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Das Vive XR Elite ist ganz anders als PlayStation VR2 - und gerade deshalb ein vielversprechendes VR-Headset

In Farbe. Und bunt.

Schon bevor ich mich mit PlayStation VR2 in die Virtual Reality gestürzt habe, konnte ich an einem kurzen Termin das neue VR-Headset von HTC ausprobieren: das Vive XR Elite, welches dieser Tage gerade vom Stapel läuft. Dabei handelt es sich neben Ocul… Verzeihung: Meta Quest, Pico und anderen immerhin um einen der größten Namen in Sachen VR-Headsets, die hauptsächlich der Unterhaltung im Privatbereich dienen. Und HTC will dieses Feld um eine Vielseitigkeit erweitern, die seine Konkurrenten in dieser Form nicht bieten.

Ein auffallendes Merkmal steckt daher schon im Namen: Das Vive XR Elite ist nicht nur für VR-Anwendungen, also klassische Spiele wie Half-Life: Alyx gedacht, sondern ermöglicht auch Augmented-Reality-Anwendungen. Gemeint sind Programme, bei denen zum Beispiel digitale Charaktere in die reale Umgebung projiziert werden.

Praktisch: Wer das Vive XR Elite per USB-Kabel mit einem PC verbindet, kann den Akku schnell abnehmen und stattdessen Halterungen anstecken, mit denen das Headset nur noch 273 Gramm wiegt.

Um das zu ermöglichen, kann man genau wie mit PlayStation VR2 ein Bild des Raums, in dem man sich befindet, anzeigen lassen – so als würde man durch das Headset hindurchschauen. Nur ist dieses Bild beim XR Elite nicht Schwarz-Weiß, sondern tatsächlich bunt. Zusätzlich besitzt das Gerät einen Tiefensensor, mit dem es Objekte in seiner Reichweite so zuordnen kann, dass virtuelle Charaktere mit ihnen interagieren können.

Nun konnte ich mir ausgerechnet davon noch keinen Eindruck verschaffen, da die beim Ausprobieren verfügbaren Spiele diese Funktionalität nicht ausreizten. Was zum großen Teil sicherlich daran liegt, dass es sich bei allen um nur leicht angepasste Umsetzungen bereits bestehender Titel handelt. So bewegt man im Bullet-Hell-Shooter Yuki seinen Piloten auch in der normalen Version schon mit der Hand durch alle drei Dimensionen – hier kam jetzt lediglich hinzu, dass die Action mit dem realen Raum als Hintergrund stattfindet. Das ist natürlich cool, ändert am Spielerlebnis aber wenig.

In Yuki muss nicht die Spielwelt Hintergrund der Action sein, sondern die reale aktuelle Umgebung.

Nicht nur dabei ist mir übrigens aufgefallen, dass man die Umgebung zwar sehr gut erkennen kann, das Bild aber bei weitem nicht kristallscharf ist und auch immer leicht verzerrt. Man vergisst daher nie, dass man ein Headset aufhat. Im Gegenzug trägt der Verzicht auf separate Kopfhörer (die befinden sich wie im PC-Bereich üblich in der am Kopf liegenden Befestigung) dazu bei, dass man nahe Personen und Geräusche jederzeit wahrnimmt, falls man nicht gerade in einem Spiel versunken ist.

Alles in allem sind die Übergänge zwischen dem Spielen und dem Interagieren mit Freunden oder Familie damit sehr fließend. Man muss das Headset ja nie abnehmen und auch nie daran herumbasteln, um von einer Welt in die andere zu wechseln.

Und ich hatte eine geschlagene Stunde ohnehin nicht das Bedürfnis, das zu tun. Mit einem Gewicht von 625 Gramm ist das XR Elite zwar nicht das leichteste seiner Art sein, ich empfand Sitz und Passform aber als angenehm. Nur die Akku-Laufzeit von etwa zwei Stunden könnte dem Dauertauchgang in die virtuellen Welten einen Strich durch die Rechnung machen – falls man nicht einen zweiten Akku gekauft und zur Hand hat. Mit wenigen Handgriffen tauscht man den nämlich gegen den leeren, welchen dann schnell genug geladen werden kann, um theoretisch beliebig lange in der Virtual Reality unterwegs zu sein.

Man kann nicht nur den Abstand der Linsen zueinander einstellen, sondern pro Linse auch eine erforderliche Dioptrienstärke.

Um das an dieser Stelle vielleicht mal klar zu sagen: Das Vive XR Elite ist weder ein Upgrade noch ein Ersatz für Sonys PS VR2, da es nicht mit PlayStation 5 kompatibel ist. Es handelt sich vielmehr um ein separates Gerät mit Verbindung zu HTCs eigenem Shop, das alle aktuell dafür verfügbaren Spiele mit dem integrierten Snapdragon-XR2-Prozressor verarbeitet.

