Die wahre Sensation an Darksiders Genesis verrät euch der Trailer nicht

Eine Heimkehr, die bedeutender sein könnte, als ihr vielleicht denkt.

Sagt über THQ Nordic, was ihr wollt - sie sind keine der Firmen, die sich beliebte Spiele-Marken nur aus Eitelkeit und Kaufwut sichern, um dann untätig darauf rumzusitzen, wie es so oft der traurige Fall ist. Was THQ Nordic einkauft, dazu wird auch ein Spiel entwickelt, und zwar zügig und wenn möglich von den bestmöglichen Leuten, die dafür zur Verfügung stehen.

Darksiders 3 erfüllte sicher nicht alle Erwartungen an eine Weiterführung der allseits respektierten Vigil-Reihe. Aber das lag weder an fehlendem Talent oder am betriebenen oder nicht betriebenen Aufwand. Mit Gunfire Games wählte man das beinahe perfekte Studio dafür: Gunfire Games besteht zu einem Großteil aus ehemaligen Vigil-Mitarbeitern, die zuvor in erster Linie jahrelang Darksiders 1 und 2 gemacht hatten. Und auch in neuer Konstellation hatten sie bereits den Beweis erbracht, dass sie tolle Action-Adventures abliefern können. Ihr Chronos (Test) ist bis heute eines der besten Oculus-Spiele.

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Unverkennbar.

THQ Nordic hat Augenmaß, Sorgfalt und Fingerspitzengefühl bewiesen. Wo andere Publisher den erstbesten Entwickler, der schon mal ein passables artverwandtes Spiel ausgeliefert hat, darauf angesetzt hätten, war diesem hier offenkundig wichtig, den speziellen Esprit der Reihe einzufangen. In dieser Hinsicht ist Darksiders 3 ein lobenswertes Unterfangen. Ob es auch ein aus finanzieller Sicht lohnendes war, vermag ich nicht zu sagen.

Jedenfalls sieht es nicht danach aus, als wäre THQ Nordic mit seinen Ideen für Darksiders am Ende. Nicht nur, was die Ausrichtung der Serie selbst angeht, sondern auch im Hinblick darauf, wer sich damit im Detail befassen soll. Mit Darksiders Genesis macht die Reihe nun den nächsten Schritt auf ihrem langen Nachhauseweg - und der könnte sie noch näher dorthin bringen, wo treue Fans sie sehen möchten. Allein, das Spiel, das dazu notwendig ist, ist vielleicht nicht, was sie erwarten.

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Strife ist der vierte Reiter. Und der, der uns noch fehlte.

Nein, auch das positive Signal von Genesis liegt zunächst einmal in der Wahl des Personals. Mit Airship Syndicate (machten unter anderem das unterschätzte Battle Chasers) sitzt nämlich niemand anderes als Joe Madureiras neues Studio als nächstes an der Darksiders-Marke. Und wenn das bei euch Glocken läuten lässt, dann "Bingo"! Joe "Mad" ist der Gründer von Vigil Games und Erfinder und Chefgestalter von War, Death und Konsorten.

Dieses kleine Detail ist um ein Vielfaches aufregender und erfreulicher, als nur zu hören, "das nächste Darksiders ist ein Koop-Diablo-like". Es eröffnet der Serie Raum zu wachsen, hält sie mit einem Prequel, das legitim und nicht nach Fan-Fiction-Art die Geschichte und das Universum weiter ausbaut, am Leben und führt gleichzeitig den vierten Reiter Strife ein.

Betrachtet das Projekt als Wiedersehen von Werk und Schöpfer nach vielen Jahren, als eine Erdung und Neukalibrierung unter der alten Führung, bevor - entsprechender Erfolg von Genesis vorausgesetzt - Joe Mad vielleicht durch die traditionelle breitschultrig-riesenhändige Schablone wieder mehr in die Zukunft der Four Horsemen schauen darf, anstatt ihre Vergangenheit zu inszenieren. Klar, Gunfire Games plant schon den vierten Teil, nach eigenen Aussagen von der letzten gamescom stehen sich die beiden Studios aber sehr nah und ich bin sicher, gegen eine engere Zusammenarbeit mit Madureira für das, was hiernach folgt, dürfte wenig sprechen.

Ok, Spekulation, schon klar. Aber ich habe schon das Gefühl, dass Darksiders 3 in erster Linie an einem Joe-Mad-förmigen Loch krankte, das sich mit Leichtigkeit für einen Folgetitel füllen ließe. Genesis könnte die Initialzündung dafür sein.

Gleichzeitig habe ich großes Vertrauen in Madureira und sein Team, auch Genesis selbst zu einem lohnenden Abenteuer zu machen. Darksiders 2 war schon nicht so weit weg von Diablo, Battle Chasers machte sich trotz Rundenkampfs auch aus der Vogelperspektive einfach bestens und einige der Reiter endlich im kooperativen Gemetzel zu erleben, erfüllt zumindest eine der lang gehegten Hoffnungen im Bezug auf Darksiders.

Ich bin sicher, Airship Syndicate macht etwas Gutes draus, auch wenn die Neuigkeit, das nächste Darksiders würde mehr in Richtung Diablo gehen, erstmal nicht besonders viel versprechend klang. Es sind eben doch die Details, die den Unterschied machen. Und manchmal stecken die eben in einer Personalie. Joe Mad und sein Baby - wieder vereint. Das ist ein Grund zum Feiern. Ich frage mich immer noch, warum THQ Nordic das im Trailer nicht ein bisschen lauter herausposaunte.

Entwickler/Publisher: Airship Syndicate/THQ Nordic Erscheint für: Nintendo Switch, PS4, Xbox One, PC, Stadia - Geplante Veröffentlichung: 2019 - Angespielt auf Plattform: -

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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