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Vom Star zum Hersteller: Deshalb gründet Skipper Wise nach Blue seine zweite Mikrofon-Firma

Ein Interview mit Skipper Wise über Turtle Beach, Neat Microphones, Blue und Logitech

Ich bin mir sicher, als erfahrene Fans von Games und Unterhaltung, hat jede und jeder von euch entweder selbst eine Hardware von Turtle Beach beim Equipment stehen, kennt ihre Produkte oder hat zumindest schon mal von der Firma gehört. Unser heutige Gast ist ein sehr spannender, denn er ist der Gründer von Neat Microphones, die mit Turtle Beach zusammen für die Mikros in eurem Setup verantwortlich sind. Skipper Wise ist ein Musiker, der zwischen 1980 und 1990 Karriere gemacht hat, und zum richtigen Star geworden ist. Den Hit "Standing Outside in the Rain", den ihr euch im folgenden Interview anhören könnt, werden mit Sicherheit einige sofort wiedererkennen.

Mit seiner Bühnenerfahrung und der jahrelangen eigenen Nutzung von Mikrofonen gründete Skipper Wise 1995 seine erste Firma Blue Microphones und entwickelte mit dem Yeti und Snow Ball einige der bis heute beliebtesten Produkte. Im Interview erfahrt ihr, was nach dem Kauf durch Logitech passiert ist, dass das Team hinter Blue nun ein ganz anderes Unternehmen namens Neat Microphones gründete, um weiterhin beliebte Mikros zu verkaufen und warum unter anderem "Gamer" nun ihre Zielgruppe sind. Viel Spaß beim Lesen oder Anschauen!

Eurogamer.de: Hallo Skipper, danke, dass du dir heute die Zeit für uns genommen hast. Skipper Wise, du bist nicht nur Gründer deiner eigenen Mikrofon-Marke, sondern auch Musiker! Glaubst du, du hast eine besondere Perspektive auf die Nutzung von Mikros, alleine durch eine Laufbahn?

Skipper Wise: Na ja, ob's besonders ist, das müssen die Nutzer bzw. die Konsumenten selbst beurteilen. Für mich war es notwendig. Denn als Musiker habe ich mir eine Meinung zum Sound gebildet. Und dazu, was funktioniert und was nicht. Das alles, während wir im Studio mit unseren selbst-designten Mikrofonen aufnahmen. Die Songs und die Musik sind damals ganz gut gelaufen. In den USA haben wir einige Hits gelandet und auch in Europa wurden ein paar Pop-Songs berühmt. Vor allem "Standing Outside in the Rain" hat sehr gut performt. Die Audio-Aspekte haben uns bei der Arbeit immer ergänzt. Das hat zu der Gründung zu unserem Unternehmen Blue Microphones geführt. Blue [Microphones] ist darauf aus mehreren Gründen sehr schnell gewachsen. Von da an haben wir Blue verkauft und weitergemacht. Genau die gleiche Gruppe gründete daraufhin Neat [Microphones]. Und so sind wir heute bei Turtle Beach gelandet.

Eurogamer.de: Da wir schon dabei sind. Blue Microphones wurde von Logitech aufgekauft, richtig?

Skipper Wise: Das ist richtig.

Eurogamer.de: Habt ihr euch wegen etwas Besonderem mit ihnen getrennt? Kannst du diese Geschichte etwas mit uns teilen?

Skipper Wise: Ich kann hier leider nicht auf alle Details eingehen, aber es ist Folgendes passiert: Ich habe mir 2008 Partner gesucht, um Blue weiter wachsen zu lassen. Weil wenn alle deine Mikros plötzlich wollen, dann brauchst du auch viel Geld, um alle diese Mikrofone herzustellen. Also haben wir uns Partner gesucht. Und ich wusste: Je erfolgreicher wir sind, desto mehr werden meine Partner das Unternehmen verkaufen wollen. 2013 war ich ein Free Agent, als eine weitere Private Equity-Firma unser Unternehmen aufgekauft hat. Ich konnte mich also entweder dazu entscheiden, dort zu bleiben und das Ganze in eine Richtung zu entwickeln, auf die ich nicht wirklich Lust hatte. Sie entwickelten Kopfhörer und noch weitere Produkte. Aber die Entwicklung von Mikrofonen und das Wissen über Mikros war eigentlich unsere Basis. Der Gitarrenhersteller Gibson war danach der Fokus unserer Gruppe. Dort haben wir Neat gegründet. Das war eine sehr spannende Gelegenheit, mit der wir es von null auf, na ja, Wachstum geschafft haben. Wir hatten viele Ideen, die wir umsetzen wollten. Metaphorisch gesprochen wollten wir nicht mit unseren alten Tracks auf Tour gehen, stattdessen wollten wir neue Hits erschaffen! Bei Gibson konnten wir das, was wir bisher in 18/19 Jahren bei Blue Microphones gelernt hatten, aufs nächste Level bringen. Dieser Schritt war sehr simpel.

