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Zum 5. Geburtstag der Switch: Warum der Handheld-Hybrid meine Spielwelt verändert hat

Nicht noch ein Geburstagsartikel, oder? Doch. Versucht nur, mich aufzuhalten.

Damit wir das gleich klarstellen: Dieser Artikel existiert nicht, um der Switch den Hintern zu pudern. Ich habe in den letzten zwei Jahren häufig genug mit ihr gehadert und zuletzt Nintendos Festhalten an der überalterten grundlegenden Technologie ziemlich bedauert. Digital Foundry kann Doom Eternal oder The Witcher 3 auf diesem Handheld-Hybriden noch so lange als kleines technologisches Wunder ausrufen (und damit Recht haben), für mich sieht das einfach nicht mehr gut aus und fühlt sich auch nicht so an.

Trotzdem liebe ich die Switch - und dafür gibt es eine Menge Gründe, die man heute, an ihrem fünften Geburtstag, ruhig auch mal sagen kann. Als verbalen Strauß Blumen, sozusagen. Ich bin wohl nicht der einzige, der nach dem ersten Ankündigungstrailer skeptisch war, ob die Sache mit dem "Switch" vom TV- zum Handheld-Betrieb so gut und nahtlos funktionieren würde, wie der erste Trailer mit all diesen schönen, jungen, hippen Nintendo-Fans versprach. Aber doch, das funktioniert exakt so gut, wie die Reklame es verhieß - und das war dann wohl auch der Schlüssel zum Erfolg.

Dieser Formfaktor hat viel für die Befreiung der Konsole von ihren üblichen Fesseln und ein aufgelockertes Spielverhalten meinerseits getan. Der Traum vom Immer-und-überall-Spielgerät wurde über Nacht Wirklichkeit, während Nintendo sich mächtig reinhing, die üblichen Handheld-Zugeständnisse in Sachen Bedienbarkeit, Spielkomplexität und Grafik zumindest für die erste Hälfte des bisherigen Lebenszyklus komplett vergessen zu machen.

Konsolen waren immer die Pick-up-and-play-Art, mit Games zu interagieren. Oder sie taten zumindest so. Tatsächlich aber hatten sie sich mit den Jahren und ihren zunehmend komplexeren Betriebssystemen und Hardware-Setups immer weiter davon entfernt. Die Switch dagegen brachte uns schneller ins Spiel zurück als je zuvor. Das öffnete immer wieder kleine Gelegenheitsfenster, mal hier, mal dort flugs die Konsole aus dem Dock zu ziehen und eine Runde weiterzudaddeln. In den ersten Jahren der Switch spielte ich vielleicht nicht unbedingt mehr, aber öfter und - ja - auch bewusster. Keine große Sache aus einer kurzen Zock-Session zu machen, hatte eine befreiende Unverbindlichkeit, die ich bis heute wohl am meisten an Nintendos vielseitigem kleinem Spielgerät schätze.

Sorry, da ist ein Urlaubsfoto von mir und meinen Kindern in den Jubiläumsartikel gerutscht...

Handheld-Spiele waren plötzlich kein bloßer zusammengedampfter Ableger mehr, nicht mehr die Kompromissversionen von Dingen, die es auf anderen Geräten in besser gab - nein, sie waren oft genug "the real deal" und der bevorzugte Aggregatstzustand eines Erlebnisses. "Kommt das auch auf Switch?" war nicht ohne Grund lange die erste Frage, wann immer irgendwo ein neues Spiel angekündigt wurde.

Sicher, das hat sich mittlerweile, wie ihr anhand der einleitenden Worte wohl ablesen könnt, zumindest subjektiv für mich ein bisschen geändert. Die Zeit ist eben für die Technik nicht stehengeblieben. Aber der große Bildschirm und die sicher nicht perfekte, aber im Vergleich zu jedem anderen Handheld bis dahin deutlich entspanntere Ergonomie sorgten dafür, dass sich die Switch nicht wie eine Notlösung anfühlte. Eher wie die angedachte Art und Weise, neben Nintendos fantastischem eigenen Output insbesondere die vielen Retro-inspirierten Titel zu erleben, die sich auf der Switch besonders wohlfühlten.

Jetzt noch auf neue Innereien umsteigen, dann ist wieder alles gut.

Mich für Shovel Knight extra an den Rechner zu setzen... danke nein. Mal eben die Switch mit auf die Couch nehmen, um doch noch einmal den Boss zu versuchen... das wiederum klingt wie eine verlockende Einladung. Vor allem, wenn man zwei Kinder hat, die die eigene Freizeitplanung... sollen wir "verkomplizieren" sagen? Die Switch mag nicht meine Primärplattform zum Spielen sein. Gleichzeitig ist es aber wohl das Spielgerät in meinem Gaming-Ökosystem, dessen Abwesenheit sich für mich am meisten bemerkbar machen würde. Gewissermaßen unersetzbar.

Insofern: Danke, Nintendo. Ihr habt begriffen, dass Zugänglichkeit auch bedeutet, sich den Lebensrealitäten langsam (und ich meine laaaaaaaangsaaaaam) erwachsen gewordener Videospieler anzupassen. Noch dazu, ohne auch nur ein bisschen angepasst zu wirken. Das ist ein Move, den legt nur wenige so waghalsig aufs Parkett legen. (Und jetzt ab, die Switch Pro zu Ende entwickeln!)

Über den Autor
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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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