Skip to main content

BattleBit Remastered – Verdammt, ihr hattet Recht: Von dem hier kann Battlefield was lernen!

Wer braucht schon Grafik?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal über ein Spiel sagen würde, das im Hauptmenü keinen einzigen Ton von sich gibt, dessen Tutorial noch nicht mal richtig funktioniert und das zu allem Überfluss so aussieht, als hätte jemand Playmobil-Figuren in den Krieg geschickt: BattleBit Remastered gehört zum Besten, dass dem Multiplayer-Shooter gerade passieren konnte! Besonders in Anbetracht der großen Verdrossenheit, die sich bei Battlefield-Fans spätestens mit Battlefield 2042 breit gemacht hat, weht BattleBit wie ein frischer Wind durch diese Art Online-Action.

Und gemacht haben es gerade mal drei Leute. Drei! Dabei ist hier alles dran: ausufernde Gefechte mit bis zu 254 Spielern, die sich auf dem Land, in der Luft und auf dem Wasser austoben, und dabei Stück für Stück ganze Gebäude zerstören. Klar fallen die Häuser stets in riesigen Blöcken auseinander, von denen die meisten einfach verschwinden. Auch an die Soldatchen mit ihren angemalten Gesichtsscheiben musste ich mich erst mal gewöhnen. Aber um Himmels Willen, haltet euch bloß nicht nur deshalb davon fern!

Man hat übrigens die Wahl, ob man auf Servern mit 254, 128 oder 64 Teilnehmern spielen will. Einen Server-Browser gibt es ebenfalls.

Nach etwa zwei Partien spielt das nämlich keine Rolle mehr. Da rückt man dann gemeinsam mit seinem Team von Deckung zu Deckung vor und lugt vorsichtig hinter der Wand hervor, während von anderswo schon die Rauchgranaten in Richtung Ziel fliegen. Im Sprachchat hört man dabei alle reden, die sich in unmittelbarer Nähe befinden – woran zwar längst nicht alle teilnehmen, was aber oft genug dafür sorgt, dass man einem Verwundeten aufhilft, den man sonst vielleicht übersehen hätte. Und selbstverständlich tauscht man darüber oft genug auch einfach Blödsinn aus.

Heute Morgen war es dann so, dass wir etwa zu zehnt in einem Heli auf den Start der Partie gewartet haben, während der Pilot irgendwelche Rockmusik spielte, sodass wir das eben alle hören konnten. Weil wir auf Seite der Russen gekämpft haben (es sind generische Russen und Amerikaner, die sich hier in einem fiktiven Szenario bekriegen), meinte daher jemand, er solle mal was Passendes einlegen. Also sind wir einige Sekunden später mit der vollen Dröhnung Nas Ne Dagoniat und heiß laufendem MG-Feuer zum ersten Kontrollpunkt geflogen, wo wir uns einzeln abgeseilt und in den Kampf gestürzt haben.

Auf dem Land ist es ja nicht weniger aufregend. Gut, fehlt im Hauptmenü schon jeder Sound, ist der Ton auch mitten im Schlachtgetümmel eher meditativ. Das kann gerne noch besser werden. Umso spannender ist dafür das Geschehen. Zum einen sind die Karten so gestaltet, dass man auch im offenen Feld immer Deckung findet und viele wichtige Punkte ohnehin in beziehungsweise um Gebäude mit mehreren Stockwerken sowie etlichen Fenstern und Türen stattfinden. Zum anderen ist BattleBit eine Idee taktischer veranlagt als sein Beinahe-Namensvetter.

t.A.T.u. und MG-Feuer. So sah das aus. Überhaupt sind übrigens erstaunlich viele angenehme Mitspieler dabei. Anstrengende Kameraden oder gar giftige Nervensägen sind mir bisher jedenfalls nicht untergekommen - eher ganz im Gegenteil.

Man sollte deshalb mit etwas mehr Bedacht vorgehen, kann sich immerhin zur Seite lehnen, um möglichst vorsichtig hinter einer Deckung hervorzuschauen, und beim Nachladen wechselt man hier ganze Magazine, anstatt das vorhandene magisch aufzufüllen. Klasse! Zumal man stets die Wahl hat, ob man das alte mit der verbleibenden Munition zurück in den Gürtel steckt oder ob man es fallenzulässt, um schneller ein neues einzusetzen. Fallengelassene Magazine könnte man ja jederzeit wiederaufheben – sowohl die eigenen als auch die der Mitstreiter.


