Kartuga: Browser, Unity, Free-2-Play. Und trotzdem ist es eure Zeit wert.

Pirates-Seeschlachten für überall

Früher war alles besser? Sicher? Für ein Spiel wie Kartuga musste man damals echtes Geld bezahlen. 100 Mark und Platz im Regal brauchte die Box auch noch. Ok, ich gebe zu, ich mochte die Boxen und ich hätte nichts gegen die Rückkehr größerer, schönerer Boxen. Aber Kartuga ist nicht nur dafür, dass es im Browser auf Unity läuft und nichts kostet, ein erstaunlich nettes Spiel. Halt, zurück, ja, ich sagte Browser, Unity und jetzt auch noch Free-to-play, aber bleibt trotzdem noch einen Moment.

Vor allem, weil das hier ein Skill-basiertes Spiel ist, in dem eine von Level, Werten und gekauften Extras hoffnungslos unterlegene Truppe, die koordiniert spielt, einen Haufen planloser High-Level-Spieler ganz schön aus dem Wasser sprengen. Aber erst einmal: Worum geht es überhaupt? Die kurze Antwort wäre wohl "Pirates!". Ohne Windrichtungen, mit nur einem Schiff, aber viel, viel mehr Optionen bei diesem. In einer wasserreichen Fantasy-Welt zieht ihr mit eurer anfänglichen Nussschale auf der Suche nach Reichtum über die Ozeane, erfüllt Quests und ballert dabei auf jede Menge anderer Schiffe. Was Piraten halt so tun.

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Die Städte sind eine sichere Zone.

Dabei steht zuerst PvE an erster Stelle, während ihr die ersten Erfahrungspunkte sammelt und euch mit der Steuerung vertraut macht. Ohne auf die Windrichtung achten zu müssen, ist diese nicht sonderlich komplex. Vorwärts und Wende, einen Rückwärtsgang haben Segelschiffe bekanntlich nicht. Ein paar kleine Küstenwachenschaluppen und ahnungslose Fischer später seid ihr ein paar Level hochgerutscht und habt euch die Seebeine verdient.

Jetzt geht es langsam an das Aufrüsten. Die erste wichtige Entscheidung trefft ihr schon bei der Anmeldung des Ersten von zwei Gratis-Charakteren - weitere gegen Echtgeld -, indem ihr zwischen dem Engineer (Support), Protector (Tank) oder Destroyer (verschieden Taktiken, die alle im möglichst schnellen Untergang feindlicher Schiffe enden) wählt. Jede der drei Klassen spielt sich deutlich unterschiedlich und forciert gerade mit den Eigenschaften eures Schiffs diese Spielweise. Mit einem Engineer schneller Jäger zu üben war jedenfalls nur bedingt erfolgreich.

Danach geht es an das eigentliche Aufrüsten, sobald ihr Ressourcen gesammelt habt. Dabei ist zumindest beim jetzigen Stand der Beta Echtgeld wirklich sehr optional. In jeder Kategorie, sei es Mannschaft, Kanonen oder neuer Schiffsrümpfe gab es neben fast einem Dutzend Auswahlmöglichkeiten stets nur ein oder zwei, die ihr wirklich kaufen musstet und sie stellten sich mehr als Verfeinerung bestimmter Spielstile heraus, denn als ein Killerfeature. Es ist der kleine, aber feine Unterschied, der zwischen zwei absolut identischen Spielern später im PvP den Unterschied machen könnte. Aber am Ende gibt gutes Teamwork einen deutlich größeren Ausschlag.

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Einige wenige der Items im Shop kosten Echtgeld, die Skills sind alle auch so freischaltbar.

Der Rest hängt davon ab, wie ihr spielen möchtet, welcher Stil euch liegt, ob ihr schnell viel Schaden anrichten möchtet, ob ihr lieber auf lange Distanzen schießt, wie schnell euer Schiff sein soll oder ob ihr lieber Tempo zugunsten von Panzerung opfert. In diese Richtung gehen auch die drei Fertigkeits-Bäume einer jeden Klasse. Konzentriert ihr euch als Engineer beispielsweise darauf, mit Kanonen-Bojen Schaden auszuteilen oder doch lieber auf das Heilen und Buffen der freundlichen Flotte? Gezielter Schaden oder großflächige Zerstörung?

