The Banner Saga - Test (PS4, Xbox One)

Ein kleiner Schatz, diesmal etwas roher geschliffen.

Anfang 2014 beschrieb The Banner Saga die Strapazen und Entbehrlichkeiten einer langen, ereignisreichen Reise weit unter dem Gefrierpunkt. Mit zwei getrennt voneinander startenden Karawanen, die man abwechselnd während des Spiels begleitet, nähert sich die Wikinger-Fantasy des Studios Stoic dem Thema Entscheidungen und Konsequenzen auf eigene, reizende Art. Es war eine der ersten großen Kickstarter-Erfolgsgeschichten, mit einfacheren Mitteln des Zeichenstils realisiert und ohne nennenswerte spielergesteuerte Erkundung.

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Große Inszenierung gibt es in Banner Saga nicht. Vieles ist in Standbildern gehalten und nur spärlich animiert. Sieht aber immer noch klasse aus.

Stattdessen gab es Situationen aus dem Leben schicksalhaft Zusammengeworfener, mit Entscheidungen und Verlusten, die sich in einer Welt wie dieser nicht vermeiden lassen. In grauen Vorzeiten der Zahlenwertungen war Alex die PC-Version eine 8/10 wert und wer mehr über Aufbau, Verlauf und die neckischen Besonderheiten des Rundenkampfes erfahren möchte, sollte sich seinen Banner-Saga-Test durchlesen. Inhaltlich kann man ihn über die im Maßstab eins zu eins umgesetzte Konsolenversion stülpen. Nur technisch, wie sieht es damit aus?

Sagen wir so: Dem ruhigen Spieltempo und den Rundenkämpfen ist es geschuldet, dass die Unzulänglichkeiten nicht allzu sehr auffallen. Manch einem werden sie vermutlich nicht mal einen Seufzer wert sein. Ich spielte auf der Xbox One bis in den dritten Akt und werde diesen Durchgang voller Freude zu Ende bringen, auch wenn es die Bildrate hier und da schleifen lässt. Man merkt es ganz leicht beim Blick auf die Karawane, wie sie durch die wilden Lande zieht, etwas mehr dann im Kampf.

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Der Rundenkampf hat seine eigenen Besonderheiten, etwa dass man gegnerische Rüstung und Lebenskraft gesondert angreifen kann - und sollte, will man möglichst unbeschadet durch die durchaus anspruchsvollen Auseinandersetzungen kommen.

Die Bildrate bei Zügen über das Schlachtfeld, bei Kamerabewegungen, beim Hinein- und Hinauszoomen ist nicht immer konsistent. Nirgendwo macht sie dramatisch die Grätsche oder stört den Spielfluss in einem Ausmaß, dass es mich genervt hätte, aber trotzdem. Vermutlich wäre Stoic mit etwas mehr Zeit für Optimierung hier zu Besserem in der Lage, was mit Updates ja noch zurechtzurücken ist. Weiterhin gerät das Spiel nach einem Sieg ganz kurz ins Stocken, nur für eine halbe Sekunde. Bevor es sich in einen Ladebildschirm stürzt und bis zu fünfzehn Sekunden - schlimmster Fall - darin verharrt.

Was insofern am Gemüt knabbert, da sich die PC-Version dafür nur wenige Augenblicke Zeit nimmt und es viele Ladebildschirme gibt. Begegnung während des Marsches - Ladebildschirm. Lager aufschlagen - Ladebildschirm. Übungskampf starten - Laden. Ihn beenden - Laden. Das ist alles nicht so dramatisch, wie es sich vielleicht anhört, da über viel größere Zeitspannen verteilt, aber auch hier: trotzdem. Man sollte es wissen, reagiert man allergisch auf derlei Zwangspausen.

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Das Charaktersystem ist einfach gehalten und trotzdem kann man lange grübeln, welchen Wert zu steigern bei wem am sinnvollsten ist.

Die PC-Version bleibt also die erste Wahl, auch deshalb, weil die Bedienung mit dem Pad unterlegen ist. Wir haben hier zum Glück kein besonders menülastiges Spiel mit viel Mikromanagement. Dennoch räumt sich gerade der Kampf seine Zeit ein, bis man die Tastenbelegung verinnerlicht hat. Linker Stick und Digikreuz tun zum Beispiel unterschiedliche Dinge, obwohl die Situationen beim eigenen Zug anfangs intuitiv das Gegenteil suggerieren. Man braucht ein, zwei Stunden, bis man drin ist. Einige Beschreibungstexte der Spezialfertigkeiten - zumindest die langen davon - sind nicht an TV-Größen angepasst. Hat man diese verschmerzbaren Hürden hinter sich, spricht nichts gegen die Konsolenversion.

Das natürlich mit kleineren Einschränkungen, was Bedienung, Bildrate und Ladezeiten angeht, aber keinesfalls niederschmetternd dramatisch. Auch auf Konsolen ist The Banner Saga genießbar, sitzt man erst mal fest genug eingespannt im Marsch kleiner und großer Entscheidungen. In seinen besten Momenten zeigt es eine fiese Dringlichkeit, wenn die Vorräte zur Neige gehen oder Leben und Tod in euer Hand liegen. Stoics Entwurf einer unbarmherzigen nordischen Welt holt euch als Anführer mit aller Schärfe auf den Boden der Tatsachen zurück. So ansehnlich gezeichnet und engagiert erzählt, dass es auch ohne überlegene PC-Version schwerfiele, auf halber Strecke abzubrechen.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Freier Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei, aktuell als freier Redakteur.

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