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NBA 2K21 Test: Immer noch gut, aber immer noch gierig

Das jährliche 100-Euro-Update.

NBA 2K21 Test - Im Grunde könnten wir es kurz machen, denn ihr wisst, wie das hier läuft: NBA 2K21 ist auf dem Platz der unangefochtene King, nachdem es EA nach einem sehr gelungenen NBA Live 19 (klickt für den Test) erstmal wieder sein ließ mit Basketball, bleibt ihr das zweite Jahr in Folge alternativlos. Und das ist schade, denn ein starkes Live würde vielleicht etwas an der gierigen Mikrotransaktionen-Strategie 2Ks ändern.

Wie schön das wäre, denn auf dem Court macht 2K weiterhin niemand etwas vor: Das Spielgefühl ist nach wie vor eine der authentischsten virtuellen Annäherungen an eine reale Sportart, die man je sah. Das macht es zwar schwierig, sich für jährliche Updates maßgeblich zu steigern, was auch dieses Jahr nicht passierte, aber weil sich das Spiel auf einem so hohen Level bewegt, ist das zu verschmerzen. Die Neuerungen sind nicht verkehrt, vor allem, was das Geschehen auf dem rechten Stick angeht, bin ich durchaus ein Fan und technisch kann ich mich an den fabelhaften Animationen immer noch nicht sattsehen.

Star Power, gut eingesetzt

Dazu kommt, dass in der Karriere gute Schauspieler aufgefahren werden: Michael K. Williams, Djimon Hounsou, Mireille Enos, Damien Lillard und Jesse Williams machen neben zahlreicher NBA-Prominenz eine gute Figur und man verliert sich schnell in dem NBA-Alltag eines jungen Spielers, der nach Anerkennung strebt. Beziehungsweise tut man es, wenn man ein wenig extra Geld zahlt, um sein Alter-Ego aus dem alljährlichen anfänglichen Stats-Tief rauszukaufen. Und hier wird's wie jedes Jahr ärgerlich.

Ach, bei Bildern wie diesen kribbelt es immer wieder direkt in den Fingern. 2K weiß halt wie man's macht.

Nur mal als Beispiel: Um meinen Rookie-Shooting Guard bis auf das vorläufige Maximum seiner Werte hochzukaufen, musste ich etwa 180.000 VC investieren und lag dann bei 85 Leistungspunkten, die man im Laufe der Karriere noch noch steigern kann. Wollt ihr wissen, was 200.000 VC im Playstation Store kosten? 10 Euro mehr, als 2K für die Definitive Edition von Mafia haben will. Und wie gesagt, am Limit seid ihr dann immer noch nicht angekommen.

Ich weiß nicht, gerade wenn man mit seinem Baller Online spielen möchte, ist man im Grunde schon gezwungen, beim VC-Wettkaufen mitzumachen und das ist seit Jahren so. Dass wiederkehrende Zahler nicht einmal einen Bonus erhalten, geschweige denn ihren Spieler vom letzten Jahr in die neue Saison holen können, macht das Ganze nicht besser. Am Ende ist es wie schon so lange mit dieser Serie: das hier ist in Wirklichkeit ein Jahres-Update mit überschaubaren Neuerungen für gut 100 Euro, wenn ihr wirklich Spaß haben wollt. Und natürlich ziehen sich die Mikrotransaktionen auch durch die Individualisierungsmenüs für euren Spieler und das Sammelkartenspiel myTeam. Das überschreitet für viele, mich eingeschlossen, eindeutig die Schmerzgrenze, jetzt schon zum wiederholten Male.

Das alte Spiel, gerade frisch genug

Es ist so schade, denn ansonsten gefällt mir das Spiel auch mit nur minimalen Veränderungen durchaus. Klar, die diesjährige Initiative, auf dem rechten Stick noch mehr Kontrolle über die Dribblings zu bekommen und das neue, alternative Wurfsystem, das eher auf Genauigkeit in der Zielbewegung als auf Timing abzielt (für Online-Matches mit nicht unbedingt perfekter Verbindung durchaus clever), sind eher ein Schritt zur Seite und nur ein bisschen nach vorne. Immerhin kommt durch die vielen Manöver auf dem Stick auch Potenzial für Fehleingaben hinzu. Ambitioniertere Spieler als ich freut der erhöhte Grad an Feinkontrolle aber. Nett ist auch, dass die Neighborhood nach Kalifornien umgezogen ist und man seine Pick-up-Matches nicht mehr in deprimierend urbanen Hinterhöfen abhalten muss.

Was sind das da für Menschen im Hintergrund? Was machen die da? Und warum tragen sie keine Masken!?

Die kleinen Neuerungen fügen sich vor allem gut in das grundsolide Fundament aus wundervollen Animationen und einer durchaus cleveren KI ein. Wenn man in 2K21 einen Lauf hat, fühlt sich das an, wie in echt. unverdiente Niederlagen nach haushoher Führung sind ebenso niederschmetternd wie in der Wirklichkeit, lasst euch das von einem Bezirksliga/-klasse Nord Veteranen sagen. Dass man sich so auf seine Basics verlässt, bedeutet natürlich auch, dass es immer noch eine Menge Altlasten gibt. Shaq als Pre-Game-Experte ist immer gern gesehen, aber sein Modell sah vor vier Jahren das letzte Mal beeindruckend aus. Und auf dem Court bleibt man vor allem in der Defensive immer noch ein wenig zu häufig an anderen Spielern (Teamkollegen vor allem) hängen, was dann ein wenig frustriert. Schließlich ist man auf gute Bewertungen angewiesen, will man auch durchs Spielen ein paar VC verdienen und defensive Schnitzer machen sich besonders negativ bemerkbar.

NBA 2k21 Test - Fazit

Was wohl passiert, wenn EA Live reaktiviert und da weitermacht, wo sie mit der 19er Version aufgehört haben: bei einem unkomplizierten, schnellen und vor allem nicht mit Mikrotransaktionen durchsetzten Sorglos-zufrieden-Basketball, den man allein schon deshalb gerne spielt, weil man bekommt, was auf der Packung steht - und sich den Spaß nicht noch kleckerweise dazukaufen muss, will man nicht grinden. 2K wäre gezwungen, sowohl technisch als auch spielerisch kräftig nachzulegen und seine VC-Bettelei wenn schon nicht zu streichen, dann zumindest auf weniger essenzielle Spielbereiche zu verlagern. Andere große und aufwendige Spiele schaffen es auch, sich komplett über kosmetische Transaktionen zu finanzieren. Warum soll es hier nicht auch klappen?

Bis dahin: Solides Spiel, mal wieder, das den Sport bestens zum Leben erweckt und Hunderte Stunden beschäftigen kann. Aber Begeisterung spielt auf meinem Court schon lange nicht mehr mit. Das war mal anders. Ich will dieses Gefühl zurück.


  • Entwickler / Publisher: Visual Concepts / 2K
  • Plattformen: PC, Switch, PS4, Xbox One (getestet auf PS4)
  • Release-Datum: erhältlich
  • Sprache: Deutsch, Englisch und weitere
  • Preis: ca. 70 Euro, alle Mikrotransaktionen

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