzt richtet schnell die Mote auf den Bildschirm und dreht sie um die eigene Achse, um die Sprungpräzision zu steuern. Und nein, wenn man es spielt, wird es auch nicht sofort klar. Und wer die komplette Verwirrung sucht, kann mit dem hier kaum Spaß bringenden, schlecht austarierten Balance Board experimentieren.

Mit anderen Worten, vergesst Summer Athletic 2009 als Partygame komplett. Keine Chance. Kein Casual-Gast wird sich damit ernsthaft auseinandersetzen wollen. Das Warum der Ignoranz der Intuitivität gegenüber klärte sich beim Einlegen der Xbox 360–Variante. Alle Bewegungsabläufe sind gleich, nur dass ihr den Daumen statt das Handgelenkt benutzt. Beim Rennen wird die Mote gewackelt, hier der Stick. Beim Werfen dreht ihr den Stick, auf der Wii lasst ihr das Handgelenk kreisen. Die auf der Wii übertrieben hohe Zahl an Knopf-Aktionen macht hier Sinn, offensichtlich entwickelte man zuerst für die traditionellen Eingabevarianten und portierte dann sehr halbherzig auf Nintendos Konsole. Aber selbst wenn ihr die potenziell sinnvolle Käuferschicht auf die virtuellen Hardcore-Sportler einschränkt, bleibt noch ein ernstes Problem, mit dem Summer Athletics 2009 zu kämpfen hat: Es ist praktisch identisch zu seinem Vorgänger.

Das Stadion sieht ein wenig mehr nach Moderne aus, ein paar Farben sind anders, der optische Eindruck ein wenig runder und insgesamt sogar wirklich ganz nett. Die Zuschauer winken immer noch hässlich unisono, aber da guckt man ja nicht ständig hin. Nur war es das wirklich? Beim Durchgucken der knapp 30 Disziplinen, aufgeteilt auf 7 Events – Laufen, Springen, Werfen, Schwimmen, Turmsprung, Fahrrad und Schießen –, fällt eigentlich nur das Tontaubenschießen als neu auf und es reiht sich auch eher an das Ende des gebotenen Spielspaßes ein.

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Hoch den Hintern. Das kennt man noch vom Sportunterricht. War auch da schon nicht so dolle.

Als nette Dreingabe kann der Berlin-Eventmodus, passend zu aktuellen Leichtathletikereignissen, gesehen werden. Die WM ist der Standard. Die Karriere sinnlos, da der hier aufgebaute Sportler nirgendwo anders als in diesem Modus genutzt werden kann. Man kann ihn also nicht Online benutzen, um Rekorde zu… wo ist der Online Modus? Es gibt keinen. Auf der Wii ein bekanntes Phänomen, aber auf der Xbox sollte zumindest ein Scoreboard nicht zu viel verlangt sein. Aber nein, was in Summer Athletics 2009 passiert, bleibt auch in Summer Athletics 2009. Niemand außerhalb eures Zimmers wird darüber reden.

Um fair zu bleiben, die meisten Disziplinen machen für ein Weilchen ganz ordentlich Spaß, auch wenn sich die vorgegebenen Rekorde ein wenig zu leicht brechen lassen. Das Schwimmen fordert, da ihr die Sticks asynchron rotieren müsst, andere Events verlangen schnelle Wechsel zwischen Decathlon-Chaos-Wackeln und präzisen Aktionen im perfekten Timing. Es reizt für sehr kurze Zeit, dieses Timing einzustudieren, neue Rekorde aufzustellen und an der perfekten Zeit oder Wurfweite zu feilen.

Summer Athletics 2009 ist kein wirklich schlechtes Sportspiel, dafür aber ein komplett überflüssiges. Eine neue Disziplin und ein leicht aufgehübschter Charme machen die Abwesenheit des Online-Modus nicht vergessen, vor allem aber trösten sie kaum die Käufer des praktisch identischen Vorgängers. So viel Faulheit sollte nicht belohnt werden, auch wenn sich das Endergebnis gerade so noch in die knappe Durchschnittlichkeit retten kann. Sollten große Sportevents mitreißen, dann dürfte Summer Athletics 2009 wohl kaum mehr als eine Aufwärmrunde im Regen sein.

4 /10

Auf dem PC ist Summer Athletics 2009 auch erhältlich. Getestet haben wir die Xbox 360 und Wii Versionen, die ebenfalls ab sofort im Laden stehen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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