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Islands of Wakfu

Zuckersüße Tragödie

Wenn ihr vor kurzem den Artikel über die Ankama-Convention in Paris gelesen habt, dann wisst ihr, was für einen großen Stellenwert die Online-RPGs Dofus und Wakfu in Frankfreich einnehmen. Entwickler Ankama hat ein riesiges Universum geschaffen, es mit interessanten Wesen und Rassen bevölkert und eine komplexe Mythologie aufgebaut. Bisher konnten aber nur PC-Online-Rollenspieler durch die Weiten von Amakna reisen. Aber das wird sich im nächsten Jahr ändern: Ankama arbeitet mit Hochdruck an seinem ersten Konsolenspiel.

Auf PC überraschte Ankama mit der Entscheidung, ein komplettes MMORPG in Flash zu entwickeln, und auch bei der Eroberung der Konsolenwelt setzen die Franzosen wieder einmal auf ziemlich ungewöhnliche Taktiken. Ankama konvertiert keines der großen MMORPGs und inszeniert in der Dofus-Welt auch kein üppiges Singleplayer-Abenteuer im Stil eines Final Fantasy. Stattdessen wird Islands of Wakfu ein Download-Titel für Xbox Live Arcade! „Dafür gibt es zahlreiche Gründe. „Ich bin selbst ein großer Freund des Download-Formats. Spiele auf Datenträgern bringen viele Probleme mit sich. Alleine die logistische Seite... Wir leben im 21. Jahrhundert, da sollten wir auch wirklich die Möglichkeiten der Download-Plattformen nutzen um die Spiele zu ‚dematerialisieren’,“ erklärt Produzent David Calvo.

„Ein Downloadspiel hält den Preis niedrig und erreicht unserer Ansicht nach auch die richtige Zielgruppe. Wir wollen die enthusiastischen Spieler ansprechen. Und wer Spiele für Xbox Live Arcade herunterlädt, gehört definitiv zu dieser Gattung. Wir wollen ein Hardcore-Spiel für Hardcore-Spieler machen.“.

Die Bewohner des Dorfes huldigen tanzend dem großen Schnabeltier, werden aber von einem bösen Priester manipuliert.

Wir glauben, dass die Zeit reif für so etwas ist. Unser Spiel hat ja trotz der Action viele Adventure-Elemente und gerade dieses Genre feiert aktuell ein Comeback für die Download-Plattformen. Telltale und LucasArts veröffentlichen ihre Spiele auf Xbox Live Arcade – für uns sind das sehr günstige Umstände.“ Ein interessanter Ansatz: Wo viele andere Hersteller kleine, einfache Casual-Spiele als Download anbieten, bringt Ankama nun ein sehr storylastiges Action-Adventure!

Und tatsächlich, bereits beim Anspielen der frühen Version erweist sich Islands of Wakfu als ein beeindruckend rundes und komplexes Spielerlebnis, das sich kaum vor einem großen Disc-Titel verstecken muss. Im Idealfall spielt man Islands of Wakfu gemeinsam vor einer Konsole – ein Online-Modus ist nicht vorgesehen. Ein Spieler schlüpft in die Rollen von Heldin Nora, der andere in die Rolle ihres vertrauen Drachen Efrim. Nora kann mit krachenden Schlägen und Tritten austeilen und sich über die Karte teleportieren, Efrim setzt auf Reichweite und nimmt Gegner mit seinem Feueratem unter Beschuss. Auf Knopfdruck tauschen die beiden den Aufenthaltsort, was im späteren Spielverlauf für viele clevere Rätsel genutzt wird.

David Calvo und sein Team setzen konsequent auf Genremix. Mal ist Action angesagt, dann wieder Rätsel und gelegentlich auch beides. So gilt es in der Demo, zunächst an einem regnerischen Strand vergrabene Muscheln zu finden und schließlich einen grausamen Angreifer zurück zu schlagen. Dann wiederum kommen Nora und Efrim in ein Dorf, in dem ein falscher Priester die Bevölkerung zu Menschenopfern anstiftet. Um den zu entlarven, müsst ihr Hirnschmalz einsetzen, blanke Fäuste bringen euch dabei nicht weiter.

Mit dem zweiten Stick lenkt ihr den Cursor vor Nora – per Knopfdruck teleportiert sie sich an den markierte Stelle.

Auch Islands of Wakfu überzeugt im comichaften Ankama-Look: „Unsere Hintergründe sind 3D-Objekte, auch manche größeren Objekte im Spiel. Die Figuren und Monster sind dagegen Sprites die wir in Flash erstellt haben. Wenn wir in unserem Editor arbeiten und die Umgebung drehen, dann sieht man auf einmal, dass die Figuren flach sind wie die von Paper Mario. Für die richtige Kollisionsabfrage haben wir dann quasi unsichtbare 3D-Objekte um die Charaktere konstruiert, damit sich die Spielbarkeit genau anfühlt“, erläutert David Calvo.

„Unsere Absicht ist es nicht, lebensechte Welten abzubilden. Wir mögen fantastische, kunstvolle und auch poetische Welten und die lassen sich unserer Meinung nach in 2D besser darstellen.“ Poetik ist überhaupt ein wichtiges Stichwort für Islands of Wakfu. Denn auch wenn die Grafik bunt und die Sprites niedlich daherkommen, geht das Abenteuer inhaltlich in die Vollen: „Wir wollen den Spieler emotional ansprechen. Und wir wollen dabei die verschiedensten Emotionen hervorbringen. Die meisten Spiele der großen Publisher setzen oft nur auf Angst, Wut und Hass. Es gibt aber weit mehr Emotionen. Und für uns ist die einzige Möglichkeit, auch die anzusprechen, ein schwieriger Balance-Akt zwischen der Tragödie und dem Absurden“.

Über den Autor

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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