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Chivalry 2 im Game Pass? Schnappt euch einen Fisch, schwingt euch aufs Pferd und schreit aus voller Kehle!

Gnaaaaaaaaaaaaaaaaaarh-ggglll-bbhmmm!!!!

Erst gestern waren wir wieder auf diesen blutgetränkten Schlachtfeldern unterwegs. Ich wollte sehen, was Chivalry 2 ein Jahr nach seinem Erscheinen und an Tag Null seiner Veröffentlichung im Game Pass so auf dem Kasten hat. Und es ist immer noch so, bei jedem einzelnen Respawn: In Intervalle gestaffelt, damit es stets viele sind, werden die Toten im vollen Lauf zurück ins Spiel geschubst und wer die Kommunikationstaste dann doppeltippt, der brüllt so laut er kann.

Das macht man hier eben so. Das gehört dazu. Bis sich die Stimme überschlägt. Oder man zu husten anfängt – falls das Ganze nicht vom Start weg schon nur ein erbärmliches Krächzen ist. Wem will man’s auch verdenken? Was die armen Tölpel erwartet, die man in dieses makabere Chaos stürzt, daraus wurden die Albträume derer gemacht, die Braveheart tatsächlich erlebt haben.

Ganz ehrlich: Ich will damals nicht dabei gewesen sein. Nur wenige Filme und Spiele haben mir so eindringlich vermittelt, wie widerlich dieses Abschlachten gewesen sein muss...

Rot kämpft gegen Blau und seit einiger Zeit auch gegen Gold. Viel mehr muss man nicht wissen. Es gibt einen fiktiven historischen Hintergrund sowie kleine Geschichten um die Ziele in den missionsbasierten Einsätzen. Wichtig ist aber immer nur, dass sich entweder 20 mal 20 oder 32 mal 32 Totgeweihte gegenüberstehen, die brüllend aufeinander zu rennen und oft nur ein paar Sekunden überleben, weil ihnen von allen Seiten Schwerter, Äxte, Speere oder Pfeile um die Ohren fliegen. Und kurz darauf auch Köpfe, Beine sowie fallengelassene Ausrüstung.

Kann man alles aufheben und selbst verwenden oder damit schmeißen. Einem Freund wurde gestern Abend der spielerische Schädel abgeschlagen – den daraufhin sein Peiniger ergriff, um ihn siegestrunken in die Kulisse zu pfeffern. Ich erinnere mich außerdem, wie ich aus Verzweiflung mal meine Klinge in den Kopf eines Gegners warf, um sie aus seiner Leiche wieder herauszuziehen. Und ja, auch Fische können formidabel fliegen!

... umso bemerkenswerter finde ich dafür, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit Chivalry 2 daraus ein ebenso lehrreiches wie amüsantes Schlachtfest veranstaltet.

Herzlich gackern musste ich gestern schließlich, als meinem Alter Ego mitten im Kampf einfiel, dass seine Mutter am nächsten Tag Geburtstag hat. Und als ich besagtem Freund meine Hellebarde in den Rücken rammte, weil seine Rüstung dermaßen mit Blut bespritzt war, dass unser Blau darunter kaum noch zu erkennen war.

Weil Torn Banner Studios das grausige Spektakel ins Lächerliche zieht, ohne es wirklich zu entschärfen, funktioniert der schwierige Spagat aus Grausamkeit und spielerischer Herausforderung.

Und weil die Entwickler viel mehr in das scheinbar stumpfe Klingenschwingen gepackt haben, als es von außen vielleicht den Anschein hat. Wer hier nämlich eine Art Warhammer: Vermintide 2 oder ein ähnliches Knopfdruck-Stakkato erwartet, der darf sich schon mal warm anziehen. Denn neben leichten und schweren Angriffen, die sich bei jeder Waffe unterscheiden, gibt es auch jeweils eigene Spezialbewegungen, den Ausweichschritt, Riposte, Sprintattacke, das Ducken und Kicken, den Hieb von oben sowie Schläge von verschiedenen Seiten, mit denen man den Kampf gestalten kann. Sogar die Bewegung während des Angriffs wirkt sich auf seine Wirkung aus. Manchmal sieht man deshalb, wie zwei Duellanten von Freund und Feind in Ruhe gelassen werden, weil alle Spieler wissen, dass solche Momente zu den besten gehören.

Gleich haben wir's geschafft: Dicker Rauch steigt schon aus der Bibliothek hervor.

Aber auch im Getümmel kann man die Waffen taktisch nutzen, sobald man ein Gespür dafür entwickelt hat. Schilde wehren Schläge ab, zerbrechen aber irgendwann. Für Waffen gilt das Gleiche. Chivalry 2 ist nicht schwer zu erlernen. Aber um die Feinheiten zu verinnerlichen und mehr als nur ein paar Sekunden lang zu schreien, vergeht ein wenig Zeit. Umso besser fühlt es sich dann dafür an, wenn man ein paar Minuten lang seine Stellung hält oder einen Engpass nach langem Kampf durchbricht. Auch das ist selbstverständlich einen Schrei wert. Oder einen der drolligen Sprüche, den das Kommunikationsrad auf Lager hat.

Das Schöne ist, dass Torn Banner Studios dem Ganzen im Verlauf des Jahres ein wenig mehr Abwechslung spendiert hat. Dazu zählen diese dritte, goldfarbene Fraktion, neue und teils ausgesprochen schicke Schauplätze sowie die vielleicht größte Erweiterung: Pferde. Und wie es das Getümmel noch mal durcheinanderwirbelt, wenn man wie aus dem Nichts von einem vorbeigallopierenden Tornado umgeworfen oder von einer riesigen Lanze mit einem einzigen Treffer aus dem Leben befördert wird!

Was wir in diesem idyllischen Fischerdorf tun? Schweine und Menschen stehlen natürlich!

Gilt umgekehrt natürlich genauso. Es ist eine Riesengaudi hoch zu Ross durch den Gegner zu pflügen und seine Flanken zu dezimieren. Dabei kann man frei wählen, ob man sich in einen Mix aus ständig wechselnden Spielvarianten stürzt, ausschließlich Gefechte mit Pferden spielen will, einen Server mit den bevorzugten Einstellungen direkt anwählt, sich im Eins-gegen-eins oder Drei-gegen-drei duelliert, im Anfängermodus erst mal gegen Bots warmmacht oder gar solo in die Steuerung reinfuchst. Selbst das Tutorial ist hier ein amüsantes Kennenlernen aller zentralen Techniken.

Mit anderen Worten: Dieses grandiose Spektakel gibt’s jetzt im Game Pass – wenn ihr es nicht längst getan habt, dann ladet es herunter und freut euch auf die detailverliebten Feinheiten dieser überdrehten Schlachtplatte! Sie ist im Verlauf des Jahres keinen Deut schlechter geworden. Das Gegenteil ist der Fall. Weshalb ich einfach mal sehen will, ob man die letzten Kriegsdienstverweigerer nicht doch noch aus der Reserve locken kann. Und jetzt, meine Damen und Herren, entschuldigen sie mich. Meine Mutter hat morgen Geburtstag. Und als Geschenk gibt’s frisch in Blut getränkten Fisch. Gnaaaaaarrrrrlgllrrrrrmmmk!!!

Über den Autor
Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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