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Ninja Gaiden Sigma

Kampfkunst für Masochisten

1985: Die guten alten Achtziger. Das Jahrzehnt der hässlichen Klamotten, schlechten Musik und sinnentleerter Martial Arts-Filme. Japanische Kampfkunst war damals total in und es gab kaum einen Mitschüler, der nicht Karate oder Judo machte. Ich selbst war klein, pummelig und vollkommen ungelenkig. So schaffte ich es als einziger von 15 jungen Anwärtern durch die Prüfung zum weißen Gürtel zu rasseln. Am Boden zerstört, beendete ich sofort meine Karriere als Kämpfer und schwelgte stattdessen in meinen Lieblingsfilmen American Fighter, American Fighter 2 und American Fighter 3. Dort konnten die Kämpfer fünf Meter hoch springen, zwanzig Gegner auf einmal niedermetzeln und mit einem Shuriken – ein Wurfstern, total verboten, hatte trotzdem jeder – einer Fliege ein Auge auswerfen. Material zum Träumen. Von einer Perfektion, die ich nie erreichen würde.

2004: Erneut dreht sich alles um japanische Kampfkunst und wieder versage ich. Ich sitze vor dem Xbox-Remake des Klassikers von 1991 Ninja Gaiden und beiße mir am ersten Endgegner die Zähne aus. Gerade mal 20 Minuten gespielt und ich bin verzweifelt. Alte Versagensängste kommen hoch und ich muss den Selbstversuch nach eine Stunde frustriert abbrechen. Nachdem ich schon in der Realität scheiterte, werde ich nun auch noch in der Virtualität geschlagen. Während ich jeden Shooter blind und mit einer Hand auf dem Rücken in Bestzeit beende, scheinen die Martial Arts meine Achillesferse zu sein. Ich gebe auf und schließe dieses dunkle Kapitel scheinbar für immer.

2007: Auf der Playstation 3 herrscht Software-Ebbe. Seit dem Release sind nur wenige erstklassige Titel heraus gekommen und die Fangemeinde lechzt nach Nachschub. Da taucht aus der Versenkung meine Nemesis auf, das einzige Spiel, das mich jemals so vernichtend geschlagen hat. Eidos bringt das Playstation 3-Remake Ninja Gaiden Sigma nach Europa und ich stehe vor der Wahl: Streiche ich die Segel und gebe den Titel ab oder stelle ich mich der Herausforderung und beweise, dass ich mich zumindest virtuell nicht kleinkriegen lasse. Chuck Norris oder Dieter Bohlen, AC/DC oder Boney M.? Eine Entscheidung ist gefallen. Man wird älter, reifer und stellt sich einer Herausforderung. Also schnappe ich mir Ryu Hayabusa und kämpfe, um seine und meine Ehre wieder herzustellen.

Der Weg des Kriegers

Der zweite Endgegner begeistert mit schicken Flammeneffekten.

Wer das erste Ninja Gaiden nicht kennt, muss sich das als eine Art Super-Hardcore God of War vorstellen. Der Hauptdarsteller ist ein moderner Ninja, der mit seiner Move-Palette jeden Prügel-Fan glücklich machen würde. Neben diversen Angriffen kann Ryu Hayabusa – Dead or Alive-Fans dürfte der Name bekannt vorkommen – an Wänden entlang laufen und wahnwitzige Sprünge vollführen. Diese Fähigkeiten benötigt er nicht nur für die vertrackte Level-Struktur, sondern vor allem für die knallharten Feinde. Die Gegner sind nämlich kein dummes Schlachtvieh, sondern gerissene Hunde, die unaufmerksame Kämpfer innerhalb von Sekunden aufs Kreuz legen. Ohne Blocken und Ausweichbewegungen sieht man noch nicht mal den ersten Endgegner, bei dem ich 2004 so kläglich scheiterte.

Diesmal konnte ich ihn übrigens schon beim zweiten Anlauf besiegen. Dank mehr Energie-Tränken, geschenkten Wiederbelebungsrollen und vor allem einer leicht verbesserte Kamera, gelang es mir, den Nunchaku-Kämpfer endlich zu überwinden. Damals musst man sich nämlich nicht nur mit den gewieften Kontrahenten, sondern auch mit einer fiesen Kamera herumschlagen, die selten das eigentliche Geschehen zeigte. Auch heute muss man zwar ständig nachjustieren, doch totale Verwirrung stellt sich deutlich seltener ein.

Neben Dämonen und Ninja tritt man auch gegen normale Soldaten an.

Diese Verbesserung ist aber nicht der Playstation 3 Fassung, sondern dem ersten Remake Ninja Gaiden Black zu verdanken. Die Neuauflage der Xbox-Version besaß neben ein paar neuen Abschnitten und einer besseren Übersicht auch ein komplexeres Waffensystem und gilt für Fans heute als bestes Beat'em'Up für Microsofts 'Last-Gen'-Konsole. Doch Tecmo musste zur Next Generation-Premiere noch einen drauf legen und verpasste Ninja Gaiden Sigma einen frischen Charakter mit zwei herausstechenden Merkmalen.

Ihr dürft in die Haut der Dämonen-Jägerin Rachel schlüpfen, die sich wahrscheinlich durch ihre enormen Brüste deutlich behäbiger als unser Ninja-Meister spielt. Im Gegenzug besitzt sie eine mächtige Sense, die das Dämonenvolk gleich reihenweise platt macht. Optisch machen die drei Abschnitte mit dem Silikon-Monster zwar wenig her, doch spielerisch liefern sie einen kleinen Tapetenwechsel für zwischendurch.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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