Crackdown 3: Die Macht der Cloud - jetzt aber wirklich

Exklusiv angespielt: Der Multiplayer-Modus Wrecking Zone mit 100-prozentig zerstörbarer Umgebung

Und es kommt doch: Vor mehr als vier Jahren auf der E3 2014 erstmals angekündigt, wurde Crackdown 3 zu einem echten Geduldsspiel für Fans des turbulenten Cel-Shading-Shooters. Mehrfach wurde der Erscheinungstermin verschoben, sogar die stillschweigende Beerdingung des gesamten Projekts machte gerüchteweise die Runde. Der Grund für die erheblichen Verzögerungen lag an den vollmundig angekündigten Features des Mehrspielermodus Wrecking Zone, der eine 100-prozentig zerstörbare Umgebung beinhalten sollte.

"Das erfordert ein Höchstmaß an Rechenkraft, welche die Xbox One schlichtweg nicht liefern konnte, um ein zufriedenstellendes Spielerlebnis zu bieten", erklärt mir Joseph Staten, Creative Director von Crackdown 3 bei Microsoft. Und weiter: "Wir haben uns die Frage gestellt, wo liegt der Spaß an der Zerstörung? Und haben festgestellt, dass die komplette Umgebung zerlegen zu können, nicht nur als schickes Beiwerk dienen sollte, sondern eine wichtige taktische Komponente in den PvP-Matches darstellen musste. Deswegen lassen sich alle Objekte, wie Türme, Brücken oder Häuser, stückweise auseinandernehmen und der Spieler kann entscheiden, ob er sich verschanzt, ein kleines Stück Wand heraussprengt und relativ geschützt durch ein Murderhole Gegner anvisiert. Oder mehrere Spieler gemeinsam das Feuer auf ein großes Gebäude konzentrieren und so spektakulär zum Einsturz bringen."

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Es bleibt kein Stein auf dem anderen, im Mehrspielermodus Wrecking Zone ist die gesamte Umgebung zu 100-Prozent zerstörbar.

Gelöst wurden die erheblichen technischen Herausforderungen mithilfe der Cloud. Wrecking Zone nutzt Dedicated Server von Microsofts Azure Cloud-Computing-Plattform, die allen Spielern eine gleichwertige Umgebung bietet und die Hauptlast der Rechenarbeit übernimmt, die die aufwändige Havok-Physik-Engine erfordert. Weitere Vorteile der Technik: Es gibt keinen Host, der einen Verbindungs-Vorteil gegenüber Mitspielern hat und Cheatern wird das Leben schwer gemacht, indem die Server-Software erkennt, ob ein Spieler die Regeln bricht, sich zu schnell bewegt oder bei Treffern keinen Schaden nimmt. Herausgekommen ist laut den Machern ein ganz neues Genre, das es so noch nicht gegeben hat und auch gleich eine eigene Bezeichnung benötigt: MODA, Multiplayer Online Destruction Area.

Dass die Abkürzung wie MOBA klingt, ist kein reiner Zufall. "Wir haben während der Entwicklung mit vielen verschiedenen Konzepten gearbeitet.", sagt mir Jörg Neumann, Producer und Head of Global Publishing der Microsoft Studios, im Interview. "Darunter war auch der Gedanke, dass wir Lanes, wie bei einem MOBA, einbauen wollten, über die die Angriffe der Teams laufen. Aber wir haben uns schlussendlich für die völlige Freiheit des Spielers entschieden, auf den Karten zu machen, was er will." Soweit die graue Theorie, aber wie spielt sich Wrecking Zone? Gemeinsam mit den Entwicklern konnte ich exklusiv für Eurogamer den kompetitiven Mehrspielermodus ausprobieren - und hatte richtig Spaß dabei.

Der neue Modus Agent Hunter unter der Lupe. Und ja, wir wissen, dass wir schlecht sind.

Bei der Wrecking Zone handelt es sich um eine Kampfarena, in denen die Crackdown-Agenten ihre Superfähigkeiten in einer Simulation unter Beweis stellen. Zwei Teams zu je fünf Spielern liefern sich wilde Gefechte. Zu Beginn wählt ihr aus dem übersichtlichen Bestand von einem knappen Dutzend Agenten euren Spielcharakter aus. Ob ihr jetzt einen weiblichen oder männlichen Charakter nehmt, spielt dabei keine Rolle. Aus Gründen des Balancing verfügt keiner der vorgefertigten Agenten über gravierende Vor- oder Nachteile. Das sieht bei der Bewaffnung schon ein wenig anders aus, hier könnt ihr gleich zwei Mordinstrumente ausrüsten und beispielsweise mit einer Schrotflinte für den Nahkampf und einem Raketenwerfer für Fernziele in den Kampf ziehen.

Zusätzlich bekommt ihr noch ein Verteidigungs-Gadget, mit dem ihr für einen kurzen Zeitraum einen Schutzschild aufbaut oder Gegner mit einer Schattenkopie eures Agenten verwirrt. Schön: Bei jedem Respawn, davon werdet ihr in den durchschnittlich 8 bis 10 Minuten langen Matches eine ganze Menge erleben, könnt ihr die Bewaffnung und Ausrüstung ändern und das verfügbare Arsenal auf seine Tauglichkeit für euren Spielstil ausprobieren.

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Im PvP treten zwei Teams zu je fünf Agenten in Spielmodi wie Agent Hunter oder Territories gegeneinander an.