Es ist der Grund, warum wir heute bei Turtle Beach gelandet sind. Ich komme gleich darauf zurück wie genau. Leider stieß Gibson auf einige Probleme. Daraufhin ist das Unternehmen pleitegegangen, was in der Musikindustrie bekannt ist. Das war echt schade, weil wir bis dato sieben oder acht Produkte bereits direkt veröffentlicht hatten. Unsere ehemalige Firma Blue dagegen hatte in der Zeit nur ein paar Headphone-Sets veröffentlicht. Sie haben die Mikrofon-Branche nicht wirklich gefordert. Stattdessen streckten sie ihre Produkte in mehrere Bereiche. Also fingen unsere Mikrofone an, eine Menge Aufmerksamkeit zu generieren, aber Gibson geriet in Schwierigkeiten. Während diesem Konkurs, bekamen wir aber die Möglichkeit Neat wieder in unsere Hände zu bringen. Wir kauften also die Firma zurück.

Der in den USA und Europa gefeierte Musikstar Skipper Wise hat 1995 Blue Microphones und jetzt sein zweites Unternehmen Neat Microphones gegründet, um selbst Mikrofone herzustellen.

Das alles war kurz vor der Pandemie. Wir hatten ein sehr großes Inventar und während der Pandemie brauchten viele Menschen ein Mikro. Weil sie beispielsweise von zu Hause aus arbeiten oder lernen mussten. Daher sind wir recht schnell eine wichtige Wahl für viele Kunden geworden. An diesem Punkt merkten wir, dass wir noch viele neue Produkte entwerfen wollen. Nicht nur die Gen-1-Produkte, die wir für Gibson entwickelten. Ich fand, das Ganze würde uns viel leichter fallen, wenn wir den richtigen Partner finden. Wir begaben uns auf die Suche und könnten nicht glücklicher sein, dass wir so Turtle Beach fanden. Denn sie erlaubten uns einfach das zu tun, was wir als Künstler eben machen. Außerdem gaben sie uns die Unterstützung, die wir brauchten, um nicht auf einer Seifenkiste zu sitzen und zu schreien "Hey! Guck auf uns!" [...]

Der Schlüssel ist am Ende unsere jahrelange Erfahrung mit Klang, dank unserer Zeit bei Blue. Und auch das, was wir davor gelernt haben. Ich habe eine lange Karriere als Musiker hinter mir, mit 40 bis 50 veröffentlichen Alben. Mit Jazz-Musik in den USA, Pop-Hits in Europa, mein Partner Les [Pierce] und ich, haben sogar mal Acid Jazz für eine Gruppe namens Colour Club aufgenommen. Das war bei JVC - wo ich übrigens noch unter Vertrag war, als Blue so abgehoben ist und ich mich entscheiden musste. Da musste ich eine Pause einlegen, weil ich so lange ein Teil der Musikindustrie war. Aber wir hatten zu dem Zeitpunkt eine klare Vorstellung davon, was für uns "zeitgemäß" war - bezüglich Klang. Mikrofone sind heutzutage sehr von Technik getrieben. Natürlich ist auch uns der technische Aspekt sehr wichtig, aber das ist nur der erste Schritt. Wir wollen Kunst und Klang und zusätzlich Technik miteinander verbinden, um ein Lifestyle-Produkt zu erschaffen.

Eurogamer.de: Waren eure Produkte schon immer an Privatkunden gerichtet, statt etwa große Studios? Waren eure Mikros schon immer für die private Nutzung gedacht?

