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Dungeons

Dungeon Keeper III (Mehr muss ich doch nicht sagen, damit ihr klickt, oder?)

Wenn es so was wie einen Friedhof der Franchises gibt, dann hat Dungeon Keeper eine eigene kleine Krypta. Mit einem verlockenden Eingang. Und einem riesigen Labyrinth dahinter. In dem Tausende von Fallen und Monster auf den unvorsichtigen Helden warten. Und ein Huhn, aus dessen Perspektive das Ganze besonders psychedelisch wirkt. Aber wenn man dann wieder rauskommt aus der Gruft, dann ist es halt doch schon fast 15 Jahre her, dass EA die ehemalige Bullfrog-Marke in einen Tresor steckte und den Schlüssel verschusselte.

Entwickler Realmforge und Publisher Kalypso ist es jetzt scheinbar zu blöd geworden, ständig immer nur Blumen in angenehmer Erinnerung an die früheren Zeiten als Dungeon-Overlord niederzulegen, und hat kurzerhand die Krypta selber in Beschlag genommen. Es heißt nicht Dungeon Keeper 3, wie auch, aber eigentlich fehlt bei der Idee nicht viel dazu. Okay, die Lizenz halt und deshalb ist es nur Dungeons, aber das tut der Sache mit dem Nachfolger im Geiste ja keinen Abbruch.

Im Gegenteil, die Verwandschaft ist nicht nur auffällig, sie ist so offensichtlich, dass man darüber jetzt als Veteran nachdenklich oder freudig erregt sein kann. Für jüngere Semester: Ihr spielt mal nicht den Guten, sondern den Eigentümer eines Dungeons, von vielen nur der böse, mächtige Overlord genannt, von seinen Freunden Bert. Freunde hat er jede Menge, auch wenn die in seiner Profession in der Regel gekauft sind und ihre Aufgaben haben. Diese bestehen in der Regel darin, das von euch so reichhaltig bestückte Verließ gegen das leider wirklich ewig wachsame Gute zu verteidigen, welches gerne in Heldenform an die Gargoyle-bewehrte Pforte pocht. Oder sie eben eintritt. Unhöfliches Packvolk.

So weit, so Dungeon Keeper, aber einen Twist ließ man sich dann für Dungeons doch einfallen und er funktioniert nach dem ersten Anspielen ziemlich gut. Die Helden einfach zu killen und in Skelette mittleren Schauwertes +1 zu verwandeln, ist leicht für eine Horde Feuerdämonen. Es sind aber die Seelenpunkte, die für eure Lordschaft wichtig sind und die ihr den Helden stehlen müsst. Tote Helden haben leider keine. Und Helden, die unglücklich sind, nicht viele.

Glück bedeutet für den durchschnittlichen Weltenretter natürlich viel Gold, aber auch klassenspezifisch lässt sich da für den Kerker-Hotelier einiges bewerkstelligen. Magier wollen Bücher und die Zauber darin dann an Monstern auslassen. Krieger stellen sich gerne heldenhaften Zweikämpfen und Schurken knacken Schlösser und räubern allgemein herum. Wie ein guter Gastgeber muss der Spieler seine Besucher erst bespaßen und sie dann, wenn sie voller Glück und Seelenpunkte sind, einkerkern und foltern.

Das Dumme dabei ist, dass das undankbare Helden-Gesindel darauf keine Lust hat und durch euer Animations-Programm inzwischen zu mächtigen Guten heranwuchs. Es ist also auch ein wenig Balance dabei, am Ende immer noch genug Fallen und Monster in der Hinterhand zu haben, um das Fell des Bären abziehen zu können. Nicht dass der sonst einfach mit euren Schätzen abhaut und vorher noch den schönen Dungeon gänzlich verwüstet. Im schlimmsten Fall sogar noch das Herz des Dungeons zerstört, was für einen Dungeon-Lord das Game Over bedeutet.

Gelingt es euch aber, die Helden in Zaum zu halten und zu mästen, dann erhaltet ihr Prestige-Punkte, die ganz selbstverliebt in gotische, sprich kitschige, Kunstwerke und Statuen investiert, die dann das eigene Ansehen und vor allem die eigenen Werte steigern. Durch 20 Story-Missionen hindurch steigt ihr nach und nach zum Liebling der Hölle auf, der auch nicht nur aus der Vogelsicht delegiert, sondern über die Schulter geschaut selbst ins Geschehen eingreifen und einen Helden zur Not auch in Eigenregie stellen kann.

Wenn es eine Anlehnung an das originale Dungeon Keeper gibt, die jedoch gerne ein weniger entfernter hätte sein können, dann ist es die Optik. Es ist höher aufgelöst, aber sonst sieht man doch sehr deutlich, wo Dungeons herkommt und weniger weit entfernt ist, als man nach so vielen Jahren meinen sollte.

Nicht dass dies dem Spielspaß groß einen Abbruch täte. Klar hat sich dieses Game sehr deutlich inspirieren lassen, aber es ist nun wirklich lange genug her, dass wir einen Dungeon gegen das Gute verteidigen durften. Der Humor mag manchmal etwas zu Deutsch und nicht ganz so Britisch sein, die Innovationen haben sich nur in Kleingruppen in die Krypta verirrt und trotzdem spielt es sich ziemlich wundervoll. Die Wiederbelebung eines lange verschollenen, guten Freundes scheint ein Erfolg zu werden. Wen interessiert es da, dass er in seiner Abwesenheit trotz allem ziemlich der gleich blieb. Ehrlich gesagt freue ich mich sogar darüber.

Dungeons erscheint PC-exklusiv Ende Januar.

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Über den Autor

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Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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