Mein erster Versuch führt mich auf die Karte Nova Station, eine geheime Festung der fiesen Terra Nova-Corporation, den Crackdown-3-Bösewichten. Der Spielmodus heißt Agent Hunter, eine Kill Confirmed-Variante, in der die beiden Gruppen versuchen, möglichst viele Gegner zu erlegen und innerhalb von zehn Sekunden eine hinterlassene Marke einzusammeln. Das Team, das zuerst 30 Marken eingeheimst hat, gewinnt die Runde. Soweit, so bekannt.

Also stürze ich mich todesmutig ins Geschehen und bekomme gleich zu spüren, was es mit der taktischen Komponente der völligen Zerstörbarkeit der Umgebung auf sich hat. Es gibt einfach keinen dauerhaften Schutz vor den wild durch die Luft fliegenden Gegnern, keinen Augenblick der Ruhe, um sich eine Sniper-Position zu suchen oder in einer Ecke die nach Treffern rapide sinkende Gesundheit aufzufrischen. Es knallt und explodiert überall, wenn Geschosse Stücke aus den Gebäuden sprengen, ganze Stockwerke unter mir zusammenbrechen und Angriffe von allen Seiten erfolgen.

'War for Territory', wie Sepultura sagen würden. Hier geht einiges zu Bruch.

"Schau immer schön nach oben.", hat mir ein Entwickler noch mit einem Grinsen geraten. Zu spät, denn schon haben mich zwei weit über mir postierte Gegner aufs Korn genommen. Das erkennt man übrigens gut an den Linien die auf eure Spielfigur zeigen. Weiße und graue sind nur eine Warnung, bedeuten, dass ihr ins Visier geraten seid, aber noch keine freie Schussbahn besteht. Werden die Linien rot, steckt ihr schon bald ordentlich ein und müsst euch mit einem zusätzlichen Raketen-Boost oder dem beherzten Sprung in eine der sogenannten Man-Cannons, schleunigst aus der Reichweite der Gegner bringen. Das sind Luftwirbel, die euch nach oben oder zur Seite katapultieren.

Es dauert schon eine Weile, bis ihr euch in dem Chaos aus herumfliegenden, wild um sich ballernden Agenten und zusammenbrechenden Gebäuden zurechtfindet. Dann allerdings macht es recht schnell Klick und ihr nutzt die taktischen Möglichkeiten der Umgebung zu eurem Vorteil aus. Werdet ihr in die Ecke gedrängt, schießt ihr eben auf den Boden und landet sicher ein Stockwerk tiefer oder ihr springt in eine der Gruben auf der untersten Ebene. Das kostet zwar ein wenig Leben, bringt euch aber meist aus der Gefahrenlage. Bodenlose Abgründe, wie noch in dem Vorgänger, gibt es übrigens nicht mehr. Neben eurem Waffenarsenal könnt ihr Superkräfte, wie die Flying Fist, bei der ihr Objekte und Gegner mit voller Wucht im Flug rammt, nutzen und euch im Overdrive-Modus in eine echte Killermaschine verwandeln.

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Crackdown 3 bleibt dem Graphic-Novel-Look mit Cell Shading-Optik und extradicken schwarzen Rahmen um die Comic-Figuren treu.

Dazu sammelt ihr auf der Karte verstreute orangefarbene Kugeln ein, die eure Overdrive-Anzeige füllen und bei Aktivierung eure Fähigkeiten, Schaden auszuteilen und Treffer einzustecken, für eine kurze Zeit enorm erhöhen. Ja, das wirkt in den ersten Runden alles ganz schön hektisch und unübersichtlich, habt ihr aber einmal den Dreh raus, machen die turboschnellen Gefechte sehr viel Spaß. Neben Agent Hunter konnte ich auch den Spielmodus Territories ausprobieren. Der erfindet das Rad jetzt auch nicht neu (ihr sollt ein Gebiet erobern und vor Angriffen verteidigen), hat aber einen schicken Twist. Jedes Gebiet hat eine feste Punktzahl, die herunterzählt und auf dem Konto des Eroberer-Teams landet. Ist ein Gebiet quasi ausgesaugt, kommt ein neues hinzu, bis die Spielzeit vorbei ist oder ein Team 200 Punkte erreicht hat.

Crackdown 3 wird am 15. Februar 2019 für Xbox One und PC erscheinen, Crossplay wird möglich sein und für Besitzer eines Xbox Game Pass kostet das Spiel nichts extra. Neben dem Fokus auf den Multiplayer-Modus gibt es natürlich auch eine Kampagne, von der mir die Gesprächspartner allerdings noch nicht viel verraten wollten. Nur soviel: Die Agenten treten gegen Terra Nova, einen übermächtigen Konzern an, der keine Skrupel bei der Gewinnmaximierung auf Kosten der Bevölkerung kennt. In gewohnt brachialer Manier ballert und sprengt ihr euch durch die Spielwelt von New Providence, könnt allerlei Fahrzeuge steuern und legt euch mit neun knackigen Zwischenbossen an, bis ihr ganz oben angelangt seid und der besonders bösen Konzernchefin Elisabeth Niemand gegenübersteht. Das Spektakel könnt ihr auch kooperativ angehen, allerdings diesmal nur zu zweit.

Entwickler/Publisher: Sumo Digital / Microsoft Studios Erscheint für: Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 15. Februar 2019 - Angespielt auf Plattform: Xbox One

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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