Skipper Wise: Nein, wir begannen damals mit den Studios. Unser erstes Blue-Mikro war ein System, in einem Wert von bis zu 10.000 $. Dieses Produkt hatte acht verschiedene Kapseln für acht einzigartige Klangaufnahmen von High End Studios. Aber was wir von ganz oben gelernt haben, haben wir nun zu Neat umgewandelt. Unser 169 $ King Bee wäre ein Produkt, das vor zehn Jahren noch 2000 $ in der Produktion gekostet hätte. Das war auch ein Schlüsselmoment für uns: Was können wir tun, um den nächsten Schritt zu erreichen? Warum sollten wir uns einfach selbst kopieren? Dieser Schritt war: Wie bekommen wir es hin, unser Know-how so anzuwenden, dass wir einen Preis hinbekommen, den sich jeder leisten kann, um damit noch mehr Kunden zu erreichen? Das ist unsere Zielgruppe. Dass unser Bumble Bee 99 $ kosten kann, ist für uns eigentlich eher ungewöhnlich. Als wir damals angefangen haben unsere Produkte herzustellen, hätte uns das drei- oder viermal so viel gekostet. Technologien, die indessen ins Spiel kommen, haben sich stark verändert. Das mit unserem Wissen vereint, hat es uns ermöglicht, die Mikrofone zum bezahlbaren Preis zu verkaufen. Und das auch noch mit einem tollen Klang.

Eurogamer.de: Ich hatte noch eine ähnliche Frage, aber ich glaube, die wurde in diesem Zuge schon beantwortet. Jede Ergänzung ist natürlich trotzdem willkommen: Ich habe mich gefragt, wie das technisch überhaupt möglich ist, mit einer hohen Qualität solche Preise zu erreichen? Zwischen den Hardware-Tests, die wir machen, scheint eure Soundqualität nämlich hochwertig zu sein.

Als wir 1995/96 angefangen haben, als wir in die Welt der Mikrofone zum ersten Mal eintauchten, wurde vieles noch händisch hergestellt. Klar, gab es schon Maschinen, die das eine oder andere übernehmen konnten, aber nur beispielsweise: Die Kapsel, die im Mikro ist und den Klang aufnimmt, ist wie ein Lied. Wenn man einen schlechten Song und eine:n gute:n Musiker:in hat, dann ist es ein schlechter Song, der gut umgesetzt wird. Aber wenn du einen guten Song hast, kannst du alles überleben (lacht) [...]

Wurden die Mikros von Skipper Wise zu Anfang noch für High-End Aufnahmestudios entworfen, so sollen die Produkte von Neat Microphnes für alle bezahlbar und zugänglich sein.

Ich zeige euch mal was: Das hier ist ein Catalin Radio, das in den 30ern von einem Herrn namens Paul Fuller entworfen wurde. Er arbeitete damals für eine Firma namens FADA. Er hat zudem viele kunstvolle Designs mit diesem speziellen Material entworfen: "Phenol-Formaldehyd-Kunstharz", manche nennen es Catalin. Diese Radios sind sehr erfolgreich geworden. Vorher gab es Radios aus Holz, aber die waren nicht so begehrt, daher wollten alle seine Werke zu Hause stehen haben! Wenn ihr kurz hinter mich schaut: Die Lichter, die sich dort drehen, sind von einer Jukebox. Diese Jukebox wurde im Jahr 1938 gebaut. Es gab einen Gentleman, der bei Wurlitzer gearbeitet hat. Sein einziger Job bestand darin, sich zu fragen, wie er diese riesigen Boxen in die Häuser der Menschen bekommt. Wie werden sie so beliebt, wie die Radios? Also ging er zu Paul Fuller und fragte ihn. Sie arbeiteten zusammen, kombinierten Kunst und Technik und kreierten ein Lifestyle-Produkt, das sehr erfolgreich war. Familien stellten diese Produkte ins Haus und er wurde zum Mittelpunkt ihrer Unterhaltung. Wenn man sich also alle Neat-Produkte anschaut und was wir mit Blue Microphones gemacht haben, findet man niemanden, der so aussieht, wie wir. Wir sind vollkommen fasziniert vom Art-Déco-Stil der 1920/30 und der frühen 40er.

