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F1 Manager 2022 Test - Endlich kann ich Ferrari zeigen, was eine gute Strategie ist

Die perfekte Ergänzung.
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Gute Umsetzung der Formel 1 als Management-Spiel. Spannende Rennwochenenden, viele Details und eine schöne Präsentation ergänzen sich gut.

Die Formel 1 als Management-Spiel, eine einfachere Idee kann es doch eigentlich nicht geben, oder? Und dennoch haben wir in den vergangenen Jahren dahingehend wenig gesehen, zumindest mit offizieller Lizenz. Es gab den Motorsport Manager und früher, im vergangenen Jahrtausend, habe ich massig Zeit in den F1 Manager 96 gesteckt, aber im Großen und Ganzen blieb diese Idee relativ ungenutzt. Bis jetzt. 2020 sicherte sich Frontier (Elite Dangerous) die F1-Lizenz für Management-Spiele und nun ist der F1 Manager 2022 da. Die perfekte Ergänzung für ein Rennwochenende?

Im Grunde ja. Denn: Die Rennen laufen im F1 Manager 2022 über die komplette Distanz. Wer möchte, könnte also in die Saison starten und, wenn gerade ein echtes Rennen läuft, nebenbei die virtuelle Version dieses Grand Prix in Echtzeit spielen. Nicht die schlechteste Idee, wenn ihr mich fragt. Solange es Spaß macht. Und das tut es. Endlich kann ich zeigen, dass ich bessere Strategien entwickle als Ferrari in der Realität.

Alles Excel, oder was?

Management-Spielen, etwa dem Football Manager, lastet ja gerne mal der Ruf an, dass sie so etwas wie eine Art spielbare Excel-Tabelle sind und auch dementsprechend aussehen. Auch im F1 Manager gibt’s viele Zahlen, Statistiken und Daten, aber Frontier hat sich alle Mühe dabei gegeben, das hübsch aufzubereiten. Es ist weit entfernt vom Charme einer Excel-Tabelle und geht insgesamt mehr in Richtung des Looks, der auch bei den Übertragungen zum Einsatz kommt. Gut gelungen!

Der Undercut hat funktioniert, Red Bull hat das Nachsehen.

Zu Anfang entscheidet ihr euch für eines der zehn offiziellen Teams der Saison, ein eigenes wie in der Karriere von Codemasters' F1 22 könnt ihr euch nicht zusammenstellen beziehungsweise aufbauen. Aber das ist hoffentlich eine Idee, die man in Zukunft noch umsetzt. Ihr bestimmt ein paar Startparameter und anschließend geht’s auch schon los, ihr landet mitten im Geschehen, werdet von Tutorials durch verschiedene Bereiche geführt und lernt die Basics des Managerlebens.

Fahren können andere, ihr kümmert euch um den Rest

Das erstreckt sich vom Geschehen auf der Strecke bis hin zu den Dingen, die im Hintergrund ablaufen: Vertragsverhandlungen, Forschung und Entwicklung, Sponsoren und so weiter. Alles wird übersichtlich präsentiert, bei der Entwicklung neuer Teile seht ihr etwa direkt die Auswirkungen im Performance-Vergleich mit dem aktuellen Teil. Man merkt, dass eine Menge Überlegungen und Arbeit in all das geflossen sind. Der eine oder andere hat sich wahrscheinlich den Kopf darüber zerbrochen, wie man das alles gut darstellt. Letztlich ist es gelungen und ihr habt das Gefühl, an vielen Stellen an den Rädchen des Gesamtkonstrukts drehen zu können und der Entscheider zu sein.

Im Spiel sind Ferrari und Red Bull enger beieinander als zuletzt in Belgien.

Wie in der Realität braucht die Entwicklung neuer Teile Zeit, erwartet keine schnellen Verbesserungen. Ihr müsst vorausplanen und am besten direkt reagieren, wenn ihr mit eurer Performance unzufrieden seid, damit ihr ein paar Rennen später neue Teile am Start habt. Ebenso solltet ihr nicht vergessen, ausreichend Ersatzteile zu produzieren. Einerseits natürlich aufgrund der normalen Abnutzung. Andererseits passieren nun mal Unfälle und es ist nicht so optimal, wenn euch an einem Rennwochenende die Teile ausgehen und euer Team irgendwo ein Not-Ersatzteil beschaffen muss, dessen Performance nicht die Beste ist.

Hinzu kommen weitere Elemente, die für Abwechslung, Spannung und Motivation sorgen. Ihr könnt etwa versuchen, Sponsoren mehr Geld zu entlocken, indem ihr ihnen Versprechungen macht, etwa die letzte Runde im Qualifying zu erreichen oder mindestens bestimmte Platzierungen im Rennen zu erzielen. Gelingt euch das, erhaltet ihr mehr Bares. Aber wenn es nicht klappt, zahlt ihr eine Strafe. Zudem habt ihr allgemeine Ziele für die Saison, die euch noch einmal ordentliche Boni bescheren. Ebenso stehen Vertragsverhandlungen mit eurem Personal auf dem Programm und ihr müsst schauen, dass eure Fahrer happy sind, damit sie gute Leistungen abrufen können.

