Destiny: König der Besessenen - Darf es etwas mehr sein?

Neue Strikes, neuer Raid, tonnenweise Waffen und Ausrüstung - und Schleichen darf man auch noch!

„Wir haben verstanden, dass die Spieler mit dem gebotenen Umfang der bisher erschienenen Zusatzinhalte nicht wirklich zufrieden waren", erklärt mir Luke Smith, bei Bungie der Kreativchef für die Erweiterung „König der Besessenen". Tatsächlich sind die beiden DLC weitgehend als inhaltsarm aufgenommen worden. Eine Tatsache die der Kollege Benjamin Jakobs treffend in seinen Tests zu „Dunkelheit lauert" und „Haus der Wölfe" beschrieben hat. Jetzt wird aber richtig auf die Community gehört und alles soll besser werden. Viel besser. Ob das auch so ist, konnte ich bei einem mehrtägigen Besuch im beschaulichen Städtchen Bellevue, dem Sitz von Bungie, selber ausprobieren.

Ich habe in aller Ruhe die Kampagne gespielt, die neuen Strikes mit einem Fireteam aus motivierten Kollegen bestanden, mich durch Quests und Beutezüge geballert und auch einen neuen Schmelztiegel-Modus im PvP ausgiebig getestet. Einen Blick auf den neuen Raid konnte ich vorab nicht erhaschen. Der erscheint ja erst ein paar Tage nach der Erweiterung, damit die Destinyaner erst mal ordentlich Zeit mit der Story verbringen. Die ist übrigens gut in das Destiny-Universum eingebunden und mit einigen stimmungsvollen Zwischensequenzen versehen. Ohne groß zu spoilern: Der Oberfiesling nennt sich Oryx und will sich fürchterlich an den Hütern rächen, denn die haben seinen Sohn und potentiellen Thronfolger Crota im Raid von „Dunkelheit lauert" getötet.

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Sturmbeschwörer: Die neue Subklasse des Warlock richtet im Super-Modus ordentlich Schaden an. Funktioniert auch im PvP ganz ausgezeichnet.

Einiges an sinnvollen Verbesserungen wurde bereits vor einer Woche mit dem Patch 2.0 in die Wege geleitet. Unter anderem fasst der bislang lächerlich kleine Tresor nun die doppelte Anzahl an Waffen und Ausrüstung, ein neuer Reiter im Menü erlaubt eine klare Übersicht der verfügbaren Quests, Charakter- und Lichtlevel sind von einander getrennt und bis zu 16 Beutezüge können jetzt auf einmal gehalten werden. Keine reine Kosmetik, sondern sinnvolle Verbesserungen, die den erfolgreichen Shooter/MMO-Mix in die richtige Richtung lenken. Ich hätte mir noch gewünscht, dass ich mit meinen Raumschiffen mehr anfangen könnte. Also, mehr als im Ladebildschirm die Farbe und Form zu bewundern. Eine Raumschlacht vielleicht? Rennen? Oder wie in „Mass Effect" die Innenräume zu nutzen. Aber das kommt vielleicht im Jahr 3 von Destiny.

Aber zurück zur Kampagne. Auf diversen Schlachtfeldern der bekannten Planeten und zwei neuen Schauplätzen, Phobos und dem beeindruckend gestalteten Grabschiff der Schar, bekämpfe ich die Schergen von Oryx. Diese sind durch die Dunkelheit besessen und im Prinzip Kabal, Vex, Gefallene oder andere bekannte Gegner, die sich optisch durch ein gruseliges schwarz-weißes Flimmern auszeichnen. Zusätzlich haben die Besessenen noch einige Tricks auf Lager und beschießen mich beispielsweise mit einer Licht schluckenden Wolke, die mir gerade im größten Getümmel die Sicht für einige Sekunden raubt. Zähe Gegner, die es mir schon in den ersten Missionen ordentlich schwer machen. Aber dafür darf mein Hüter ordentlich aufrüsten. Gleich zu Beginn komme ich in den Genuss einer dritten Subklasse. Mein Warlock erlernt in einer eigens konzipierten Mission die Fähigkeit der Sturmbeschwörung, mit der ich Blitze aus den Fingern verschießen kann. Damit kann ich schon reichlich Schaden anrichten, spannend wird es aber erst, wenn mein Super aufgeladen ist. Dann fliege ich, umhüllt von Blitzen, einige Zeit durch die Gegnerhorden und räume richtig auf. Das funktioniert übrigens auch prächtig im PvP-Modus. Titanen bekommen die Unterklasse Sonnenbezwinger und teilen mit einem flammenden Hammer enorm aus, Jäger schwächen und lähmen Gegner als Nachtpirscher.

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Wenn ihr mit einem Titanen spielt, dürft ihr euch auf einen flammenden Hammer freuen. Die neue Subklasse Sonnenbezwinger macht es möglich.

Die Missionen der Kampagne zeigen sich abwechslungsreich und die Entwickler haben dezent neue Spielelemente einfließen lassen. Klar, die meiste Zeit ballere ich wie ein Irrer mit Fusionsgewehr und Raketenwerfer auf die Destiny-typischen Gegnerwellen, aber es gibt willkommene Abweichungen vom Schema. Es gibt (wenige) Abschnitte in denen ich Schleichen soll. Rote Kreise um die Gegner markieren deren Hörradius und ich darf diese nicht berühren, sonst ist es sofort vorbei. Es gibt Sprungpassagen, bei denen ich sehr genau steuern muss, um einen Turm zu erklimmen. Mit meinem Geist soll ich unsichtbare Brücken über tödlichen Abgründen sichtbar machen oder auf einer wilden Flucht und unter Dauerfeuer erst einmal Türöffnersteine finden. Bei dieser Mission habe ich den letzten Rest meines Anstands verloren und die Kollegen haben ob meiner Flüche wohl immer noch rote Ohren.