BattleBit Remastered ist im Early Access auf Steam erhältlich und kostet dort knapp 15. Euro. Für knapp 20 Euro erhält man außerdem ein paar Skins für Waffen und Ausrüstungsteile.
  • Steam

  • Irgendwann habe ich schließlich den Vorzug eines guten Seils kennengelernt, als ich einem Kameraden über einen tiefen Abgrund hinterher gesprungen bin, um auf der anderen Seite an einem Seil zu landen und mich daran hochzuziehen. Ach, und wer einem Kumpel aufhilft, der auf offener Straße oder auf einer Hügelkuppe liegt, ist selbst schuld. Solche Verwundete sollte man lieber erst in Deckung ziehen, bevor man ihnen aufhilft und sie als Sani anschließend vollständig heilt. Es hat was, mehrere Kameraden auf die Art erst mal in Sicherheit zu ziehen und sich dann um sie zu kümmern. Überhaupt ist das Movement erstaunlich gut, da es nicht nur das erwähnte Lehnen unterstützt, sondern auch das schnelle Überqueren von Hindernissen, ohne dass dafür freilich aufwändige Animationen abgespielt werden.

    Wie viele Patronen sich noch im Magazin befinden, findet man heraus, indem man genau mitzählt oder das Magazin inspiziert. Es steckt eine gute Menge Insurgency: Sandstorm in BattleBit Remastered.

    Auf jeden Fall habe ich in meiner kurzen Zeit mit dem Spiel schon jetzt mehr packende Grabenkämpfe erlebt als zuletzt in Battlefield. Der Punkt ist: BattleBit Remastered ist weniger ausufernd. Obwohl auch hier mehrere Kontrollpunkte auf jeder Karte verteilt sind, fühlen sich die Einsatzgebiete weniger nach Tageswanderung an, während der man früher oder später sowieso aus dem Leben gesnipt wird. Das Geschehen ist kompakter, fokussierter und die Grabenkämpfe dadurch um einiges intensiver. So empfinde ich das jedenfalls.

    Wie gesagt: Hinzu kommen Gebäude, in deren Mauern man mit entsprechend großen Kalibern riesige Löcher reißt, bevor sie irgendwann sogar zusammenfallen. Man kann provisorische Deckungen errichten und über Abschüsse levelt man zudem die dafür benutzte Waffe auf, um nach und nach verschiedene Aufsätze freizuschalten. Das Spiel unterstützt von sich aus außerdem das Verwalten von Clans. Nicht zuletzt darf man jede Karte sogar bewerten und an mehreren Stichpunkten Kreuze machen. So fragen die Entwickler zum Beispiel nach jeder Partie, ob die Spawnpunkte unfair belagert werden können, die Orientierung schwerfällt, die Fahrzeuge übermächtig sind, es zu wenig Deckung gibt und einiges mehr. Kann man ignorieren. Dürfte aber natürlich helfen, den Spielfluss zu verbessern.

    Für Scharfschützen sind manche Stellungen natürlich auch ein Fest. Allerdings sind ihre Gegner meist nicht allzu lange im offenen Gelände unterwegs.

    Nun glaube ich schon, dass man ein wenig aufpassen muss, BattleBit Remastered nicht größer zu machen als es ist. Immerhin handelt es sich unterm Strich um einen besonders in technischer Hinsicht sehr überschaubaren Shooter, bei dem man als Verwundeter schon mal durch eine Wand fällt, wo das Ragdoll ohnehin zu abenteuerlichen Verrenkungen führt und dessen blockweise Zerstörung man jedem Battlefield als lächerlich ankreiden würde. Was das Entwickler-Trio aber so verblüffend gut hinbekommt, das ist der Kern, also wie sich die Action anfühlt, und wie gut alle Elemente des Schlachtfeld-Szenarios zueinander passen. Noch ist BattleBit ja gerade erst in den Early Access gestartet. Aber schon in dieser Verfassung ist es ein inhaltlich angenehm umfangreicher sowie spielerisch erstaunlich ausgereifter Shooter, dem unterm Strich vor allem eins gelingt: Er macht auf seine unkomplizierte Art einfach jede Menge Spaß!

Schon gelesen?