In der PvE-Umgebung fand ich, dass dies alles nicht so sonderlich zum Tragen kommt. Es ist eine große Welt, die sich in optisch sehr unterschiedliche Areale trennt. Wirkt ein Bereich eher wie die Piraten in der Karibik, sieht es im nächsten eher steampunkig aus, aber das ist optischer Zucker für stetig schwieriger werdende KI-Feinde und Quests und eigentlich auch nur ein Wartezeit-Überbrücker bis zum nächsten PvE.

Destruction ist der weniger spektakuläre der beiden Modi, im Grunde eine Runde Team-Deathmatch nach Punkten. Macht Spaß, ist unterhaltsam, aber nur, wenn das Matchmaking mitspielt. Da es noch eine geschlossene Beta ist, war das - höchstwahrscheinlich aufgrund noch recht geringer Spielerzahlen - ein klares "geht so!" für den Augenblick. Weit spannender ist aber eh der Domination-Modus, in dem ihr fünf Punkte auf der Karte erobern und natürlich auch halten müsst. Je mehr Orte ihr besetzt, desto schneller steigt der Punktezähler, das Team das zuerst 2500 Punkte hat, gewinnt. In diesem Modus zeigte sich, dass hohe Level und Kauf-Items allein nicht viel wert sind, als unser im Schnitt auf Level 7 dümpelndes Team eine Level 18-Truppe souverän erledigte. Na gut, mit nur Hundert Punkten Vorsprung, aber trotzdem. Während die im direkten Kampf übermächtigen Gegner stets diesen suchten, beschränkte sich unser Grüppchen auf Flucht, Versteckspiel und immer wieder das heimliche Übernehmen gerade unbewachter Siegpunkte. Spannend, kurzweilig und mit maximal 15 Minuten Dauer immer eine Runde wert. Vor allem auch, weil ihr im PvP so richtig Ressourcen für Upgrades einheimsen könnt.

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Wer die gesunkenen Schiffe erobert und hält, sammelt Punkte, je mehr ihr davon kontrolliert, desto schneller geht es.

Auf technischer Seite gibt es aktuell nicht so viel zu meckern, gerade angesichts des Beta-Stadiums. Die Wasserwelten wirken plastisch, die Wellen rollen nett vor sich hin und gerade im Vollbild sieht es aus, wie etwas, das 2005 noch zum Vollpreis keine Kritik hätte einstecken müssen. Dafür, dass es ohne Client läuft, wirklich ansprechend. Ein paar Lags plagen derzeit noch das Ganze und es kann schon mal passieren, dass ein Gegner oder ihr plötzlich ein paar Meter springt, auch schon mal direkt vor dem Schuss außerhalb der Reichweite eurer Kanonen. Insgesamt war jedoch schon alles gut und schmerzfrei spielbar.

Durchaus unterhaltsam, womit man heutzutage so im Browser neben Katzen-Cheezeburger oder Facebook seine Zeit zubringen kann. Kartuga bietet vor allem im Domination-PvP echtes Potenzial für Taktiken und Tiefgang. Einige der Runden waren echte Gewinner und es waren immer die, in denen ich zum dem Team mit den niedrigeren Leveln gehörte. Der Sieg des Underdogs ist halt der, den die Leute sehen wollen. Vor allem, wenn sie selbst besagte Underdogs sind. Der PvE-Teil mit seiner großen Welt und seinen "Sammele fünf dies und töte vier das"-Quests ist eher ein Zeitvertreib zwischen den Matches. Angesichts der netten Optik der einzelnen Teile der Welt macht das Cruisen für ein Weilchen auch Entdeckerfreude. Kartuga ist insbesondere als Browser-Titel wirklich erfrischend hochwertig. Die ganz dunklen Zeiten von Mäuse-Mafia und Konsorten sind damit hoffentlich endlich vorbei.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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