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Vengeful Guardian: Moonrider im Test - Es kann ja nicht alles ein Klassiker sein oder einen imitieren

Spiel des Monats 1993. Ein einem ruhigen Monat.

Ein ordentlicher Remix seiner Meister: Hätten wir das Jahr 1992 oder 93, dann wäre Vengeful Guardian: Moonrider das Spiel des Monats. Wenn in diesem Monat nichts von Konami, SEGA, Nintendo oder Capcom erschienen wäre.

Ich nehme an, es ist immer eine Frage, was man erreichen möchte. Wenn die Absicht war einen im guten Sinne modernen Retro-Spaß zu entwickeln, dann ist das hier nix. Aber sollte es der Wunsch gewesen sein, zu zeigen, dass sich große Teile der 16-Bit-Welt damals relativ sperrig spielten, wenig elegante Animationsläufe und unintuitive Moves hatten, dann ist man mit Vengeful Guardian: Moonrider auf dem besten Wege.

Zuerst erinnerte mich das Spiel an E-Swat auf dem Mega Drive. Zu großes Sprite, sperrige Bewegungen, definitiv schlecht ausbalancierte Stellen, sofern man nicht ganz exakt so gespielt hat, wie der Entwickler sich das dachte. Als Cyber-Ninja brecht ihr aus einem geheimen Labor aus. So weit, so gut, den Spirit einer Videospiel-Story der frühen 90er eingefangen, alles richtig gemacht. Ihr schlagt mit dem Schwert Schüsse weg, kämpft mit einem von Ninja Gaiden inspirierten, aber nicht so gut umgesetzten Wand-Sprung und lernt schnell, dass es unfaire Sprünge gibt. Alles, was Contra und Co. in den Bewegungen und Animationsphasen zu Klassikern machte, kommt hier aus derselben B-Reihe, die auch damals schon hinter diesen Großen der Branche folgte. Aus gutem Grund.

Präzision und Eleganz gehen dem Spiel in diesen Momenten etwas ab.

Nachdem man sich durch die initiale Stage mit erstaunlich plumpen Bossen gesumpft hat und überlegt, dass es so viele bessere Retro-inspirierte Games gibt, beginnt Moonrider, Charme zu entwickeln. Ihr dürft nach der ersten alle folgenden Stages frei anwählen und in jeder Stage schaltet ihr Power-ups frei, die euch mal mehr, mal weniger helfen. Mega Man, das kennt man. Hier eine kurze Unverwundbarkeit, dort eine Spezial-Attacke, alles sehr limitiert und ihr könnt immer nur eine ausrüsten.

Es wird aber nicht aufgelevelt, ihr müsst ganz im Geiste des originalen 16-Bit-Spirits besser werden und hier zeigt sich, ob ihr Lust habt, die minimalistische Eingabe-Präzision an den Tag zu legen. Mal abgesehen von eher simplen Spaß-Leveln, wie einer 3D-Motorrad-Shooter-Sequenz frei nach SEGA, ist es am Ende so, dass jeder Sprung, jede Attacke ihren Platz hat und in schneller, exakter Reihenfolge auszuführen ist. Damit ist Moonrider noch unvergebender als Odallus und Blazing Chrome und erinnert mehr an Treasures Klassiker Alien Soldier. Aber Joymasher ist eben (noch) kein Treasure und erreicht dessen Eleganz nicht auch nur ansatzweise. Höchstens den Frust-Faktor.

Gute Momente hat Moonrider dennoch. Es ist eben eins zum Durchbeißen und dürfte bei einigen die richtigen Knöpfe drücken.

Was den Schwierigkeitsgrad angeht, es geht eigentlich. Vor allem, wenn ihr ein paar Mal sterbt und als Erstes dann das Rüstungs-Upgrade bekommt, das fand ich ganz lustig. Ansonsten ist es ein reines Auswendiglernen der Level und präzises Ausführen der ohnehin sehr wenigen Moves. Wenn ihr diese in den Fingerspitzen habt, dann sollte euch das Ganze nicht länger als einen Tag beschäftigen. Manche alten Hasen, die bevorzugt ihre Zeit mit vergleichbaren Games jeder Ära verbringen, werden hier nicht so groß schwitzen, ich fand Blazing Chrome schwieriger, wenngleich ich mehr Spaß damit hatte.

Für diese Sorte Spiel ist das Ganze mit seinen acht zumeist in zwei Stages unterteilten Levels jedenfalls umfangreich genug. Jeder Stage hat etwas Besonderes zu bieten, das passt alles. Joymasher macht das ja nicht seit gestern, wobei mich die oft dreckig wirkenden Umgebungen auch eher an die B-Riege der Mega-Drive-Ära erinnern als an echte Klassiker. Musikalisch ist es halt der nächste Synthwave-Soundtrack, ist okay, aber nichts Besonderes mehr.

Schön räudiges Pixel-Design.

Vengeful Guardian: Moonrider Test - Fazit

Hätten wir das Jahr 1992 oder 93, dann wäre Vengeful Guardian: Moonrider das Spiel des Monats. Wenn in diesem Monat nichts von Konami, SEGA, Nintendo oder Capcom erschienen wäre. Gutes Game, macht viele interessante Dinge, die es sich woanders abschaute, ein guter Remix seiner Meister. Heute, mit der Auswahl all der Klassiker und der ganzen neuen Retro-Indies ist es ein Fall für die Liebhaber der großen Pixel und der alten Zeit, die davon nicht genug bekommen können. Moonrider spielt sich anständig genug, ohne je zu glänzen, bietet eine solide Herausforderung und nette Stages. Bei denen sagt man halt zu oft „hey, das kenne ich“ - und denkt dabei an ein Spiel, das man statt Moonrider eigentlich spielen sollte.

Vengeful Guardian: Moonrider Wertung: 6/10

Vengeful Guardian: Moonrider Pro und Contra

Pro:

  • Guter Umfang
  • Versetzt authentisch in die frühen Neunziger
  • Handwerklich gut gemacht

Contra:

  • Sperrig in der Handhabung
  • Lässt spielerische Eleganz vermissen
  • Viel Auswendiglernen

Entwickler: Joymasher - Publisher: The Arcade Crew - Plattformen: PC, PlayStation 4, PlayStation 5, Nintendo Switch - Release: 12. Januar 2023 - Genre: Action-Platformer - Preis (UVP): 16,99 Euro

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor
Martin Woger Avatar

Martin Woger

Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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