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Ich boykottierte die WM 2022 schon vor dem Ausscheiden und Retro Goal war genau, was ich dafür brauchte

Ganz ohne Korruption.

Na, wie sieht's bei euch mit WM-Stimmung aus? Ich habe im Vorfeld lange überlegt, mich letztlich aber dazu entschlossen, diese WM zu boykottieren. Ich schaue mir kein Spiel im Fernsehen an und klicke ebenso wenig auf irgendwelche WM-Beiträge auf Internetseiten. Die Ergebnisse bekomme ich auch so mit, das reicht mir. Wenngleich mir das als Fußball-Fan schon ein wenig in der Seele wehtut, wenn man bedenkt, dass ich, soweit ich mich zurückerinnern kann, jede EM und WM so gut es möglich war vor dem Fernseher verfolgt habe.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir leicht fällt. An manchen Tagen juckt es mich schon ein wenig in den Fingern, aber von der schwachsinnigen Idee einer Winter-WM mit klimatisierten Stadien in einem solch heißen Land gibt es ja noch viele andere gute Gründe, sich das nicht anzutun. Da bin ich regelrecht froh, dass fast zeitgleich Retro Goal für die Nintendo Switch erschienen ist.

Ein kleines, aber feines Arcade-Fußballspiel von den Machern von Retro Bowl, mit dem ich Anfang des Jahres bereits meinen Spaß hatte. Im Kern orientiert sich Retro Goal an der gleichen Formel, wenngleich es im Fußball weniger Pausen gibt als beim American Football und der Gameplay-Flow somit etwas besser ist. Eine Sache bleibt aber gleich: Wenn ihr spielt, dann nur die Angriffszüge eures Teams. Die des gegnerischen Teams seht ihr nur als Texteinblendungen und habt keine Eingriffsmöglichkeit.

Ihr spielt in Retro Goal nur die Angriffe.
Wie in Retro Bowl spielt ihr nur eure eigenen Angriffszüge.

Dieses straffe Format sorgt dafür, dass ihr im Grunde ständig im Angriff seid und die Partien insgesamt nur wenige Minuten in Anspruch nehmen. Gut für eine schnelle Runde zwischendurch und da ihr nur die eigenen Offensivaktionen aktiv spielt, entsteht auch kein Leerlauf. Die Steuerung fällt dabei simpel, aber effektiv aus. Ihr spielt flache und hohe Pässe, schießt, führt Kopfbälle aus und absolviert Tacklings. Die Basics sind vorhanden und gefühlt 1.000 Tricks und andere Sachen braucht es hier auch nicht, um Spaß zu haben. Was nicht heißt, dass es keinen Anspruch gibt. Ihr müsst je nach Position schon schnell genug zielen, damit der Ball nicht übers Tor geht, denn je länger ihr wartet, desto höher fliegt er. Da hat man sich aber schnell dran gewöhnt und kommt gut damit zurecht.

Zusammengehalten wird das alles von einem kleinen Management-Teil im Hintergrund, der aber wiederum auch meilenweit vom Excel-Tabellen-Charme eines Football Manager entfernt ist. Ihr kümmert euch um einige wenige Belange des Vereins, baut Stadion, Trainingsgelände und Jugendabteilung aus und kümmert euch um die Verpflichtung und Ausbildung neuer Spieler. Ebenso habt ihr die Möglichkeit, verschiedene Formationen zu verwenden. Auch hier gilt aber letztlich: Es sind die Basics. Immer wieder gibt’s auch kleinere Entscheidungen, die ihr treffen müsst und die sich unter anderem auf euer Ansehen, die Moral des Teams oder euren Kontostand auswirken.

Auch Kopfbälle gibt es in Retro Goal.
Die Basics des Fußballs sind vorhanden, kompliziert wird es nie.

All das dient dazu, euch schnell von Spiel zu Spiel zu schicken, wodurch Retro Goal auch seinen Reiz gewinnt. Ihr kommt flott voran, mehrere Partien zwischendurch sind im Handumdrehen gemacht und bereiten kurzweiligen Spaß. Obendrein habt ihr zahlreiche Ligen, wenn auch ohne Lizenz, was hier aber nicht im Geringsten stört. Es macht fast ein wenig süchtig, so wie beim "Nur noch eine Runde"-Gefühl von Civilization. Hier ist es eben nur noch ein Match. Für 4,99 Euro kann ich euch Retro Goal absolut ans Herz legen, wenn ihr keine Lust auf WM oder FIFA habt und euch an ein wenig Arcade-Fußball erfreuen möchtet.

Entwickler: New Star Games - Publisher: FiveAcesPublishing - Plattformen: Nintendo Switch, Mobile - Release: 24.11.2022 (Switch) - Genre: Simulation, Sport, Arcade, RPG, Fußball - Preis (UVP): 4,99€ (Switch), 1,19€ (Mobile)

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Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Benjamin Jakobs ist Leitender Redakteur, seit 2006 bei Eurogamer.de und schreibt News, Reviews, Meinungen, Artikel und Tipps.

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