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Die Besessenen sind normale Gegner in gruseligen Schatten gehüllt und verfügen über neue Angriffstaktiken.

Apropos Abwechslung: Visuell gelungen sind die Missionen auf dem Grabschiff des Oberbösewichts. In grünlichem Licht getaucht, wabernder Nebel überall und gruseligen Geräuschen im Hintergrund wirkt das riesige Areal wie aus einem Alien-Film. Die Missionen der Story dürften wohl für ein verlängertes Wochenende reichen, Grinden und Aufleveln inklusive. Immerhin möchte man ja schon den neuen Maximallevel von 40 erreichen, bevor man dann endlich Oryx entgegentritt. Profispieler mit mehreren hundert Stunden Spielzeit sollten das Ziel auch deutlich schneller erreichen können. Also wieder wenig Spiel für das Geld? Hier zeigt sich Bungie der Community verpflichtet und liefert reichlich weitere Spielanreize. Vier neue Strikes, zumindest für PlayStation-Besitzer, Xbox-Nutzer bekommen nur drei, gilt es noch zu bestehen. Diese zeichnen sich durch richtig fiese Endgegner aus. Musste ich bisher Magazin um Magazin auf gemächlich umherwandelnde Bosse mit schier endlosen Lebenspunkten abfeuern, sind die neuen Gegner deutlich agiler und haben teils recht unangenehme Manöver im Petto. Am Ende eines Strikes stand ich beispielsweise mit meinen beiden Mitstreitern nahezu im Dunkeln und musste mich einem kaum sichtbaren Gegner stellen. Das treibt das Adrenalin in den Körper und als wir es geschafft hatten, machte sich tiefe Zufriedenheit breit. So muss ein Strike enden. Die bekannten Strikes wurden zudem überarbeitet und mit den Besessenen bevölkert.

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Ein neuer Schauplatz ist die Dreadnaught, das Grabschiff der Schar.

Kampagne durch, Strikes alle fünfmal gespielt, der Raid erledigt. Was dann? Dann kann man sich den Quests widmen, auf Patrouille gehen und Geheimnisse aufdecken. Hier hat sich Bungie beim Endgame einiges Einfallen lassen und bietet auf jedem Schauplatz neue Herausforderungen. So habe ich auf dem Mars einige Gegnerwellen geplättet, worauf ein Lieutenant erschien. Und beharrlich wie ich bin, nach den nächsten Kanonenfutter-Gegnern ein weiterer. Und noch einer. Bis schließlich ein Champion auftauchte, den es in knappen drei Minuten zu Besiegen galt. Sonst verschwand dieser einfach und ich konnte neu anfangen. Dazu eine Vielzahl an neuen Waffen und Ausrüstungsgegenständen. Hier gilt es auch grüne, weiße und blaue Gegenstände nicht einfach links liegen zu lassen, sondern erst mal genau hinzuschauen und Engramme beim Kryptographen entschlüsseln zu lassen. Die neuen Waffen und Panzerungen haben teilweise enorme Werte. Das steigert den neuen Lichtlevel, ein Durchschnitt aller aktiven Waffen und Ausrüstungen, inklusive Geist, Artefakt und Klassen-Item.

Und natürlich kann man seine Zeit auch im Schmelztiegel verbringen und sich mit anderen Spielern messen. Neue Karten und vor allem neue Spielmodi sorgen für Anreiz. So hetzte ich in dem Modus „Riss" , einer Variante von „Capture the Flag" mit meinem Team einer Sphäre hinterher, die aufgenommen und in den Bereich der gegnerischen Basis gebracht werden soll. Ein spannendes Katz und Maus-Spiel, das richtig Laune macht. Oder der Modus „Hexenkessel", bei dem sich die Super-Leiste schnell wieder auffüllt. Ich habe ja meine dritte Unterklasse Sturmbeschwörer schon erwähnt, mit der ich wie ein ausgeflippter Emperor Palpatine durch die Lüfte schwebe und ein Blitzgewitter entfache. Und das in dem Spiel nicht nur einmal, wenn sich meine Leiste endlich mal gefüllt hat, sondern mehrfach. Ein echtes Gemetzel.

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Neue Karten und Modi sorgen im Schmelztiegel für Abwechslung im PvP-Modus.

Mein Eindruck: Bungie liefert mit „König der Besessenen" nicht nur eine gelungene Kampagne, sondern mit neuen und überarbeiteten Strikes, einem neuen Raid, PvP-Modi, Mehrspielerkarten und einer ganzen Fülle an Endgame-Inhalten ein dickes Inhaltspaket ab. Übrigens, Destiny-Neueinsteiger brauchen nicht das Hauptspiel durchzuspielen. Diese erhalten nach der ersten Mission der Erweiterung automatisch den „Spark of Light", ein Item das einen Charakter sofort auf Level 25 hievt und gleich eine passende Ausrüstung mitliefert. Also, unbedingt nach der ersten Mission zur Poststelle gehen.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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