Wir wurden zudem von meiner eigenen Zeit als Tontechniker und auch als Künstler beeinflusst. Von unseren eigenen Tracks, die im Radio gespielt wurden. Wir hatten immerhin Songs auf Platz 1 in den USA und Top 10 Hits in Europa, mit dem, was wir machten. Die Menschen liebten den Klang unserer Produktionen. Unsere Ahnung von Klang war also in einem Bereich, der zeitgemäß war und funktionierte. Wenn man da die technische Komponente von unserem Ingenieur Martins Sulespurens dazu nimmt, hat man plötzlich eine Band, die so einzigartige Produkte herstellt, dass sie sich von allen anderen sofort unterscheiden. Als wir das erste professionelle USB-Mikro kreierten, erfanden wir den Snow Ball. Dieses kleine, runde, sphärische Ding, das 2005 rasch beliebt wurde. Wir haben da unser ganzes Leben reingesteckt. Als wir zum Beispiel den Mirko-Stromkreis dafür entwarfen, arbeiteten wir mit den Technikern von Apple, die damals ein USB-Mikrofon suchten.

Die runde Kapsel ist bei den Mikros von Skipper Wise und Team nichts Neues: Das Design war bereits bei der Firma Blue Microphones beliebt. Heute sehen wir sie beispielsweise bei der King Bee.

Das war für ihre iLive-Suite, also: iMovie, GarageBand, Logic, Final Cut. Wir sendeten ihnen unseren Circuit in einem typischen Mikrofon zu und sie sagten: "Das klingt echt toll, aber wie wird das Mirko denn aussehen?" Zu der Zeit spielten Ken und ich "Softball" in Amerika - das ist wie Basketball, nur mit größerem Ball. Ken sagte: "Komm, wir machen ein Mikro aus einem Softball!" Also gingen wir zu Blue mit diesem 10 cm großen, runden Softball. Mir haben ihn ausgemessen und das wurde dann zu der Form, aus der unser Snow Ball entstand. Und das bedeutet es, sein Leben in die Arbeit zu stecken. Es ist also immer etwas Persönliches im Spiel, eine Leidenschaft und das Gefühl, sich darum kümmern zu wollen. Hier startet also die Reise. Das brachte uns zum Yeti, der 2009 an Beliebtheit gewann. Der ist immer noch beliebt. Es ist wichtig hervorzuheben, dass wir dieses Mikrofon vor 12 Jahren entworfen haben. Sogar vor 13 Jahren. Würdest du einen 12 Jahre alten Laptop benutzen? Dinge verändern sich eben. [...]

Wir gehen da nicht ran, mit der Erwartungshaltung wie andere sein zu wollen - das zu machen, was "Alle" machen. Wir wollen unsere Einzigartigkeit finden. So wie du auch gerade zum Beispiel diese einzigartigen roten Kopfhörer trägst. Das ist halt Teil deines Styles. Du stehst auf und denkst dir: "Wie möchte ich heute aussehen? Was ist meine Herangehensweise, was ist meine Meinung von dem, wer ich bin?" Genau das Gleiche macht unsere Gruppe. Ich glaube, das findet man bei anderen Mikrofon-Unternehmen nicht. Sie werden sich immer an dem orientieren, was andere Menschen bereits gemacht haben. Natürlich wurden wir auch von anderen beeinflusst, wir alle werden ständig von irgendwem beeinflusst. So findet man überhaupt Interesse an etwas, egal ob als Künstler, als Handwerker oder als Mikrofon-Hersteller. Aber irgendwann muss man darüber hinaus wachsen und zum eigenständigen Menschen werden. Genau das macht das Team, was jetzt Neat ist, seit über einem viertel Jahrhundert. Wir sind sehr einzigartig geworden und schauen uns jetzt an, wie andere versuchen uns zu kopieren. Aber selbst wenn man jemanden kopiert, ist man nur eine Nachahmung. "Finde deine eigene Stimme!" Das haben wir über 25 Jahre lang getan. Das kann man uns nicht nehmen, das ist das Schöne am Älter werden.

Eurogamer.de: Hat man in diesem Business viel mit Nachahmern zu tun?

Skipper Wise: Ja, das haben wir. Aber wenn man selbst keinen Preis für seine Werke zahlt, muss man sich mit sehr vielen Hindernissen auseinandersetzen, mit denen diese Menschen dann nicht klarkommen können, weil sie die Erfahrung dafür nicht haben. Sie wissen nicht, wie es ist, ein "Nein" zu hören und sich trotzdem durch eine Ablehnung durchzuarbeiten. Ist das Leben nicht generell so?

Eurogamer.de: Hast du ein Lieblingsmikrofon? Eins, das dir während der Musikaufnahmen besonders im Gedächtnis geblieben ist? Oder waren Mikros eher immer eine Hardware, die man als Tool nutzt, um etwas anderes herzustellen?

