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Herr der Ringe: Die Ringe der Macht Folge 4 – Ich kann den Untergang von Númenor kaum erwarten!

Buchstäblich.

Schon eine Wucht. Im Grunde bringt jede Folge von Ringe der Macht mindestens einen Moment mit, der einen audiovisuell so in den Sessel drückt, dass man den Abdruck seines Allerwertesten noch im Polster begutachten kann, wenn am Freitag darauf die nächste Folge losgeht. Diesmal war es gleich zu Beginn der Untergang Númenors in einer Vision der Regentin Miriel. Wie sich titanische Meereswellen die prächtigen Massive aus Granit, Gold und weißem Marmor einverleiben, das war kompletter inszenatorischer Irrsinn.

"Let's go – eine Katastrophenfolge!" dachte ich noch – und dann war es doch nur ein Traum beziehungsweise eine Vorschau auf das, was da vermutlich noch kommt. Ich freue mich gewaltig darauf, dass es bald so weit sein dürfte. Das liegt auch daran, dass mir Númenor und seine Bewohner reichlich Grund dafür gaben, dem Untergang dieser Fantasy-Großstadt herbeizusehen. Denn bisher mag ich die wenigsten hier. Elendil ist noch blass und Isildur läuft ein wenig zu milchbübisch mit, weil er eben in diese Geschichte gehört.

Menschen und Elben waren auch mal bessere Freunde. Viel von Folge 4 von Ringe der Macht dreht sich darum, das Bündnis zu kitten. Bildquelle: Amazon

Ich muss sagen, ich freute mich ja darüber, dass diese Herr der Ringe Sendung diverser besetzt ist, weil das eben einfach zeitgemäß ist. Das trifft nominell auch auf den Trend zu, reale soziale Probleme in Kunst und Popkultur zu spiegeln. Aber wenn ich ehrlich bin, will ich auf der Erzählebene einer Fantasy-Sendung keine platten Rassismusanalogien zwischen Menschen und Elben, die in Númenor zu Beginn dieser Episode dominieren. Das darf gerne den Subtext von Filmen und Serien dominieren, die in der echten Welt spielen. Aber Mittelerde wirkt dadurch nur unnötig weltlich. Also: Ins Wasser damit! Mit Númenor meine ich. Wir wissen, dass es sowieso passieren muss und erzählerisch hält mich hier nichts. Filmisch könnte das ein Fest werden.

Gleichzeitig muss man sagen, die Folge bekommt im weiteren Verlauf wirklich gut die Kurve. Das war die bisher unterhaltsamste Episode der Serie, auch weil sie gut an Fahrt aufnimmt. Miriel und Galadriel erneuern zaghaft die Allianz zwischen den Spezies, wir erfahren mehr über den Schwertschaft, den Theo bei sich trägt, und auch Adar als Ork-Anführer ist wunderbar geheimnisvoll und gut besetzt. Ich bin zwar nicht sicher, was ich davon halten soll, wenn es nun dazu kommt, dass auch die Orks vermenschlicht werden sollen. Hier muss man abwarten, worauf es hinausläuft. Wenn Adars “man hat dir viele Lügen erzählt” einen Versuch andeuten soll, die Orks zu Sympathieträgern zu machen, haben wir ein zwei Problem, Ringe der Macht!

Disa hat eine der besten Szenen in Folge 4. Bildquelle: Amazon

Für den Moment gefiel mir aber sehr, was ich da sah. In Folge vier geht Herr der Ringe: Die Ringe der Macht mittlerweile ein wirklich gutes Tempo, wenngleich auf Kosten der Haarfuß-Ebene, die diesmal keinerlei Erwähnung findet. Dafür wird bei den Menschen in den Südlanden endlich alles ein wenig konkreter und auch in Kazad Dum geht es faszinierend weiter, wenn Durin erstmals auf Mithril stößt und Disa einen felserschütternden Flehgesang an den Berg richtet. Die Zwerge werden kultiviert und mit einer eigenen Weisheit dargestellt, was mir gut gefällt. Die Ringe der Macht hat ihnen bisher einen Bärendienst erwiesen, wo sie allzu oft nur als Comic Relief herhalten mussten. Am Ende der Folge hatten sie es fast schon zu eilig, den Vater-Sohn-Zwist zwischen Durin und seinem alten Herrn aus der Welt zu räumen. Aber, was will man machen und herzig war es immerhin: “For, ever I am with you my son. Even in anger. Sometimes in anger most of all.”

Im Süden wissen wir endlich ziemlich genau, was es mit Theos Fundstück auf sich hat, das als Saurons Werkzeug, die Menschen im Süden zu unterjochen, ein Comeback feiern könnte. Für diverse Figuren wird das nicht gut ausgehen und ich mag die Anspannung, die das erzeugt. Bei der Rettung Theos durch Arondir nach der gut gemachten, aber doch sehr videospieligen Stealth-Sequenz des Jungen, kann der Elf endlich zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt ist und allgemein sind die Reden und Dialoge diesmal weniger schwafelnd und mehr auf den Punkt. Ein bisschen Poesie hat Miriel schon auf dem Kasten – “Faith may bind one heart. But it’s too fine a thread from which to hang a kingdom”. Chapeau! – und wie Galadriel zuvor die Geduld mit ihr verlor, das hatte schon viel von einem Jahrtausende alten, unsterblichen Wesen, der sich den Launen einer nur allzu Vergänglichen ausgeliefert sieht. Die Clark macht das schon gut.

Für Theo sehe ich leider schwarz. Aber vielleicht trifft's mit Umwegen auch Halbrand. Bildquelle: Amazon

Dazwischen immer mal wieder Isildur und ein paar Randgestalten, die ich wieder vergesse, sobald die Kamera den Fokus auf etwas anderes richtet. Und Halbrand bürstet mich aus einem Grund, den ich noch nicht genau benennen kann, gegen den Strich. Aber da diese Folge ansonsten eine Menge Substanz hatte, verbuche ich sie unterm Strich als Erfolg. Ich glaube, so langsam werde ich warm mit Die Ringe der Macht.


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Über den Autor

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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