Suicide Squad (2016), Batman: Assault on Arkham (2014)

Das reinste Selbstmordkommando

Regie: David Ayer
Buch: David Ayer
Darsteller: Margot Robbie, Will Smith, Cara Delevingne, Jared Leto

Das "Extended Universe" von DC hat Nachwuchs bekommen. Der kleine, dreckige Bruder der Filmreihe kommt in zwei Wochen in die deutschen Kinos und wird bereits jetzt hitziger diskutiert als "Ghostbusters", "Batman V Superman" und "Independence Day 2" zusammen. "Schrott" schreien die ersten Kritiker aus Übersee. "Selber Schrott" blaffen die Fans zurück. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Denn "Suicide Squad" hatte das Potenzial, ein richtig guter und spaßiger Superheldenfilm zu werden. Stattdessen ist es aber irgendwie ein weiterer harmloser Versuch, dem Marvel Kino-Universum Konkurrenz zu machen.

Die erste Hälfte des Films ist dabei überaus Erfolg versprechend. Die Charaktere rund um das Himmelfahrtskommando selbst werden - ich bin mal so frei, es so zu nennen - "cool" in Szene gesetzt. Mit rockigen Evergreens der letzten dreißig Jahre werden die Figuren eingeführt und sofort lieb gewonnen. Bereits jetzt wird gezeigt, dass der Fokus ganz klar auf zwei Personen ruht. Diese beiden, Deadshot (Will Smith) und Harley Quinn (Margot Robbie), sind die Zugpferde des Unterfangens und entsprechend mit reichlich Screentime gesegnet.

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Wird für viele neue Fans von Harley Quinn sorgen: Margot Robbie.

Sonderlich schlimm ist das jedoch nicht, denn im Gegensatz zu den frühen Kritiken hatte ich nicht das Gefühl, dass man anschließend nicht mehr wusste, was man mit den Charakteren nun anstellen soll. Sie haben alle entsprechend ihres Potenzials verschieden viel Aufmerksamkeit abbekommen und werden auch nach längerer Spielzeit nicht uninteressant. Was dem Film letztendlich wirklich das Genick bricht, ist das gleiche Problem, unter dem auch schon "Batman V Superman" zu leiden hatte. Es soll nämlich groß sein. Imposant. Besser als Marvel mit seinen Avengers.

Diese Herangehensweise beißt sich jedoch blutig mit zwei Punkten, die den Produzenten scheinbar schlichtweg egal waren. Denn zum einen hat sich Marvel sehr viel mehr Zeit gelassen, bis es wirklich zu fantastisch wurde und daneben verträgt sich eine fast allmächtige Entität und die Vernichtung der Welt nicht sonderlich gut mit dem bodenständigen Ansatz, den "Suicide Squad" in seiner lang geratenen Einführung verspricht. Hätte man die kleine Gruppe aus Schurken und Antihelden gegen mehr oder weniger normale Bösewichte antreten lassen - vielleicht wäre das der Sommerhit des Jahres geworden.

Doch man entschied sich für Bombast der Extraklasse. Gegnern, die eigentlich größeren Helden ebenbürtig wären. So geht viel an Möglichkeiten verloren und man nimmt von Minute zu Minute stärker einen Kurs ein, der schlichtem Popcornkino entspricht, und entfernt sich von einer guten Idee, die "Suicide Squad" von anderen Heldenfilmen dieser Tage unterschieden hätte. Das ist sehr bedrückend, denn der Film macht so zwar immer noch gehörig Spaß, aber mehr als einmal angucken ist dann auch nicht nötig.

Trotzdem darf ich behaupten, dass die einzelnen Charaktere sehr gut umgesetzt wurden. Wenn auch nicht immer akkurat zum Comicvorbild, aber das sind wir aus diesen Verfilmungen ja schon gewohnt. Es gibt solide Action, viele lustige Szenen und immer mal wieder witzige Sprüche. Ein Film, der Spaß machen soll. In dieser Hinsicht gibt es auch nur Abzüge für einige Szenen, die lediglich eingebaut wurden, weil man eben die Idee dazu hatte. Mehr nicht. Ob sich diese in die Geschichte gut einfügen oder überhaupt logisch zu erklären sind, hat niemanden geschert.

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Ein interessanter, neuer Joker, mit viel Potenzial: Jared Leto.

Und zu guter Letzt natürlich noch der Joker, gespielt von Jared Leto. Diese Figur hat ja beinahe mehr Aufmerksamkeit erregt, als der ganze Film für sich genommen. Und selbst nach Sichtung dieser DC-Verfilmung, kann ich eigentlich nicht wirklich sagen, ob er seinen Job gut macht oder nicht. Dafür hat der Joker viel zu wenig Screentime. Seine Vorgänger wurden mit Filmen gesegnet, die sie in den Mittelpunkt stellten. Hier ist der Clownprinz des Verbrechens ein Nebencharakter, der nicht immer eine Existenzberechtigung vorweisen kann. Doch das, was ich gesehen habe, hat mir trotzdem irgendwie gefallen. Der Joker hat sich in den letzten Jahrzehnten stets verändert, wenn sein Kern auch gleich blieb. Dieser hier tat es ihnen gleich.