Es kann allerdings sowohl per Kabel als auch WLAN mit einem Computer verbunden werden, um als passives Headset für sämtliche Titel zu dienen, die auf dem so angeschlossenen PC laufen. Stöpselt man es mit einem USB-Kabel an, kann man sogar den Akku entfernen – so wird das neue Vive zur gerade mal 273 Gramm leichten VR-Brille. Spätestens dann ist es zudem praktisch, dass das Gerät ohne ein Band auskommt, das auf dem Kopf aufliegt. Wer ein solches für einen besseren Halt benötigt, kann das zwar anbringen. Grundsätzlich funktioniert das Aufsetzten aber auch ohne Frisuren zu verschandeln. Gut, mein lichtes Haupt profitiert von dieser speziellen Voraussicht freilich herzlich wenig.

Und auch an Brillenträger hat HTC gedacht, denn die können ihre Sehhilfe absetzen und an beiden Seiten unabhängig voneinander eine Dioptrien-Stärke von 0 bis 6 stufenlos einstellen. Für Menschen, die trotz dieses Entgegenkommens eine Brille benötigen, soll es ebenfalls eine Lösung geben. Wie die aussieht, konnte mir HTC zum Zeitpunkt des Ausprobierens allerdings noch nicht sagen. In dem regulären Sichtschutz vor dem Display hat keine Brille jedenfalls keinen Platz.

Bei den Controllern handelt es sich um reguläte Eingabegeräte mit kapazitiven Tasten.

Auch Augentracking soll das Headset irgendwann beherrschen. Zum Start wird es die Technologie, von der PS VR2 so stark profitiert, aber noch nicht geben. Abgesehen davon kommt das Bild des XR Elite ohne das tiefe Schwarz eines OLED-Displays mit den derzeit üblichen 90 Hz bei einer Auflösung von 1920 mal 1920 Pixeln pro Auge aus. Verbaut sind übrigens Pancake-Linsen, weshalb ich auch keine Probleme hatte, den großen Sweetspot zu finden, um scharf zu sehen.

Nicht zuletzt wird das neue Vive mit zwei Controllern ausgeliefert, die ohne in irgendeiner Form hervorzustechen alle aktuellen Standards erfüllen. Und es erkennt genau wie Quest Pro oder Pico 4 alle fünf Finger beider Hände. Als ich in Maestro VR mit einer Hand das Orchester dirigierte, indem ich den Einsatz einer Instrumentengruppe per Fingerzeig vorgab, musste ich die Hand dafür zwar relativ hoch und deutlich vor das Headset halten, weil sie sonst ignoriert wurde. Ich weiß allerdings nicht, ob das auf eine Besonderheit des Spiels oder des Trackings hinweist. Auf jeden Fall ist HTC mit dem XR Elite auch in Sachen haptisches Eingreifen auf dem aktuellen Stand im PC-Bereich.

Nun hat dieser Stand natürlich seinen Preis, denn das Gerät kostet knapp 1.400 Euro beziehungsweise kann schon längst zu diesem Preis bestellt werden. Die Lieferung sollte dann auch nicht lange auf sich warten lassen; einige haben ihr Headset bereits erhalten. Wer es bis 30. April aktiviert, erhält dabei fünf kostenlose Spiele: Unplugged: Air Guitar, Green Hell VR, Figmin XR, Glimpse sowie Les Mills Bodycombat.

Auch in Rezzil Player sieht man mit dem XR Elite die tatsächlich Umgebung.

Virtual Reality bleibt am PC somit ein oft kostspieliges Vergnügen, wenn alle aktuellen Funktionen vorhanden sein sollen – beim deutlich günstigeren Pico 4 fehlen ja zum Beispiel kapazitive Tasten an den Controllern. So oder so dürfte das Vive XR Elite mit seinem angenehmen Sitz und der guten Passform punkten, außerdem eine Überlegung für Brillenträger wert sein sowie für alle, die gleich noch einen zweiten Akku ordern, um für längere Sitzungen gewappnet zu sein.

Beweisen muss sich allerdings noch eine der wichtigsten Errungenschaften, nämlich die Verbindung von Virtual und Augmented Reality. Letztere spielte bei dem Ausprobieren kurz vor Release jedenfalls keine ernstzunehmende Rolle. Was mit dem kommenden Augentracking, dem farbigen Passthrough sowie dem Tiefenscanner möglich ist, muss Vive in den kommenden Monaten und Jahren daher erst noch zeigen. Eine vielversprechende Hardware-Basis scheint man dafür immerhin parat zu haben.

Über den Autor
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Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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