Für alle, denen ein normaler Exit Room zu langweilig ist: Huxley II

Steampunk-Knobelei mit VR-Technologie.

Ist Virtual Reality die nächste Evolutionsstufe der immens populären Escape Rooms? In Berlin entwirft das Start-up ExitVR ein virtuelles, Location-basiertes Abenteuer rund um Roboter und Rätsel im Steampunk-Look. Ob sich das so gut spielt, wie es sich anhört, könnt ihr hier nachlesen.

Ich habe mich nach Dortmund begeben, um "Huxley II - The Adventure begins" in einem Zweier-Team zu testen. Doch dieses Mal war alles anders. Es gab keinen Stuhl, keinen Bildschirm und auch kein Tageslicht. Stattdessen wurde ich in einen Raum gesperrt, um Virtual Reality in einer neuen Form auszuprobieren. Ihr kennt sicher Escape Rooms. Innerhalb einer vorgegebenen Zeit müsst ihr mit euren Freunden durch das Lösen kniffliger Rätsel einen Ausweg aus dem Zimmer finden und euer Leben und/oder das Anderer retten. ExitVR aus Berlin möchte diesen Knobelspaß mit modernster Technik verbinden und hat ein virtuelles Abenteuer erschaffen.

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Der Kollege hier führt euch durch das Spiel.

Obwohl es sich hierbei um den zweiten Teil handelt, ist er mit "The Adventure Begins" betitelt. Das lässt darauf schließen, dass Huxley I als eine Art Prequel zu sehen ist. Aber was ist in dessen Welt geschehen? Meine Unkenntnis des Vorgängers überraschte die Betreiber des Exit Rooms sehr und so wurde der Termin für uns alle ein Experiment, um herauszufinden, ob Huxley II auch ohne Vorwissen spielbar ist. Spoiler: Ja, absolut kein Problem!

Im ersten Moment irritierte es mich ein wenig, dass der Exit Room komplett dekorationslos und karg ist. Lediglich das Zubehör - HTC-Vive-Brille, Kopfhörer, beide Controller und der in einem Rucksack verbaute, kabellose Computer - liegt in einer Ecke, bevor es mithilfe des Personals angezogen wird. Aber irgendwie ist es ja auch verständlich - durch die VR-Brille wird eine virtuelle Welt vor euren Augen errichtet und es bedarf keiner hübschen Wandverzierung oder anderer Gegenstände im realen Raum. Sie wären sogar hinderlich, denn in den Virtual Reality Exit-Rooms müsst ihr euch richtig durch das Zimmer bewegen und lauft auf und ab. Dabei sind die Wände des Zimmers manchmal näher, als man vermuten würde. Ich rate zu vorsichtigen Bewegungen, um die Hardware nicht aus Versehen gegen eine Wand zu deppern. Da ihr euch beim Erfüllen der Aufgaben und Lösen der Rätsel bücken müsst und im gesamten Raum umherlauft, kommt keine Motionsickness auf. Absoluter Pluspunkt für alle, die sich bisher aufgrund von Reisekrankheit und Co. nicht in die virtuelle Realität getraut haben.

Überraschend schnell gewöhnen sich die Augen an die neue Sicht. Virtual Reality ist noch lange nicht vergleichbar mit den Spielen der aktuellen Gen, geschweige denn einer 4K-Auflösung und gestochen scharfen Kanten. Alles wirkt stattdessen eher ein wenig unscharf, nach einigen Minuten fällt das aber nicht mehr auf. Ihr werdet komplett in diese Welt gesogen, vergesst die Brille auf eurem Gesicht und seid auf die Missionen an Bord oder auf den Inseln konzentriert. Relativ zu Anfang des Spiels fahrt ihr mit einem Aufzug in die oberste Etage eines Gebäudes und wartet auf eure Mitfahrgelegenheit im Steampunk-Look, die vom stürmischen Himmel zu euch hinab sinkt. Regen, das Gefühl von Höhe und dieses Luftschiff, nach dem ihr euren Kopf recken werdet, waren ein prägendes Erlebnis und der wohl beeindruckendste Moment in Huxley II - noch bevor es überhaupt so richtig losging.

