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You Suck at Parking - Test: Müsst ihr es mir wirklich unter die Nase reiben, dass ich nicht einparken kann?!

Ein liebevoller Diss und ein wundervolles Spiel
Eurogamer.de - Empfehlenswert Badge
Knackige Herausforderungen in einem fröhlichen Rennspiel. Euer Zeitplan wird die schnellen Neustarts und weltweiten Ranglisten hassen!

Im Grasland war’s noch okay. Da läuft der Soundtrack beschwingt nebenher und klingt manchmal, als wäre ein beschleunigender Motor Teil des musikalischen Ensembles. In der Eiswelt singt eine zuckersüße Stimme dann aber ständig leise: “You suck at parking.” Was ja auch stimmt, wenn man das kleine Vehikel gerade zum hunderdsten Mal über eine Klippe kippen lässt, weil man beim Absprung erneut den Winkel verpasst hat, mit dem man das halbe Level hätte abkürzen könnte – wenn man es denn kann.

Es reicht ja nicht, den Wagen sicher auf der markierten Parkfläche abzustellen. Vielmehr würde ich das auch gerne so tun, dass ich in der weltweiten Rangliste auf einem der vorderen Plätze lande. Aber Wunsch und Wirklichkeit, das ist nun mal der Unterschied, den diese liebliche Stimme gerade schon wieder und erneut ganz sanft mit ihrer Feststellung meiner Abstell-Skills beschreibt.

Vor dem Start kann man sich die Strecke in Ruhe ansehen um Routen zu allen Parkplätzen zu finden.

Nun muss man sich diesem Perfektionismus nicht hingeben. Man kann seine Boliden auch einfach innerhalb des Zeitlimits auf allen drei Parkflächen abstellen (sobald einer anhält, wird man in den nächsten gesetzt), das Gleiche im nächsten Level tun und so weiter, bis man genug Punkte zusammengekratzt hat, um weitere Level freizuschalten. Dafür muss man nicht mal alle vorhandenen Aufgaben lösen, sondern darf besonders knifflige Herausforderungen überspringen.

Als Menü dient dabei eine aus Inseln bestehende Oberwelt, wobei man durch das eben beschriebene erfolgreiche Parken Zugang zu weiteren Inseln erhält. In dieser Oberwelt findet man außerdem besonders anspruchsvollen Meister-Level, die schon früh deutlich anspruchsvoller sind als die fürs reguläre Vorankommen notwendigen. Spätestens dort verkomplizieren nicht nur Rampen, herabfallende Streckenteile und elektrische Leitplanken das Erreichen der Parkplätze, sondern auch gigantische Ventilatoren, Magneten, ausgehendes Benzin sowie quer über die Straße schwingende Hämmer, dank denen ich mitunter schon froh war, wenigstens eine der zwei, drei oder mehr Abstellflächen zu erreichen. Von anderen Verkehrsteilnehmern, bissigen Polizeiwagen und ferngelenkten Raketen mal ganz zu schweigen.

Auf der Oberwelt steuert man Parkplätze und diese Master-Level-Zugänge an, um Zugang zu jeweils einer Hand voll Level zu erhalten.

Schadet der Motivation aber überhaupt nicht! Ein Knopfdruck und schon startet man ja von vorn. Ein anderer Knopfdruck und man lässt die Zeit zwar weiterlaufen, setzt sich aber ins nächste Fahrzeug, während das vorherige noch ausrollt. Das alles binnen eines Wimpernschlags – viel schneller als in Trackmania und damit so verflucht zeitfressend, weil man immer schon den nächsten Run fährt, bevor man sich ans Aufhören erinnert.

Ach, und weil sich der Vergleich mit Trackmania nun mal aufdrängt: So präzise wie dort steuert man die flotten Zweitürer hier nicht. Schneller als mir manchmal lieb ist, schlatzt man einen nutzlosen Donut in den Asphalt oder dreht die Lenkung das entscheidende Stückchen zu weit, sodass man quer statt geradeaus über eine Rampe saust.

Umso bedauerlicher, dass man die Lenkung nicht aufs Digikreuz legen darf. Dabei finde ich das hier genau wie in Trackmania eine Idee präziser. Kann man über Steam natürlich genauso eingerichten, habe ich auch getan und fühle mich seitdem etwas wohler. Nur sollte das eben auch auf Xbox möglich sein. Und apropos Steam: Im Gegensatz zur Demo läuft You Suck at Parking jetzt mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde und nur gelegentlichen Frametime-Abweichungen (nach denen fühlt es sich jedenfalls an) auf Valves Handheld. Tatsächlich habe ich es fast ausschließlich mobil gespielt.

