80 Euro pro PS5-Spiel? Wo bitte ist Sonys Game Pass?

Das Zeitalter der Flatrates muss endlich anbrechen.

Eine der vielen guten Nachrichten gestern - die PS5 ist billiger als ein iPhone, Demon's Souls kommt nicht irgendwann und Final Fantasy bleibt sich treu, indem es aus einer einfachen Story ein unverständliches Chaos produziert - war, dass ihr mit PlayStation Plus alle PS4-Spiele auf der PS5 nachholen könnt. Nun, wohl nicht alle. Aber einige. Die guten. Einige von denen. Welche, werden wir sehen. Ist auf jeden Fall nett.

Die schlechte Nachricht für Sony ist, dass dies nur ein kleiner Teil der Zukunft ist, an der der Game Pass der Konkurrenz schon fröhlich arbeitet. Ich will jetzt nicht auf einen Fanboy-Krieg hinaus oder darauf, dass eine Seite besser wäre als die andere. Aber nur eine Plattform hat bisher das, wohin es in Zukunft gehen wird: Die Gaming-Flatrate.

Man kann jetzt immer mit den Enthusiasten argumentieren und darunter sind hier genug, das ist mir klar. Die echten Fans wollen ein physisches Medium, sie geben das Geld für die Spiele aus, sie tragen das alles. Nur... nein, das stimmt eben nicht mehr. Wenn das so wäre, dann würden die letzten Spieleläden in der Stadt nicht immer ramschiger und weniger werden - oder sich auf eine High-End-Retro-Kundschaft einrichten -, die Gaming-Flächen in den Elekromärkten würden nicht jedes Jahr schrumpfen und die physische Auswahl bei Amazon wäre dauerhaft besser. All diese Entwicklungen sind nicht neu, wir haben sie in der Musik gesehen, danach im Filmbereich und jetzt sind wir endgültig bei den Spielen angekommen.

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Die initiale Investition passt, jetzt muss Sony noch an meinen laufenden Kosten schrauben.

Es fehlt nur noch der letzte Schritt und das ist das Netflix oder Spotify des Gamings. Es muss nicht mal das eine sein, da ist mehr Platz wie man an diversen Musik- und Film-Flats sehen kann. Wenn man seine eigene Nische mit großen Exklusiven füllen kann und das wäre die Stärke von Sony. Das war die Ankündigung, auf die ich gestern gehofft habe. 15 Euro für PS-Flat, ihr habt alle Sony-Exklusiven drin plus ausgesuchte weitere Titel. Das Ganze hätte dann auch einen kleinen Vorteil im Vergleich zum Game Pass: Sony hat Exklusive, die die Leute spielen wollen. (Flüstern von der Seite... Ich: "Was? Halo? Gears?" Weiteres Flüstern, Ich: wieder "Echt, die gibt es immer noch? Und Leute spielen das?" Nicken von der Seite. "Okay, fein.") Ergänzung also: Zumindest in größerer Zahl als das bei Exoten wie Flight Sim oder dem üblichen Shooter-Reigen der Fall ist.

Die Xbox Series S ist eigentlich die perfekte Mainstream-Lösung, zumindest aktuell. Man kann vernünftig drauf zocken und Film-Flats gucken, mit dem Game-Pass hat man FIFA und mehr als genug Zeugs für den Rest der Zeit. Das kommt dem Netflix des Gamings schon ziemlich nah. Aber wenn Sony so etwas starten würde... Ja, in den USA ist die Xbox immer noch eine große Sache. Hierzulande ist sie zumindest nicht unbekannt, aber in Japan und dem Rest von Asien muss man glauben, dass Microsoft Gaming mit dem Ende der 360 aufhörte zu existieren. PlayStation dagegen ist weltweit das Synonym für Gaming. Die PlayStation-Flat hätte so viel mehr Kraft hinter dem Namen, zumal man ja jetzt schon in Richtung PC schielt, um die Marke PlayStation zu erweitern.