Aber worum geht es überhaupt? Irgendwann im 19. Jahrhundert findet ihr euch an Bord eines Luftschiffes wieder, auf dem ein montierter Roboter erklärt, dass ihr nun seine Deckschrubber seid. War ja klar, dass wir nicht gleich zum Kapitän befördert werden. Wir sollen uns auf die Suche nach der ultimativen Quelle der Energie machen, doch dieses Abenteuer ist gefährlich. Gesagt, getan! Mithilfe der Umgebungskarte haben wir das Luftschiff durch Portale gesteuert, dem Gefährt dank Minispiele Feuer unter der Haube gemacht und Puzzle auf einer Insel voller gefräßiger Pflanzen gelöst. Für Gamer ein ganz normaler Tag, würde ich sagen!

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Die Gestaltung kann sich durchaus sehen lassen.

Mir haben vor allem die kleinen Details im Spiel gefallen. So seid ihr zunächst gesichtslose Figuren, die erst nach dem virtuellen Auswählen des Avatars an einer Maschine einen richtigen Körper bekommen. In den einzelnen Räumen werdet ihr immer wieder Accessoires wie Hüte oder Masken finden, mit denen ihr euch schmücken könnt. Spielerisch lernt ihr so, Dinge mit den Controllern zu greifen und euch in der virtuellen Welt zu orientieren, bevor es mit der Geschichte losgeht.

Auch ist es eine schöne Idee, dass der Roboterkapitän durch das gesamte Abenteuer führt, die Rahmenhandlung erzählt und bei zu langer Aktionslosigkeit der Spieler auch Hinweise gibt, was als Nächstes zu tun ist. Seine Possen überbrücken die Ladezeiten durch das häufige Wechseln der Location. Das ist auch ein großer Unterschied zum ersten Teil - dort konnten die Spieler das Schiff nämlich niemals verlassen, während wir hier auch fremde Inseln erkunden konnten.

Ganz bugfrei ist Huxley II leider nicht, denn manchmal bewegte sich unser Roboterfreund ohne zu sprechen und hinterließ Verwirrung: Sollen wir etwas tun? Funktionieren die Kopfhörer richtig?

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Wie eine Steampunk-Version von Myst, aber nach einer Dreiviertelstunde vorbei.

Auch das Festbuggen eigentlich beweglicher Elemente im Spiel ist unpraktisch. Vor allem, wenn das in einem actionreichen Moment des Abenteuers passiert, in dem es um Leben und Tod geht. Eine plötzlich streikende Waffe lässt den Frustfaktor dann innerhalb Sekunden in die Höhe schnellen. Man könnte es natürlich auch andersherum sehen und sagen, dass das für zusätzlichen Nervenkitzel gesorgt hat, aber beabsichtigt war das sichtlich nicht.

Obwohl ich knapp 44 Minuten durchaus Spaß mit dieser etwas abgewandelten Form eines Escape Rooms hatte, bin ich nicht sicher, ob sich dieser nächste Schritt in Richtung multimediale Unterhaltung durchsetzen wird.

Das liegt nicht an dem Konzept selbst oder der Umsetzung, sondern schlichtweg am Preis. Für 2 Personen hat die Dreiviertelstunde Spaß 79 Euro gekostet - eine stolze Summe für das kurze Vergnügen. Dagegen sind reguläre Exit-Spiele mit 22-25 Euro für 60 Minuten pro Person deutlich günstiger. Kommt ihr dagegen in einer größeren Gruppe zu Huxley, spielt sich die Geschichte in einem ähnlichen Preisrahmen ab. Aber Vorsicht: Ihr werdet euch in dem kleinen Raum ganz schön auf die Füße treten.

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Über den Autor:

Franziska Behner

Franziska Behner

Freie Redakteurin

Die begeisterungsfähige Düsseldorferin hält sich eigentlich nur von Pixelspielen und Star Wars fern. Findet, dass in jedem Game Hasen(ohren) vorkommen sollten. Mit Kuchen und einem PS4-Controller in den Händen fast immer glücklich.

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