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Resident Evil 4 Remake: Soll ich das Original jetzt noch durchspielen?

Frage an Capcom: What're ya sellin?

Vor einem Weilchen habe ich zum ersten Mal mit Resident Evil 4 begonnen und gerade jetzt kommt Capcom mit dem Remake um die Ecke. Jetzt frage ich mich natürlich: Soll ich das Original überhaupt noch beenden oder lieber auf die Neuauflage warten? Das kommt ganz darauf an, wie Capcom die Zombie-Action wiederbelebt, denn das Original hat richtig viel Nostalgie und Atmosphäre, aber auch ordentlich Staub.

Resident Evil 4 : Weiterspielen oder auf die Neuauflage warten

Durchziehen oder nicht durchziehen, das ist hier die Frage. Die meisten werden jetzt sagen: Wo ist denn das Problem, spielst du es eben noch mal! Aber ich gehöre - wie viele, die mit Spielen arbeiten - zu den Leuten, die aus Zeitgründen froh sind, wenn sie überhaupt mal ein Game beenden.

Jetzt habe ich also ein angespieltes Resi 4 liegen und sehe die großartigen Bilder des Remakes und ich bin im Zwiespalt. Dass die neue Grafik wirklich was hermacht und noch für deutlich dichtere Atmosphäre als das Original sorgen könnte, darüber brauchen wir nicht zu reden.

Schönling Leon ist zurück im Resident Evil-4 Remake und nicht nur die blonde Mähne wird realistischer denn je.

Ich mache es trotzdem, denn: Quoten-Schönling und Ex-Boyband-Mitglied Leon S. Kennedy sieht einfach von Kopf bis Fuß herrlich realistisch aus und die unheimliche, mediterrane Dorfumgebung könnte eine ähnlich düstere Augenweide werden, wie das namensgebende Village aus Resident Evil 8.

Die ersten Eindrücke versprechen also einen deutlichen Leckerbissen im Vergleich zum Original von 2005 - nicht gerade überraschend, aber es macht trotzdem Vorfreude.

Freiheit für die Kamera - oder doch nicht?

Ein berühmtes Element von Resident Evil 4 ist natürlich die Kamera, die dem guten Leon hartnäckig am Hinterkopf klebt, als wäre sie an seinem Haargel hängen geblieben. Klar, genau das sollte auch zur Atmosphäre beitragen: Ein eingeschränktes Sichtfeld macht die Bedrohung von Außen gleich viel intensiver, die dunklen Ecken um sich herum erst im letzten Moment zu sehen, wenn es schon zu spät ist.

Ich würde mir da für die Neuauflage einen Kompromiss wünschen. Etwas mehr individuelle Anpassungsmöglichkeiten für die widerspenstige Kamera wären im alten Spiel ja schon ein Segen gewesen. Wie wäre es mit einem modernen und einem Classic-Mode?

What're you buyin?

Neben Optik und Steuerung könnte sich aber auch die Stimmung ein wenig verändern, denn der neue Trailer macht deutlich mehr den Eindruck von Grusel- statt Action-Fokus. Ernster und unheimlicher ist für ein Horror-Game mit Sicherheit keine schlechte Sache, immerhin gibt es ja auch genug Action-Spiele außerhalb des Horrors, da darf sich ein Resi ruhig etwas mehr in Richtung Gänsehaut wagen.

Für einen Angsthasen wie ich einer bin, ist es trotzdem eine Gratwanderung, also: zu gruselig vielleicht auch lieber nicht, okay Capcom? Ich weiß, ich habe ordentlich Sonderwünsche. Resident Evil 4 könnte im Remake also realistischer und damit auch düsterer und unheimlicher werden, aber da stellt sich mir die Frage: Was ist mit dem Kult?

Die Umgebung im Remake von Residen Evil 4 wird deutlich realistischer und umso düsterer - aber was passiert dann mit dem Kultcharme des Originals?

Ich weiß, das ist jetzt eine Enthüllung, aber nicht alles in Resident Evil 4 war komplett ernstzunehmen, ich meine: Ein Schönling mit der Frisur der Backstreetboys muss seine ständig kreischende Damsel in Distress retten und wird dabei noch von einem sehr schrägen Händler verfolgt, mit dem Charme eines Exhibitionisten im nächtlichen Stadtpark. All das sorgt gerne einmal dafür, dass das düstere Setting eines verseuchten, unterwanderten Dorfes ziemlich rabiat aufgebrochen wird, aber vieles davon ist eben auch Kult.

