Dragon's Dogma: Dark Arisen (Switch) - Test: Können wir jetzt Teil zwei haben, bitte?

Ein Spiel übers Unterwegssein. Jetzt für unterwegs.

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Wer Dragon's Dogma bislang noch nicht kannte: Die Chancen, dass ihr das hier lest, ohne meinen ursprünglichen Test, den des riesigen Dark-Arisen-Updates, dessen PS4- und Xbox-Version oder der zuletzt erschienenen, brillantenPC-Portierung angeklickt zu haben, halte ich statistisch gesehen für verschwindend gering.

Deshalb soll es hier in erster Linie um die Umsetzung gehen, die Capcom hier für die Switch liefert und belasse es bei dem Verweis auf die bisherigen Liebesbriefe, die ich diesem Spiel schrieb. Zusammenfassend zum allgemeinen Spiel sei hier nur so viel gesagt:

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Ein ganz schönes Gewusel hier. Tut der Magie keinen Abbruch, die einsetzt, wenn man mit seiner KI-Party ein Rudel Goblins abräumt. (Dragon's Dogma: Dark Arisen Switch - Test)

Dragon's Dogma vereint Action und Rollenspiel auf einem eher wenig begangenen Territorium. Dieses Spiel, für das Devil-May-Cry-Boss Hideaki Itsuno federführend verantwortlich zeichnete, ist ein Vollblut-Third-Person-Brawler japanischer Prägung mit flexiblem Kampfsystem, vielschichtiger Charakterentwicklung und ein paar netten Ideen, wie sich eine RPG-Party in ein waschechtes Haudrauf-Spiel einschalten könnte. Eure KI-gesteuerten Mitstreiter buffen Schwert, Schild und Bogen in Echtzeit mit Elementarzaubern, halten Gegner für einen kritischen Treffer für euch fest und machen sich auch sonst - abseits ihres unentwegten Geplappers - durchweg positiv bemerkbar.

Die Welt ... geschenkt. Es ist generische Fantasy, die allein dadurch interessant wird, dass sie durch die Linse einiger Japaner inszeniert wurde. Das gesamte Spiel durchzieht irgendwie der Hauch des Fremden und wer sich Dark Souls zugetan fühlt, dürfte sehr schätzen, wie vage es sich über weite Strecken gibt. Es ist eine Freude, diese Welt - und die angegliederte höllisch schwere Insel Bitterblack, die im Zentrum der Dark-Arisen-Erweiterung steht - und ihre Regeln zu ergründen - und wenn man denkt, es ist vorbei, geht es mit einem Paukenschlag, der sich gewaschen hat, erst richtig los. Insofern: Solltet ihr dieses Spiel bisher wirklich verschlafen haben: Gratulation, hier kommt was Großes auf euch zu, von dem ich kaum begreifen kann, wie ihr es bisher übersehen konntet!

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Apropos Magie: Wer später auf die Zaubererlaufbahn wechselt, wird überrascht sein, wie viel Macht einigen der Sprüche innewohnt. (Dragon's Dogma: Dark Arisen Switch - Test)

Dann wiederum: Das hier ist sicher nicht die beste Art, Dragon's Dogma zu erleben. Die PC-Version ist schwer zu schlagen, denn diese Sorte Kampfsystem - die übrigens selbst den Magie-Klassen ein wunderbares Gefühl von Macht verleiht, was alles andere als selbstverständlich war - profitiert unstrittig von den hohen Bildraten, die schon auf mittelmäßiger Heimcomputer-Hardware möglich sind. Andererseits dürfte für nicht wenige der Unterwegs-Faktor ein entscheidendes Kaufargument sein. Wenn ihr hierfür überwiegend stabile 30fps in Kauf nehmt, stellt euch auch diese Fassung vollauf zufrieden.

Es ist der übliche Deal: Im Dock gibt es im Grunde ein vergleichbares Erlebnis wie seinerzeit 2012 auf PS3 und Xbox 360. Im Handheld-Modus der Switch muss man wie gehabt mit dynamisch skalierender Auflösung leben, die hier und da in anspruchsvollen Szenen etwas pixelig daherkommt. Der Spielbarkeit tut das keinen Abbruch und ich war überrascht, wie gut ich auch auf dem kleinen Screen noch die Menüs navigierte oder an einem Zyklopen hinaufkletterte, um seine beiden elefantenartigen Stoßzähne einzeln rauszubrechen.

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Traumjob: Zahnarzt im Fantasy-Mittelalter. (Dragon's Dogma: Dark Arisen Switch - Test)

Hüben wie drüben scheint es, als wäre die Vegetation nicht ganz so dicht wie zuletzt auf PS4 und PC, dafür ist die Performance durchweg ordentlich. Der eine oder andere Effekt wirkt ebenfalls weniger ausgeprägt, etwa das schöne Flirren der Luft in der Nähe eines Riftsteins.

Die wichtigsten der beeindruckenderen Grafikspielereien sind allerdings intakt - das Wabern eines Heilzaubers, die hübsch tanzenden Schatten in dunklen Dungeons, weshalb Dragon's Dogma auf dem kleinen Bildschirm immer noch imponiert, so wie jedes gut umgesetzte Spiel auf einer ehemals "großen" Plattform im Hosentaschenformat imponiert.

Das hier war nie das optisch aufwendigste Spiel, zog aber den einen oder anderen wahrhaft überraschenden Moment aus dem Hut - Schatten und Effekte sowie die schiere Größe mancher Kreaturen erhoben den Look doch noch zu etwas besonderem, und irgendwo unverwechselbarem. Und das ändert sich auch auf Switch nicht. Dafür, dass ich mehr oder weniger direkt von der PC-Version komme, fiel der Schock über die zurückgeschraubte Auflösung und Bildrate auf jeden Fall überraschend milde aus.

Überhaupt ist Dragon's Dogma eine Mogelpackung der schönen Sorte: Sieht alles auf den ersten Blick noch unfassbar austauschbar und nach Feld-, Wald- und Wiesenrollenspiel aus, offenbart sich mit der Zeit ein schwer zu packender Querdenker von einem Action-RPG, wie es ihn bislang kein zweites Mal gibt. Es ist zugleich überkompliziert und wunderbar einleuchtend, befolgt nachvollziehbare, elementare Regeln (Feuer/Wasser, packen/festhalten, etc.) und vergisst gleichzeitig stundenlang, über wichtige Details im Spielablauf konkret zu werden.

Keine Frage, Dragon's Dogma ist ein Spiel zum reinknien, durchbeißen und - schließlich - niederknien. Der Nachfolger, über den Capcom intern wohl regelmäßig zumindest spricht, kann nicht früh genug kommen. Wie lange das dauert, das bestimmt wohl auch der Erfolg dieser ordentlichen Umsetzung eines unterschätzten Kultspiels.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: Nintendo Switch; PS4, Xbox One und PC-Versionen ebenfalls erhältlich - Preis: 30 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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