Aber: Ja, es ist richtig, dass Spotify nicht der erste Streaming-Service für Musik war und Netflix nicht der erste für Filme. Aber sie waren sehr früh schon dabei und die ersten, die es ernst nahmen, so wie Microsoft es jetzt mit dem Game Pass tut. Und diese Mischung hat sie bis heute an der Spitze gehalten, auch wenn der Kampf härter wird. Aktuell würde ich meinen Kindern ganz klar eine Xbox kaufen, mir egal, was sie sonst wollen. Sie kriegen die Konsole, monatlich kalkuliere ich 15 Euro für den Game Pass ein und hinter Gaming kann ich mit wenigen Ausnahmen einen Haken setzen. Ich glaube, dass diese Flatrate im Mainstream-Gaming die Zukunft sein wird. Auch für Indies, ob sie es wollen oder nicht. War es vor kurzem noch Download-Käufe und Collector's Editions als die überlebenden Formate, denke ich langsam, dass die Flatrate einer Plattform fast so wichtig sein kann, wie es Exklusiv-Titel einmal waren. Sicher, dort kriege ich Uncharted und Last of Us, das ist cool. Aber ich muss sie kaufen - bald 80-Euro-teuer - und hab dann keine Flat... Nein, da bleibe ich doch lieber bei der Flat-Version der anderen Konsole. Wie gesagt, das sind nicht wir, das sind nicht die Enthusiasten. Aber es werden in Zukunft nicht so wenige sein, die das so sehen werden.

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Game Pass: Das größte Problem ist, dass ich nie weiß, wo ich anfangen soll. Aber das Problem teilt er mit Netflix.

Bedenkt man dabei Microsofts finanzielle und Markt-Macht und Sonys scheinbare Unwilligkeit, eine echte Flat mit neuen Games einzuführen, dann kann dem Game Pass nur einer im Weg stehen: Microsoft selbst. Dieser Konzern hatte in der Vergangenheit so viele im Prinzip gute Produkte - für ihre Zeit -, die dann innerhalb kürzester Zeit scheinbar einfach wieder vergessen waren. Als iPods eine große Sache waren, hatten sie den Zune. Vom bescheuerten Namen abgesehen war das ein guter Player. Verschwand innerhalb weniger Jahre, gefühlt Monate. Es gab mal ein Windows Phone mit einem richtig netten Betriebssystem. Marketing war ein Schuss in den Sand, Entwicklersupport und -anreiz war seitens MS wohl nicht so vorhanden, ging kläglich unter, obwohl es technisch super war. Die Surface-Laptops tauchen immer wieder mal auf und verschwinden so schnell wie sie kamen - wobei der Fairness halber, die neue Generation scheint sich im High-End-Markt ganz gut zu halten. Ich sage nicht, dass es dem Game Pass aktuell so ergeht und man scheint sich wirklich Mühe zu geben, dass er ein Erfolg wird und bleibt, aber hey, Historie hält halt ein paar Beispiele bereit.

Auf der anderen Seite hilft es Sony nicht, dass sie ihre Exklusiv-Spiele auf 80 Euro hochschrauben. Auf der einen Plattform kaufe ich sehr schöne Spiele für viel Geld - nun, technisch gesehen kaufe ich ein Nutzungsrecht -, auf der anderen Seite habe ich für kleines Geld - zwei Spiele kosten zusammen mehr als ein Jahr Game Pass - eine große Auswahl an aktuellen Titeln. Ich wollte gestern mal mit Crusader Kings 3 anfangen, ich habe einen Game Pass, also: runterladen, spielen, fertig. Und genau so muss das in Zukunft laufen. Wenn ich von einem Album höre, dann denke ich nicht lange nach, ich mache Spotify an und höre rein. Das will ich auch für Spiele haben, das muss und wird die Zukunft sein.

Sony ließ gestern leider eine weitere Chance verstreichen seine eigene Zukunft mit Verve in diese Richtung zu steuern und beließ es bei einem kleinen Trippelschrittchen.

=> Wenn ihr eine PlayStation 5 vorbestellen wollt: So geht es.

Xbox Game Pass: Die 15 besten Spiele für den PC

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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