Was wäre schließlich ein Resi 4 ohne den seltsamen Händler und seine dreckige Lache? Aber passt all das noch in ein moderneres, ernsthafteres Remake? Im ersten Moment dachte ich mir sofort: Ohne diese schrägen Kult-Elemente will ich kein Resi 4. Andererseits wäre es ja auch verschenktes Potenzial und irgendwie seltsam, wenn sich die Stimmung in einer Neuauflage so gar nicht verändert.

Meine Hoffnung: Vielleicht gelingt Capcom ja eine wirklich wackelige Gratwanderung, die eine ernstere, gruseligere Situation mit einem Hauch von Fanservice ermöglicht. Und da sind wir auch schon bei einem Charakter, den man unter modernen Gesichtspunkten vielleicht ganz anders gemacht hätte: Ashley.

Leeeeon, Help oder: Was passiert mit Ashley?

Dass die Präsidententochter Ashley Graham wirklich furchtbar ist, darüber sind wir uns sicher alle einig und hätte man vor, Resi 4 von Grund auf moderner zu gestalten, müsste man bei Ashley ordentlich den Rotstift ansetzen. Als laufende Bodyguard-Quests auf zwei nackten Beinen ist sie nur dafür da, zu kreischen, wegzulaufen und Angst zu haben, womit sie Leon sowie der ganzen Spielerschaft regelmäßig auf den Zeiger geht.

Ähnlich unpraktisch ist die Kleiderwahl: Minirock, Monster-Stiefeln und oranger Wollpullover ohne Ärmel, dazu ein Weihnachtssweater um die Schultern, damit man einfach nie genau weiß, ob man mit Minusgraden oder Hitzewellen zu tun hat.

An diesem seltsamen Look scheinen sich in der Neuauflage kleine Details zu ändern - immerhin bekommt die Gute lange Ärmel - der Stil bleibt aber derselbe (zumindest muss ich jetzt mein ironisch-mieses Ashley-Cosplay nicht neu gestalten).

Ashleys Modegeschmack im Remake zu Resident Evil 4 ändert sich nur minimal, aber wie sieht es mit ihrem Charakter aus?

Die Gute spricht also gegen so vieles, was ich sonst an spannenden, starken Frauenfiguren mag, macht mich aber trotzdem nachdenklich. Genau das ist nämlich ihre Aufgabe: Man soll sie nicht mögen, sie ist ein wandelndes Meme. Dass die Gute ein flacher und klischeehafter Girly-Charakter ist, steht fest, aber dieser ist auch so überzeichnet, dass er schon wieder witzig und satirisch wirkt.

Ich glaube, für ein richtiges Resi-4-Gefühl braucht man sie so, wie sie ist. Vielleicht ist es ja auch hier möglich, ihren anstrengenden Charakter beizubehalten, ihr aber trotzdem einen Hauch mehr Realismus und Tiefe zu verleihen - wie immer eine Grauzone, in der es sich gar nicht so leicht spaziert.

Mehr Realismus und Gruselfaktor könnte den Kult-Charme gefährden, zu viel Kult macht das Ganze aber nur zu billigem Fanservice in schönerem Gewand. Alles in allem wird das also ein Drahtseilakt für Capcom, aber einer auf den ich unendlich gespannt bin. Ob ich nun warte oder das Original zuerst beende? Dieser Entscheidung bin ich nicht näher, aber meine Neugier auf die neue Version ungebremst. Jetzt heißt es nur durchhalten bis 2023.


Das Remake zu Resident Evil 4 erschein nächstes Jahr, am 24. März 2023 für PC und Konsolen.

Über den Autor

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Judith Carl

News-Redakteurin

Judith Carl ist Volontärin für News und Social Media bei Eurogamer.de. Judith hat Medienwissenschaften studiert. Sie streamt begeistert am liebsten Rollenspiele und Adventure Games auf Twitch. Ihre weiteren Leidenschaften sind LARP, Pen and Paper, und Trash-Filme.

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