Die digitale Distribution ist die Zukunft. Diese Prognose ist in regelmäßigen Abständen zu vernehmen und ja, die Zahl der Downloads beziehungsweise digitalen Käufe steigt kontinuierlich. Es überrascht mich nicht. Digitale Spiele sind - je nach Wohnort - schnell heruntergeladen und sparen Platz in der Wohnung. Angesichts der Tatsache, dass ich hier erst seit wenigen Monaten 100 Mbit habe und die Regierung nicht viel dafür tut, das Internet-Entwicklungsland Deutschland zu modernisieren, ist eine komplett digitale Zukunft noch in weiter Ferne.

Nicht, dass ich sie bräuchte. Wenn ich die Wahl habe, stelle ich mir meine Spiele, Filme, Musik und Bücher vorzugsweise ins Regal. Ich habe lieber was Greifbares in den Händen, das ich besitze. Das Gefühl, ein lang erwartetes Spiel auszupacken, zum Beispiel in einer schicken Collector's Edition. Oder ein neues Buch erstmals aufzuschlagen. Das lässt sich auf digitalem Weg einfach nicht reproduzieren. Es sind mehr als ein paar Daten, die mit einem abgeschalteten Server weg sein könnten. Klar, vor allem bei Indie-Spielen lässt es sich in den meisten Fällen nicht vermeiden, da es sie alleine als Download gibt. Das ist dann der Kompromiss, den ich eingehe, wenn ich auf manche Titel nicht verzichten möchte. Und auch einige größere Titel habe ich als Download, weil es sich so ergab.

Welche Probleme sich aus einer komplett digitalen Zukunft ergeben könnten, verdeutlicht Nintendo aktuell mit der Schließung des Wii-Shop-Kanals auf der Wii und Wii U.

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Bald Geschichte.

Das Hinzufügen von Punkten ist seit März 2018 nicht mehr möglich, das Kaufen von WiiWare, Software für Virtual Console und die Wii-Kanäle fallen am 31. Januar weg. Das alleine wäre nicht zwingend schlimm. Das größere Problem dabei: Nintendo schaltet in diesem Jahr - der konkrete Zeitpunkt steht noch aus - ebenso die Möglichkeit zum erneuten Herunterladen der gekauften Software ab.

Bis dahin lässt sich zwar alles - "bis auf einige Ausnahmen", sagt Nintendo - herunterladen. Aber das heißt, dass ihr alle dort gekauften Spiele verliert, wenn eure Konsole in Zukunft den Geist aufgibt. Nicht, dass ich eine große Sammlung von Wii-Spielen hätte oder insgesamt an vielen Wii-Spiele Gefallen gefunden hätte. Dass manch anderer Spieler eine große virtuelle Sammlung hat, ist nicht unwahrscheinlich. Und steht dann am Ende, wenn es blöd läuft, trotz viel investiertem Geld mit nichts da.

Es geht hier nicht um Einzelschicksale, es ist mehr ein allgemeines Problem, das Nintendo zur Schau stellt. Die Sachen, die in meinem Regal stehen, egal ob aktuelle Titel oder Retro-Spiele, bleiben mir erhalten. Unabhängig davon, was in Zukunft mit den Servern passiert. Die Spiele, die ich zum Beispiel für die Xbox 360 oder den 3DS digital erworben habe, sind unter Umständen weg, wenn Microsoft oder Nintendo in Zukunft den Stecker ziehen.

Wenn mir das mit vereinzelten Spielen passiert, okay, ist nicht zu ändern. Das wäre noch zu verschmerzen. Wenn ich auf diese Weise meine komplette Bibliothek einer Konsole verlieren würde, sähe die Sache anders aus. Bei aller Liebe für den technischen Fortschritt, in einigen Bereichen ist er nicht immer sinnvoll. Das ist einer davon. Dabei geht es auch um die Archivierung von Spielen, die durch den digitalen Vertrieb nicht einfacher wird. Ich behalte meine Sachen lieber weiterhin im Regal.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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