Die richtige Strategie zum Erfolg

Während des Trainings, im Qualifying und im Rennen habt ihr Zugriff auf verschiedene Bildschirme und Statistiken, die euch so ziemlich alles Wissenswerte anzeigen. Von Informationen über die schnellsten Runden bis hin zum Wetter und den verwendeten Reifen ist alles vorhanden, was euch womöglich dabei helfen könnte, eure Strategie auszutüfteln. Für eure beiden Fahrer lässt sich zudem individuell festlegen, wie sehr sie in drei Bereichen pushen (Reifen, Benzin, ERS) oder schonend fahren, was sich entsprechend auswirkt.

Die Trainingssessions könnt ihr absolvieren, aber auch überspringen (so wie ich). Sie ermöglichen es euch, noch weiter am Setup der Wagen zu schrauben, solltet ihr dies wünschen, zwingend erforderlich ist es nicht. Die Qualifyings sind genauso spannend wie auf den echten Strecken und es kommt darauf an, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um eure Fahrer auf die Runde zu schicken, ohne dass sie mitten im dichten Verkehr landen. Was komplett fehlt, sind die Sprints, die in dieser Saison an drei Rennwochenenden stattfinden. Da es nächstes Jahr gleich sechs sind, gehe ich davon aus, dass sie in der nächsten Version eingebaut werden, aber es ist trotzdem schade, dass sie nicht mit am Start sind.

Es stehen verschiedene Kameraperspektiven zur Verfügung.

Wie anfangs erwähnt, könnt ihr den F1 Manager 2022 ganz praktisch nebenbei während eines echten Rennens laufen lassen, übrigens auch auf dem Steam Deck. Wobei es verschiedene Optionen gibt, um die Zeit zu beschleunigen, von Echtzeit bis hin zur 16-fachen Geschwindigkeit. Bei engen Momenten bewegte ich mich häufig im Bereich von zwei- bis vierfacher Geschwindigkeit, wenn es weniger eng und halbwegs sicher war, ging ich auf den achtfachen Speed. Ab vierfacher Beschleunigung seht ihr nicht mehr das Rennen direkt, sondern eine Übersicht der Strecke, auf der sich die Wagen als Punkte bewegen. Wer alles in Echtzeit sehen möchte, verbringt mit einem kompletten Rennwochenende mindestens 90 Minuten. Ansonsten hängt es davon ab, wie sehr und wie häufig ihr die Zeit beschleunigt. Schade fand ich noch, dass es mitten in einem Rennen nicht möglich ist, zu speichern und später weiterzumachen. Wer einmal ein Rennen anfängt, muss es durchziehen oder noch einmal von vorne beginnen.

Auch die Technik stimmt

Optisch sieht der F1 Manager 2022 für ein Management-Spiel relativ hübsch aus, wenngleich er nicht an die Detailfülle eines F1 22 heranreicht. Frontier ist es aber gut gelungen, den Stil einer Übertragung während der einzelnen Sessions einzufangen, obendrein könnt ihr zwischen mehreren weiteren Perspektiven umschalten, die direkt an den Autos dran sind. Ferner hat jedes Team sein eigenes Automodell und für die Boxenstopps setzt man auf Motion-Capture-Aufnahmen. Ein paar Glitches oder mal ein paar problematischere Kameraeinstellungen haben sich eingeschlichen und auch die Crashes sehen teils nicht ganz überzeugend aus, aber abseits dessen werden die Rennen schön dargestellt. Auch das Aussehen der Fahrer selbst hat man gut übertragen.

Die Präsentation im F1 Manager 22 ist gelungen.

Zu punkten vermag der F1 Manager 2022 ebenfalls im Audio-Bereich. Die Fahrzeuge hören sich realistisch an, egal ob ihr das Ganze als Übertragung betrachtet oder eine Kamera direkt am Auto wählt. Von den Motorengeräuschen bis hin zu quietschenden Reifen bei der Ausfahrt aus der Boxengarage hat die Soundabteilung von Frontier gute Arbeit geleistet. Zumindest in diesem Bereich. Den deutschen Kommentator fand ich indes nicht wirklich überzeugend und der Soundtrack ist okay. Er ist nichts Besonderes, in Sachen Musik ist der F1 Manager 2022 definitiv kein Aushängeschild.

F1 Manager 2022 Test - Fazit

Mit seinem ersten F1 Manager hat Frontier bereits gute Arbeit abgeliefert. Noch ist nicht alles perfekt, etwa die fehlenden Sprints, aber das hier ist eine mehr als solide Basis für die Management-Zukunft der Formel 1. Es macht Spaß, sich um sein Team zu kümmern und am Rennwochenende die Strategien auszutüfteln. Umso schöner ist es, wenn der eigene Plan am Ende aufgeht und eure Fahrer auf dem Siegertreppchen mit Champagner um sich spritzen. Gleichermaßen gelungen ist die Präsentation, die nicht ganz so trocken herüberkommt wie in anderen Management-Spielen. Wenn ihr euch schon immer einen offiziellen F1 Manager gewünscht habt, ist das hier absolut wie für euch gemacht. Und es lässt sich prima neben einem echten Rennen spielen. Da könnt ihr zeigen, ob ihr mehr drauf habt als die echten Manager.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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