Wargroove ist das Advance Wars, das Nintendo euch nicht geben will

… wenn ihr über das Fantasy-Szenario hinwegsehen könnt.

Es gibt Klone und es gibt Klone. Die einen hasst man, weil sie Profit aus der Beliebtheit und den Ideen anderer schlagen. Die anderen liebt man, weil sie einem geben, was einem das Original nicht mehr liefern kann oder will.

Wargroove vom Starbound-Macher und Stardew-Valley-Publisher Chucklefish gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Der Indie-Titel liefert gewissermaßen das erste Advance Wars, seit Days of Ruin mit seiner düstereren Ausrichtung vor über zehn Jahren das Franchise vorerst beerdigte und sich Intelligent Systems auf seine andere Strategiereihe konzentrierte: Fire Emblem.

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Putzig, aber auch nicht einfach.

Hier steckt so gut wie alles drin, was ihr an Advance Wars liebt und vermisst: Leichtherziger Tonfall, Vogelperspektive, aus der ihr auf hübsch handgepixelte Truppen herunterblickt, die sich auf ihren Schlachtfeldern mit quadratischen Grundeinheiten wenig um RPG-Mechaniken kümmern. Ihr produziert munter nach, soweit eure rundenweise angehäuften Einkünfte reichen, und nutzt spezielle Bedingungen für kritische Treffer oder bringt Kommandantenfähigkeiten zum Einsatz, die das Zünglein an der Waage darstellen können. Und natürlich stehen sich die Einheiten im Kampf für eine kurze Zwischensequenz in niedlich animierten Duellbildschirmen gegenüber.

Der einzige Unterschied: Wo in Advance Wars Infanterie, Panzer und Haubitzen die Hauptrollen spielten, fischt auch Wargroove im Anime-Fantasy-Gewässer eines Fire Emblem. Aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich das nach wenigen Stunden schon wieder vergessen, so sehr fühlte sich Chucklefishs Werk von Anfang des Jahres (erhältlich auf Nintendo Switch, Xbox One und PC) nach der Vorlage an, die 2001 auf dem Game Boy Advance ihr Debüt feierte.

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HA HA HA. Brennt, Baumleute, brennt! Wir sind übrigens die Guten!

Ihr zieht sogar über eine nett gemachte Oberweltkarte, während ihr die Kampagnen-Geschichte verfolgt oder erstellt mit einem Editor eigene Multiplayerkarten, die man dann sogar im Crossplay gegen die Spieler auf anderen Plattformen ausprobieren darf.

Überhaupt besticht die Leichtigkeit bei gleichzeitiger Tiefe. Kein Wunder, ist das Regelwerk doch überwiegend geliehen. Aber über die Karten zu ziehen, Gebäude ein- oder dem Feind abzunehmen und dadurch die Einnahmen zu steigern oder hier geschwächte Truppen strategisch wieder aufzupäppeln, das macht unmittelbar den im Grunde selben Spaß wie damals.

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Auf der Karte von einer Schlacht zur nächsten.

Klar, Wargroove gewinnt keine Originalitätspreise und die Karten und der Soundtrack sind nicht ganz in derselben Liga wie das, was Intelligent Systems sonst liefert. Aber es spielt sich einfach sehr vertraut und durchweg solide - ich würde es in der heutigen Spielelandschaft nicht missen wollen. Es ist die toll gespielte Coverversion eines Lieblingssongs, den man seit einer Dekade nicht mehr hörte. In jede Note legen die Entwickler eine Liebe, die beweist,wie zugetan man doch der Vorlage ist.

Obwohl man sicher nicht falsch liegt, in diesem Klon auch eine herzhaft beim Schopf gepackte Marktchance zu wittern, wird man das Gefühl nicht los, Chucklefish hat dieses Spiel auch und vor allem für sich selbst gemacht. Wer könnte es ihnen verübeln?

P.S.: Wargroove ist im Xbox Game Pass für PC enthalten.

Entwickler/Publisher: Chucklefisch - Erscheint für: Switch, PC, Xbox One. PS4 erscheint später - Preis: 16,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: PC/Switch

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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