Skipper Wise: Ich war schon immer ein großer Fan von Mikrofonen. Immer, wenn ich eine Aufnahme machte, hatte ich schon Gedanken dazu in meinem Kopf. Ich dachte mir: "Wie bekomme ich das jetzt raus?" Und damals (lacht) DAMALS - Das war so Ende der 80er und in den frühen 90ern, eigentlich bis 1995. Das war die Zeit, bevor wir unsere eigenen Mikrofone produzierten. Da fragte ich mich, wie ich das, was in meinem Kopf passiert, freischalten kann. Damals haben wir nicht oft "Samples" benutzt, wir haben stattdessen selbst vieles aufgenommen. Wir waren da ja noch nicht mal digital, sondern analog unterwegs. Wir mussten den Klang irgendwie festhalten, während die Mikrofone geschlossene Systeme hatten. Da habe ich angefangen, Mikrofone zu sammeln. Ich wollte herausfinden, wie ich es schaffe, ein Schlagzeug auf eine gewisse Weise klingen zu lassen, wie bekomme ich es bei meiner akustischen Gitarre hin, wie ist das beim Bass, für den ich bekannt war, während ich Jazz spielte? Als ich anfing zu singen und eine Pop-Karriere hatte, hat das mein Leben verändert. Vor allem in Bezug darauf, wie wichtig Mikrofone sind. Der Song, den ich vorhin erwähnte, der beliebte Song in Europa Standing Outside in the Rain. Ich hatte den Tag der Aufnahme damals mit Peter White verbracht, einem tollen Künstler und Freund von mir. Meine Stimme habe ich damals auf einem alten Vintage Mikrofon aufgenommen, dem U 47 von der Firma Neumann. Ich war Fan all dieser Unternehmen.

Ein großer Teil des Herstellens von Mikrofonen ist für Skipper Wise die Verbindung von Kunst und Klang. Dass Art-Déco-Stil ihn stark beeinflusste, sahen wir im Interview zum Beispiel an der affenstarken Tapete.

Ich habe damals Mikrofone gesammelt: Von Neumann, AKG, SCHOEPS, selbst russische Mikrofone, Oktava, Lomo oder Telefunken und auch alle möglichen Mikros, die von Neumann und AKG erstellt wurden. Ich hatte eine riesige Kollektion all dieser Produkte und verbrachte meinen Tag also damit, meine Stimme auf diesem Neumann-Mikrofon aufzunehmen. Dieses Neumann-Mikro hat zwar für viele wunderbare Dinge funktioniert, aber als ich nach Hause kam und mir meine Aufnahme anhörte, mochte ich einfach nicht, wie meine Stimme darauf klang. Dabei haben wir so viele Stunden damit verbracht, den Gesang richtig klingen zu lassen. Nach dem Abendessen ging ich zurück ins Aufnahmestudio. Das alles ohne meinen damaligen Produzenten und Partner Peter [White]. Ich nahm dann ein Mikro in die Hand, namens AKG 414. Das war ein altes AKG-Modell mit einer Kapsel vorn, von der ich bis heute beeinflusst wurde. Weil meine Stimme dadurch sehr präsent klingen konnte. [...]

Heute gibt es "Gamer". Heutzutage haben wir Menschen, die Podcasts aufnehmen. Leute machen Inhalte, die so schwer herzustellen wären, als ich damals aufgewachsen bin. Ich musste jeden Cent sparen, um ihn in mein Equipment zu reinvestieren. Damit wir überhaupt aufnehmen können, damit wir nicht anderen Leuten zuhören müssen, wie man Aufnahmen macht. Wir wollten das lernen, wir wollten selbst etwas werden. Genauso teuer war es, ein Unternehmen für Mikrofone ins Leben zu rufen. Es war einfach schwer herauszufinden, wie man es anstellt, genug Equipment zu bekommen, um überhaupt Künstlerin oder Künstler sein zu dürfen! Heute kauft man sich einen Computer. Dann gibt es ein kostenloses Programm, wie GarageBand, das direkt im iMac enthalten ist. Es ist unglaublich, mit Programmen wie Audacity kann man einfach umsonst aufnehmen. Was Neat bietet, ist unser komprimiertes Wissen von Klang zu Preisen, von denen man vorher nur hätte träumen können, bis heute. Hätten wir tun können, wenn wir heute erst angefangen hätten? Einfach ein Mikrofon zu diesem Preis aus dem Boden stampfen? Ich denke nicht. Wir mussten zuerst ein viertel Jahrzehnt alles über Klang lernen. Wir mussten lernen, was es heißt einzigartig zu sein, wie wir den nächsten Schritt einleiten können. Wir würden das heute nicht bei Turtle Beach nicht machen, wenn wir nichts Neues beizutragen hätten.