Diese Version ist keine Ulknudel wie Cesar Romero (Batman Fernsehserie) und auch keine düstere Version des gleichen Charakters, so wie Jack Nicholson ihn in "Batman" (1989) gespielt hat. Und schon gar nicht kann man ihn mit dem anarchistischen Joker von Heath Ledger vergleichen. Nein. Jared Letos Joker ist ein moderner Gangster und auf ganz andere Art geistesgestört. Er ist neu und doch vertraut. Eine Figur, mit viel Potenzial. Vielleicht sage ich das nur, weil er der Joker ist, den ich immer wollte. Ein Mr. J, der seine Harley liebt. Und sie doch sterben lassen würde, wenn es ihm nutzt. Oder doch nicht? Herrlich verzwickt und ausbaufähig.

Übrigens: Hat der Joker etwa an den gleichen Stellen im Schulterbereich Narben, wo auch die Beschädigungen in Robins Rüstung in "Batman V Superman" zu sehen waren?! Jason Todd, du wirst doch nicht...

Batman: Assault on Arkham

Regie: Jay Olivia, Ethan Spaulding
Buch: Heath Corson
Darsteller: Troy Baker, Neal McDonough, Hynden Walch, Kevin Conroy

Einige von euch werden es bestimmt schon wissen, anderen könnte sich nun eine Möglichkeit bieten, die Wartezeit auf "Suicide Squad" ein wenig zu verkürzen. Denn bereits 2014 gab es eine Zeichentrickumsetzung des Himmelfahrtskommandos, welche auf der bekannten "Arkham"-Spielreihe basiert und eine leicht andere Version der Gruppierung in den Mittelpunkt rückt. Harley Quinn (gesprochen von Hynden Walch) ist hier jedoch ebenfalls eine der wichtigsten Figuren neben Deadshot (Neal McDonough) und in ihrer modernen Version zu sehen.

Amanda Waller (CCH Pounder) schickt den Trupp mit einem Sprengsatz im Nacken los, um wichtige Informationen aus der Nervenheilanstalt Arkham Asylum zu beschaffen. Trotz ähnlich abgedrehter Charaktere wie in "Suicide Squad" bleibt man hier viel bodenständiger und konzentriert sich auf das Erzählen einer zwar kurzen, jedoch spannenden Geschichte, die ihren Figuren genügend Zeit gibt, sich zu präsentieren und auch von Neulingen des Franchise verstanden zu werden. Dadurch kann man "Assault on Arkham" problemlos ohne jedwede Vorkenntnisse genießen.

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Die ultimativen Antihelden: Harley Quinn, Black Spider, Deadshot, King Shark, Killer Frost und Captain Boomerang.

Man versteht es, die Truppe als das dazustellen, was sie eigentlich ist. Schurken, die keine andere Wahl haben. Da geht man keine Kompromisse ein und lässt die bösen Buben und Mädels metzeln und meucheln, als gäbe es kein Morgen. Sie sind halt keine Helden und so gibt es auch innerhalb des Kommandos Streit und Zwietracht. Gerade die Dynamik zwischen den Figuren, ob positiver oder negativer Art, macht viel aus und sorgt immer wieder für Überraschungen. Man verweigert sich den üblichen Regeln und geht weitaus origineller mit dem gegebenen Potenzial um.

Die Schöpfer dieser Umsetzung schrecken nicht vor Gewalt, schwarzem Humor und sogar sexuellen Anspielungen zurück, was "Assault on Arkham" düsterer und dreckiger macht, als es eine Komödie wie "Suicide Squad" je sein könnte. Als Fan der Spielreihe hatte ich nur ein Problem mit diesem Film, nämlich mit dem ultimativen Schurken, der im Hintergrund die Fäden zieht.

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In dieser Version ist Harley vielleicht sogar noch etwas verrückter ...

Und ich glaube nun niemanden zu überraschen, wenn ich sage, dass es sich hierbei natürlich um den Joker (Troy Baker) handelt. Abermals. Im Grunde war er in allen Teilen des Videospiels der große Strippenzieher im Schatten und hier ist er es abermals. Da er fantastisch umgesetzt wurde, freue ich mich natürlich. Da ich aber auch Angst habe, die Figur wird langsam aber sicher zu Tode gemolken, weht ein Lüftchen Wehmut in die gleiche Richtung. Ich empfehle den Film dennoch so oder so. Auch wenn er aufzeigt - und das kann abermals traurig stimmen - was in der Live-Action-Version alles möglich gewesen wäre, wenn man sich nur getraut hätte ...

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Über den Autor:

Heiner Gumprecht

Heiner Gumprecht

Freier Redakteur

No Goth, no Punk, no Emo - At most Human. Mag Filme, die jeder mag. Mag Filme, die sonst keiner mag. Bremst auch für Arthouse. Versteckt sich oft hinter den Spiegeln und spielt Schach mit der roten Königin.

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