Spätestens in den Master-Leveln wird's teilweise haarig. Da muss man mitunter sehr schnell knifflige Abschnitte unter erschwerten Bedingungen durchfahren und kann froh sein, wenn man innerhalb des Zeitlimits alle Ziele erreicht.

Wenn meine Wägelchen jetzt nur nicht mehr gelegentlich hinter einem Berg verschwinden würden; das erschwert das Erreichen mancher Parkflächen doch enorm. Und wenn ich vor allem nicht erst den Weg über fünf Inseln finden müsste, um zu früheren Levels zurückzukehren. Das hätte man in einem Spiel wie diesem besser lösen können.

Gerade das schnelle und unkomplizierte Verbessern ist hier doch der entscheidende Kick! Denn was man an Abkürzungen und verqueren Sprüngen alles finden kann – nur um anschließend freilich festzustellen, dass die ersten Zehn der Welt noch mal fünf Sekunden schneller sind. Tja, und hätte es mal nicht zehn Stunden gedauert, bis ich endlich auf den entscheidenden Kniff gekommen bin, ohne den bis auf Ausnahmen keine einzige Bestzeit möglich ist. Könnt ihr natürlich vergessen, dass ich den hier preisgebe!

Na, fein: Er steht etwas versteckt ein paar Abschnitte weiter oben schon geschrieben. Das muss aber reichen.

Im Multiplayer fahren im Grunde Alle für sich, kommen sich gelegentlich aber natürlich in die Quere. Nach jeder Runde wechselt das Spiel dabei automatisch zum nächsten aktuell in der Rotation befindlichen Level.

Dem Spiel reicht es an dieser Stelle hingegen noch lange nicht; da ist nämlich auch ein Online-Modus, in dem bis zu acht Teilnehmer so schnell wie möglich alle acht oder mehr Parkplätze anfahren und sich dabei natürlich gegenseitig in die Quere kommen. Ist weniger stressig als es klingt! Macht vielmehr so einen Spaß, sodass ich mich zur Abwechslung sehr gerne in die 20 Level der aktuellen Map-Rotation stürze, um mich von den Experten dort vorführen zu lassen.

You Suck at Parking – Fazit

You Suck at Parking (kleiner Tipp: nicht am Arbeitsplatz danach googlen) hatte mich schon mit der auf Steam erhältlichen Demo gepackt, weil das knifflige Anfahren der Parkplätze nicht nur im erfrischenden Kontrast zu herkömmlichen Rennspielen steht, sondern sich bis auf Kleinigkeiten auch klasse anfühlt und auf besonders hartnäckige Art diesen Einer-geht-noch!-Impuls anstachelt. Mit dem Meistern der mitunter fies vertrackten Parcours, dem schweißtreibenden Optimieren der Bestzeit sowie der flotten Online-Rangelei ist das Ganze zudem erfreulich abwechslungsreich – und für Game-Pass-Abonennten sogar im aktuellen Sortiment enthalten. Werft deshalb unbedingt mal einen Blick auf diese ungewöhnliche Parkplatzsuche!

You Suck at Parking - Pro und Contra

Pro:

  • Dutzende abwechslungsreiche Levels in verschiedenen Umgebungen
  • Relativ entspanntes Freischalten aller Levels
  • Motivierendes Verbessern im weltweiten Online-Vergleich
  • Sehr schneller Neustart
  • Unterhaltsamer Onlinemodus für bis zu acht Spieler
  • Amüsanter, beschwingter Soundtrack

Contra:

  • Furchtbar umständliches Anwählen früherer Level
  • Steuerung ist nicht immer hundertprozentig präzise und kann nicht komplett frei belegt werden

Entwickler: Happy Volcano - Publisher: Happy Volcano - Plattformen: PC, PlayStation 4, Xbox One, Switch - Release: 14.9.2022 - Genre: Rennspiel, Jump’n’Run - Preis (UVP): 19,99€ (PC)

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

Über den Autor

Benjamin Schmädig Avatar

Benjamin Schmädig

Redakteur

Für ihn ist WipEout 2097 der Grund, aus dem es Videospiele gibt – aber auch Indiesachen, Shooter sowie fast alles, das mit Weltraum zu tun hat. Sucht gute Storys, knackige Herausforderungen und freut sich, wenn die grauen Zellen nicht unterfordert werden.

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