Eurogamer.de: Du hast damit ja bereits das "Neue" angesprochen. Die Nutzung von Mikrofonen von 1995 bis jetzt hat sich ebenfalls verändert. Müssen Mikrofone anders gebaut werden, weil die Nutzung sich so sehr von der Nutzung von vor 20 Jahren unterscheidet?

Skipper Wise erklärt uns, wie wichtig ein klarer Klang bei der Kommunikation ist. "Sound transportiert Gefühle", sagt er.

Skipper Wise: Ja. Ich meine, kannst du dir vorstellen, dass du dieses Interview hier von zu Hause aus machen kannst? In einer kleinen Umgebung eine ganze Karriere aufzubauen? Sich einfach ein Headset, ein Mikro kaufen, den Computer für Interviews nutzen, um sich einen eigenen Platz zu schaffen. "Gamer" gab es damals nicht. Ok, wir hatten vielleicht Pac-Man, als ich ein Kind war. Wir haben Pong auf dem Atari gespielt. Wenn man sich anschaut, was wir heute machen, ist das phänomenal. Und Sound ist wichtig. Während man in einem Spiel mit deinen Partnern im Team kommuniziert, muss man dafür sorgen, dass die Partner einen klar verstehen können. Oder dass das Publikum dich gut verstehen kann. Das ist mir mal passiert:

Als ich mich früher mit den Mikrofonen und den IO-Boxen vertraut machte, bin ich viel mit meinem Laptop gereist. Ich wollte sicherstellen, dass ich meine Familie in den USA erreichen konnte, während ich in Europa war. Ich weiß noch genau, wie einer meiner Kinder sagte: "Ich liebe dich, Papa!" Zu Hause hatten wir damals das gleiche Mikro, wie das, was wir verkauften. Der Unterschied, wenn dein Kind sagt [nuscheln] "ich lieb' dich, Papa" oder ein klares "Ich liebe dich, Papa!" ist da schon ein riesig. Wenn man klar hören kann, dann kann man auch die Emotionen klarer verstehen. Klang ist Emotion. Das einzufangen und an eine Person weiterzugeben, ist am Ende das Tolle am Erstellen und Entwerfen dieser Produkte. Da sind wir stolz drauf.

Also egal, was Du machst, wenn Du Deine Informationen und Emotionen, Deine Art, mit der Welt zu kommunizieren, mit wem auch immer besser machen kannst, desto besser kommt es an. Von Experten wissen wir, wie man den Klang der Stimme einfangen kann. Plötzlich machen wir heutzutage etwas Einzigartiges. Da draußen ist ein ganzer Atlantik an Menschen, die alle Mikrofone brauchen. Sowas hatten wir in den 80ern und 90ern nicht. Da gab es nur große, teure Aufnahmestudios. Deshalb finden wir mit Blue Microphones an Mikros für große Studios herzustellen. Sie waren diejenigen, die das gekauft haben und wir hatten 10.000$-Mikrofon-Systeme. Na ja, heute haben wir unglaublich viele Menschen, die Mikrofone brauchen und ich glaube nicht, dass eine Durchschnittsperson 10.000 $ für ein Mikrofon ausgeben kann. Also mussten wir herausfinden, wie wir unser Wissen in ein Produkt stecken können, das zu einem Preis auf den Markt kommt, den sich normale Menschen leisten können.

Eurogamer.de: Wenn ich jemand wäre, der absolut gar nichts über Mikros weiß, wenn ich noch nie eins genutzt hätte, und ich würde jetzt erst anfangen wollen, mir eins zuzulegen, was müsste ich beachten und wie könnte ich das perfekte Mikrofon für mich finden?

In unserem Line-up gibt es aktuell einige USB-Mikros. Es kommen noch einige Mikrofone auf den Markt, über die ich nicht sprechen kann, aber es ist aufregend! Da wäre der Skyline, ein sehr simples Mikrofon mit einem riesigen Knopf zum Stumm schalten. Das ist super, um mit hochqualitativem Klang in Berührung zu kommen. Für den Preis ist es super, um Anrufe per Zoom beispielsweise zu machen oder wenn man Stimmen für einen Podcast aufnimmt. Es ist günstig für den Anfang, man kann leicht zwei kaufen, um sich selbst und eine weitere Person aufzunehmen. Wenn man einen Schritt weiter möchte, wird es hier für USB richtig spannend.

Die sogenannte "Neat Microphone Family" bietet eine vielfältige Auswahl: Von USB- bis XLR und von Zoom-Gesprächen bis zum Streamen, sind verschiedenste Mikrofone für unterschiedliche Anwendungen gedacht.

Mit unserem Bumble Bee für 99 $. Das ist ein super Wert, weil es nicht einen tollen Klang hat - zu dem ich gleich komme. Es hat einen Output für Kopfhörer, die man ganz einfach anschließen kann. Vorn gibt es alle Kontrollpunkte, die man hat, man hat eine einfache Bedienung, durch die man jeden einzelnen Bereich kontrollieren kann. Wenn man etwa nah herankommen möchte, kann man die Sensitivität dadurch besser kontrollieren. Es hat eine Kopfhörer-Regulierung, mit der man per Knopfdruck die Farben wechseln kann. Auch wenn man Aufnahmen macht und dann zum Anhören wechseln möchte. Es hat auch einen Knopf zum Mixen und zum Regulieren von dem, was in der Aufnahme durchkommen soll. Das kann ein sehr hilfreiches Tool sein. Hier kommen aber die zwei besten Werkzeuge: Erstens, kommt das Mikro mit einem eigenen Stand, das man direkt vor sich stellen kann. Man kann es auch einfach abnehmen und auf ein Stativ stellen. Und, das für mich allerwichtigste: Die Kapsel. Erinnert ihr euch noch an das Lied, über das ich vorhin sprach? Es handelt sich um eine 25 mm Kapsel. Keine klassische Kapsel, die wir früher für alte Produkte benutzt hätten. Vor 12/13 Jahren hätten wir eine mit 14 mm benutzt, die damals sehr beliebt war. Die Technologie hat sich verändert und wir können jetzt eine viel größere Kapsel nutzen. Drumherum haben wir einen Wechselreis entwickelt, der einen großen, saftigen Klang ermöglicht. Die Bumble Bee ist eine gute Wahl.

Wenn man jetzt ein wenig Spaß haben möchte und eher eine sogenannte In- and Out-, Box will. Dann gibt es einige Produkte mit IO-Boxen. Dann könnte man mit der Worker Bee anfangen, die die gleiche Qualität, wie Bumble Bee bietet oder es noch weiter treiben. Übrigens kostet die Worker Bee auch 99 $. Oder man nimmt die King Bee für 169 $. Jetzt betretet ihr die Welt von dem, was wir True Condenser Capsules nennen. Hier kommt unsere feinste Kunst und unsere beste Arbeit zum Vorschein. Wir sind überzeugt, dass niemand mit diesem Produkt mithalten kann, nicht für den Preis. Also, für etwas Einfaches, nehmt ihr das"Skyline. Sehr eingängiges Mikro für den Anfang. Im Einkauf für 69 $ kann man nichts falsch machen. Mit der Bumble Bee für 99 $ geht es dann mit der besseren Soundqualität weiter. Dann kann man in die Welt von IO-Boxen und digitalen Aufnahmen eintauchen. Da kann man mit der Worker Bee für 99 $ anfangen, oder man nimmt gleich die King Bee für 169 $. Das sind die vier Produkte, die alle grundlegenden Bedürfnisse decken. Und mehr erscheint bei uns dann später.

Ich finde, das hat uns einen hervorragenden Überblick über all eure Produkte verschafft. Und das war's schon. Danke Skipper, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu sprechen.

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Ana Kudinov

Video Editor

Ana macht bei Eurogamer.de seit 2020 die Video-Redaktion. Sie streamt in ihrer Freizeit und spielt viel Strategie- und Indiespiele am PC - kann aber grundsätzlich mit jedem Genre und jeder Konsole etwas anfangen. Ana liebt es sich über Japan und Anime zu unterhalten und verbringt dementsprechend auch viel Zeit mit JRPGs und anderen Besonderheiten aus dem asiatischen Raum.

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